• 20.12.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: In der Realwirtschaft läuft es noch - von Eva Komarek

Die aktuelle Krise ist bisher vor allem eine Finanzkrise

Wien (OTS) - Glaubt man den Prognosen von nationalen und
internationalen Instituten, dann sieht es für die Wirtschaft im
kommenden Jahr tiefschwarz aus. So zählte erst letzten Freitag die
US-Ratingagentur Standard & Poor's Österreich als Nettoexporteur zu
den besonders stark durch eine Rezession gefährdeten Ländern der
Eurozone. Schwächere Exporte und die Schwierigkeiten im Finanzsektor
könnten 2012 die Wirtschaft wesentlich belasten, hieß es in der
Studie. Angesichts der strikten Sparmaßnahmen erwartet S&P auch keine
Unterstützung der Wirtschaft durch Staatsausgaben. Ähnlich düster ist
das Bild, das PwC zeichnet. Der Unternehmensberater geht für die
kommenden Quartale von einem Double Dip aus. Zudem verliere Europa
als Wirtschaftsstandort an Attraktivität. Asien hingegen hole
unglaublich schnell auf. Und auch die Oesterreichische Nationalbank
(OeNB) rechnet für Österreich für das eine oder andere Quartal mit
einem Minus beim Wirtschaftswachstum.

Ganz anders stellen sich die Prognosen der Unternehmen dar, die von
einer Krise bisher noch kaum Auswirkungen bemerken. Selbst Siemens,
die gestern ihre Bilanz vorgelegt hat, hat zumindest für das erste
Quartal noch volle Auftragsbücher und rechnet mit einer stabilen
Umsatzentwicklung für 2012. Dabei ist der Konzern zu einem großen
Teil von öffentlichen Aufträgen abhängig. Auch ein Blick zu unserem
Nachbarn Deutschland, dem wichtigsten Exportpartner Österreichs, gibt
Grund zur Hoffnung. Dort sind zuletzt laut aktuellem Ifo-Index die
Industrieaufträge sogar kräftig gestiegen, und auch die
Konsumausgaben der Verbraucher zeigten sich robust.

Somit liegt der Schluss nahe, dass die aktuelle Krise bisher vor
allem eine Finanzkrise ist. Die Banken kämpfen mit hohen
Abschreibungen auf Wertpapiere und müssen wegen strengerer
Eigenkapitalvorschriften ihre Risikopositionen überdenken. Das könnte
dazu führen, dass sie auch weniger Kredite vergeben oder Kreditlinien
nicht mehr verlängern. Dann könnte es auch für die Realwirtschaft eng
werden, der die größte Gefahr von einer Kreditklemme droht. Ein
klares Zeichen setzte diesbezüglich die EZB, die ankündigte, den
Banken ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen, damit diese
keine Entschuldigung für zu geringe Kreditvergabe hätten.

Wesentlich für die Realwirtschaft ist aber auch, dass die Politik bei
ihren Sparpaketen nicht mit Steuern den Unternehmen den Saft abdreht
oder am falschen Ort - wie bei Forschung und Innovation - den
Rotstift ansetzt. Apropos: Wie steht es eigentlich mit der
Verwaltungsreform?

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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