- 19.12.2011, 11:08:58
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"Röntgenbild" der Wohnungsmärkte in der EU zeichnet für Österreich positiven Befund
Gemeinnützige plädieren für Sicherung des Stabilitätskurses im Wohnbau
Wien (OTS) - Die "Liberalisierung und Deregulierung des
Kreditapparates" in Verbindung mit einer "staatlichen Forcierung des
Wohnungseigentums" ortet der Wirtschaftsforscher Dr. Robert Wieser
als die "zentralen destabilisierenden Faktoren", die zum Platzen von
Immobilienblasen und den damit verbundenen negativen Auswirkungen auf
die Volkswirtschaften geführt haben.
Gemeinsam mit Mag. Karl Wurm, Obmann des Dachverbandes der
Gemeinnützigen stellte Robert Wieser am Montag, den 19.12. in einer
Pressekonferenz eine Studie über "Stabilisierende und
destabilisierende Faktoren auf den Wohnungsmärkten der EU-14" vor.
Darin beleuchtet er einen Themenbereich, der trotz der objektiv
großen Relevanz des volkswirtschaftlichen "Gefahrenpotentials von
fehlgeleiteten Wohnungsmärkten" bisher eher im Schatten der
wissenschaftlichen Aufmerksamkeit stand.
"Gerade in Spanien und Irland", die lange Zeit als
wirtschaftspolitische Vorzeigeschüler der EU galten, hätten, so
Wieser, das Öffnen zu einer größeren Zahl von Kreditanbietern, die
eine risikoreiche Produktpalette offerieren, und eine freizügige
Kreditvergabepolitik der Banken zunehmend einkommensschwächere
Haushalte zum "Wohnungskauf auf Pump" verleitet. Dies auch forciert
durch den Verzicht dieser Länder auf einen ausgewogenen Mix aus Miet-
und Eigentumswohnungen, sodass für viele das kreditfinanzierte
Wohnungseigentum die einzige Möglichkeit zur Wohnversorgung war. Das
"Platzen der Immobilienblase" mit den gravierenden
volkswirtschaftlichen Folgen habe dann viele Familien in große
Schwierigkeiten bis hin zum Wohnungsverlust gebracht. Rein via
Kapitalmarkt finanzierte "Geisterstädte" wie z.B. am Rand von Madrid
oder in zahlreichen irischen Städten bleiben als Zeichen dieses
wohnungspolitischen Irrweges zurück.
Demgegenüber habe Österreich durch ein kluges Zusammenspiel
zwischen einem regulierten Mietwohnungssystem, einem hohen Anteil
nicht-spekulationsorientierter und eigenkapitalstarker Vermieter wie
etwa die Gemeinnützigen, einem breiten geförderten
Mietwohnungsbestand und den Instrumenten der objektorientierten
Wohnbauförderung sowie der Wohnbaubanken die Krise "wesentlich besser
bewältigt", zieht Wieser ein Resüme: "Der österreichische
Wohnbausektor hat sich wesentliche stabiler entwickelt."
Diese "Grundausstattung" des österreichischen Wohnbaus solle auch
in "von budgetären Engpässen gekennzeichneten Zeiten" leistungsfähig
bleiben, meint dazu Mag. Karl Wurm. Zentral gehe es vor allem darum,
dass die Wohnbauförderung, "die sich als bedeutender
Stabilitätsfaktor in Krisenzeiten erwiesen hat, nun nicht selbst zum
Opfer der Krise wird." Wurm verweist in diesem Zusammenhang auf den
Rückgang der Förderungszusicherungen, die 2010 gegenüber dem
vorangegangenen Jahr um 16% bzw. 5.000 Wohnungen auf rd. 28.000
Wohnungen abgenommen haben. Besonders dick fiel dabei das Minus im
Geschosswohnbau aus, wo ein Rückgang um 27% - das sind 4.700
Wohnungen - zu verzeichnen war.
Und speziell die leistbare Mietwohnung wäre das Segment mit der
größten Nachfrage, spricht Wurm die Erfahrungen aus den Kundenzentren
der 193 gemeinnützigen Bauvereinigungen an. Der freifinanzierte
Wohnbau könne hier keineswegs in die Bresche springen. Selbst wenn
momentan ein kräftiger Trend weg von Kapitalmarktprodukten und dem
Sparbuch hin zum Investment in eine neue Eigentumswohnung zu
registrieren sei und auch die Eigentumswohnung in Altbauten -
speziell in Wien - auf stärkeres Interesse stoße, "müssen wir eines
im Auge behalten: Es gibt eine steigende Zahl von
Wohnungsnachfragern, für die weder die Eigentumswohnung in Frage
kommt, die auch über keinerlei innerfamiliäre Finanzhilfen verfügen,
die keine Schuldenlast auf sich nehmen können. Für diese Leute ist
die Mietwohnung nach wie vor das Modell für die Wohnversorgung und
dafür ist die Wohnbauförderung unerlässlich."
Der GBV-Obmann plädiert daher für eine "bedarfsgerecht dotierte
Wohnbauförderung in den Ländern" und bringt in diesem Zusammenhang
noch ein weiteres Argument in die Diskussion: "Bei allem Sparen
sollen wir daran denken, dass ein Aufschwung aus der Krise nur mit
einem wirtschaftlichen Wachstum möglich ist. Der Wohnbau mit seiner
hohen volkswirtschaftlichen Multiplikatorwirkung wäre eine gute
Unterstützung, damit der Konjunkturmotor wieder auf Touren kommt."
Wurm verweist darauf, dass die produktiv eingesetzten
Wohnbauförderungsmittel von rd. 1,4 Mrd. Euro ein Investitionsvolumen
von rd. 6,5 Mrd. Euro im Jahr generieren.
Mit über 540.000 Miet- und Genossenschaftswohnungen, das ist ein
Anteil von 15% am gesamten Wohnungsbestand, und ihrem auf
Langfristorientierung - sprich soziale, ökonomische und ökologische
Nachhaltigkeit - angelegten Geschäftsmodell hätten die Gemeinnützigen
einen beachtlichen Teil zur Stabilität auf dem österreichischen
Wohnungsmarkt beigetragen, betont Karl Wurm: "Damit wir auch in
Zukunft bei knapper werdender Wohnbauförderung dem steigendem Bedarf
nach Neubauwohnungen und erhöhten Anforderungen in der Sanierung
nachkommen können", wäre auch eine Anpassung auf legistischer Ebene
erforderlich, mahnt der GBV-Obmann die ausstehende Wohnrechtsreform
ein: "Es geht um eine Flexibilisierung und Anpassung unseres
gesetzlichen Operationsrahmens WGG (Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz)
vor allem im Wege der Stärkung und Absicherung der Möglichketten zur
Bildung von Eigenkapital durch die Gemeinnützigen."
Rückfragehinweis:
Mag. Karl Wurm
Gewog - Neue Heimat
Tel.: 401 09 10
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