• 19.12.2011, 12:40:24
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Lebenshilfe: Mehr Selbstbestimmung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung

Lebenshilfe und Sozialpartner fordern gerechten Lohn statt Taschengeld und Teilhabe am Arbeitsmarkt

Wien (OTS) - Eigenes Geld zu verdienen, ist für den Großteil der
rund 50.000 in Österreich lebenden Menschen mit intellektueller
Beeinträchtigung keine Selbstverständlichkeit. Bei der Tagung "Wege
zur inklusiven Arbeit" in Salzburg forderten die Lebenshilfe
Österreich und die Sozialpartner unisono verbesserte
Rahmenbedingungen für den Zugang zur Arbeit sowie auf die Person
zugeschnittene Unterstützungsleistungen für Menschen mit
Lernschwierigkeiten.

"Gerechter Lohn statt Taschengeld, Sozialversicherung und Anspruch
auf Alterspension: Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung
wollen als erwachsene Persönlichkeiten wahrgenommen werden und einen
selbstbestimmten Lebensweg im Rahmen unserer Gesellschaft gehen",
erklärte Lebenshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Germain Weber bei der
gemeinsam mit den Sozialpartnern organisierten Tagung der Lebenshilfe
Österreich in Salzburg.

Sowohl Fachleute als auch Betroffene kamen bei der zweitägigen
Veranstaltung über die Beschäftigungssituation von Menschen mit
Beeinträchtigungen zu Wort. So sprach sich Hansjörg Hofer,
stellvertretender Behindertenanwalt, in seinem Vortrag für die
österreichweite Ausweitung von Jobcoaching-Projekten als Sprungbrett
in den Arbeitsmarkt aus. Aus der Praxis berichtete Julian Bitschnau,
Selbstvertreter aus Vorarlberg, und erklärte sein Anliegen:
"Menschen, die in einer Einrichtung arbeiten, haben genauso das Recht
später eine Pension zu bekommen, wie Menschen, die in Betrieben
arbeiten". Sozialexperte Oliver Koenig wies indessen auf die Rolle
der UN-Behindertenrechtskonvention hin, die ein Umkehrgebot für die
Behindertenhilfe darstelle. Hier hakte Guido Güntert, Geschäftsführer
der Lebenshilfe Salzburg, ein: "Die UN-Konvention richtet sich nicht
gegen die Werkstätten, wie wir sie kennen, an sich. Sie richtet sich
aber sehr wohl dagegen, dass Werkstätten die einzige Wahlmöglichkeit
darstellen." Für verbesserte und auf die Person zugeschnittene
Unterstützungsmaßnahmen, wie persönliche Assistenz, plädierten die
Vertreter und Vertreterinnen der Sozialpartner in der
Podiumsdiskussion.

Sozialpartner unterstützen Forderungen der Lebenshilfe

Gernot Mitter, Vertreter der Arbeiterkammer Wien, nannte in der
Debatte die Durchlässigkeit am Arbeitsmarkt und bundeseinheitliche
Regelungen für notwendige Schritte hin zum inklusiven Arbeitsmarkt.
Die Vertreterin der Wirtschaftskammer, Nicola Vogl, wies darauf hin,
dass Betriebe über die Beschäftigung von Menschen mit
Beeinträchtigungen beraten und individuelle Lösungen angestrebt
werden sollen. Gemeinsam mit Herbert Pichler vom Österreichischen
Gewerkschaftsbund und Joachim Malleier, Koordinator der Plattform
"arbeitundbehinderung", betonten sie ,die Lebenshilfe als Partner auf
ihrem Weg zur Inklusion zu unterstützen.

Selbstverpflichtung

Für die Lebenshilfe Österreich führen die Forderungen nach
gerechtem Lohn statt Taschengeld und Zugang zu einem inklusiven
Arbeitsmarkt zu konkreten Konsequenzen in ihrer Arbeit: "Unsere
Beschäftigungsstrukturen sollen sich künftig neu ausrichten. Wir
wollen gemeindenahe Zentren für Inklusion aufbauen und vor allem
selbst als Arbeitgeber für Menschen mit Beeinträchtigungen
auftreten", unterstrich Weber. "Um zu einem offenen und inklusiven
Arbeitsmarkt zu gelangen, braucht es neben individualisierten
Unterstützungsmaßnahmen gute Anreize für Unternehmen, Menschen mit
Beeinträchtigungen anzustellen. Dazu sind grundlegende Reformen
notwendig und vor allem Mut und Willen zur Veränderung", appellierte
Weber an die Vertreter und Vertreterinnen der Politik.

Mitbestimmung als Kernpunkt des neuen Leitbilds und der Statuten

Anschließend an die Tagung fand die Mitgliederversammlung der
Lebenshilfe Österreich statt, in der die größte und älteste
Interessenvertretung von Menschen mit intellektueller
Beeinträchtigung in Österreich ihr neues Leitbild sowie neue Statuten
verabschiedete. Die neuen Regelungen sehen eine verstärkte
Mitbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen innerhalb der
Gremien vor. So wird in Zukunft ein Mitglied des
Selbstvertretungs-Beirats im Präsidium vertreten sein und als
Vizepräsident oder Vizepräsidentin die Lebenshilfe Österreich nach
außen repräsentieren. Des Weiteren werden acht Selbstvertreter und
Selbstvertreterinnen gemeinsam mit Angehörigen und Führungskräften
aus den Landesorganisationen in der Mitgliederversammlung ihre
Anliegen einbringen.

"Die Lebenshilfe Österreich setzt sich für die Verwirklichung
einer inklusiven Gesellschaft auf Grundlage der
UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich ein. Wir unterstützen
Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und deren Angehörige
bei der Vertretung ihrer Interessen in und mit der Gesellschaft",
zitierte Lebenshilfe-Präsident Weber aus dem ebenfalls
verabschiedeten neuen Leitbild.

"Wir sind nun gut in den Gremien vertreten und können stärker
auftreten", äußerte sich Selbstvertreter Erich Girlek erfreut zu den
Neuerungen. Lebenshilfe-Präsident Germain Weber: "Mit unseren neuem
Leitbild und den Statuten ist uns ein Meilenstein auf unserem Weg zur
Inklusion gelungen. Was wir in unserer eigenen Organisation
vormachen, das fordern wir ebenso von der Politik und der
Gesellschaft." Und weiter: "Die Selbstvertreter und
Selbstvertreterinnen leisten hervorragende Arbeit. Ich freue mich
außerordentlich auf die enge Zusammenarbeit", so der
Lebenshilfe-Präsident abschließend.

Rückfragehinweis:
Lebenshilfe Österreich
Eva Schrammel
Tel.: 01/812 26 42 - 79 oder 0664/88 43 1996
mailto:[email protected]
www.lebenshilfe.at

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