Neue Unterinntalbahn - Gleisbau abgeschlossen
Nach 20 Monaten Bauzeit wird heute die letzte Schiene bei der neuen Unterinntalbahn in Tirol verlegt - Inbetriebnahme der Neubaustrecke erfolgt Mitte Dezember 2012
Innsbruck (OTS) - Bis zu 350 Arbeiter waren in den vergangenen
eineinhalb Jahren zwischen Kundl und Baumkirchen in den Tunnels der
neuen Unterinntalbahn im Einsatz. Rund um die Uhr wurde betoniert,
Gleistragplatten verlegt und bis zu 120 Meter lange Stahlschienen
fachgerecht verschraubt. Der finale "Lückenschluss" erfolgt heute im
Tiergartentunnel im Gemeindegebiet von Wiesing, wenn die letzte
Schiene eingebaut wird. "Die Hauptarbeiten für den größten
Einzelauftrag der Unterinntalbahn sind mit heutigem Tag erfolgreich
abgeschlossen. In weniger als einem Jahr werden die ersten
fahrplanmäßigen Züge die Neubaustrecke mit bis zu 220 km/h befahren",
freut sich Georg-Michael Vavrovsky, Vorstandsdirektor der
ÖBB-Infrastruktur AG. Somit steht die rund 40 Kilometer lange und
nach dem letzten Stand der Technik errichtete zweigleisige
Neubautrasse für die weiteren Tests bis zur Inbetriebnahme Mitte
Dezember 2012 zur Verfügung. "Die Firmen und ÖBB Mitarbeiter haben
sich mit Leidenschaft und Einsatz ordentlich ins Zeug gelegt. Wir
sind mit diesem wichtigen Ausrüstungsschritt gut zwei Wochen vor dem
Plan", so Johann Herdina der ÖBB-Geschäftsbereichsleiter für die
Umsetzung. Mit der Inbetriebnahme im kommenden Fahrplan bietet die
Neubautrasse vor allem Platz für den schnellen Personenfernverkehr
sowie den Gütertransport. Auf der bestehenden Bahnstrecke entsteht
durch die Entlastung mehr Platz für den Ausbau des Nahverkehrs.
Höchste Präzision beim Fahrwegbau
Mit der neuen Unterinntalbahn errichtet die ÖBB-Infrastruktur in
Tirol eine der modernsten Eisenbahnstrecken Europas. So haben die
Techniker auf einer Länge von 23 Kilometern ein Masse-Feder-System
als wirkungsvollen Erschütterungsschutz hergestellt. Siedlungsgebiete
zwischen Kundl und Baumkirchen werden so vor spürbaren Auswirkungen
aus dem Bahnbetrieb wirksam geschützt. Mit höchster Laufruhe werden
die Züge über eine sogenannte "Feste Fahrbahn" geführt. Alle Schienen
sind bei diesem modernen System auf Fertigteilplatten aus Beton
verschraubt. Johann Herdina: "Trotz tonnenschwerer Stahlschienen und
viel Beton arbeiten die Bautrupps wie Feinmechaniker. Die endgültige
Gleislage passt millimetergenau."
Rail Cargo Austria sorgte für funktionierende Lieferlogistik
Die Logistik zur Abwicklung der Gleisbaustellen mit 120 Meter langen
Schienenstücken war für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung.
Allein die Betonanlieferung von 300.000 m3 hätte - wäre sie per LKW
erfolgt - eine 500 Kilometer lange durchgehende Fahrzeugschlange von
Innsbruck bis nach Wien verursacht. Die Logistiker der ausführenden
Firmen, die Experten der Rail Cargo Austria und die
ÖBB-Betriebsplaner haben in der Vorbereitung zur Umsetzung perfekt
zusammengearbeitet. So konnte der überwiegende Anteil des benötigten
Baumaterials, unter anderem die gesamten Schienen und der
Gleisschotter umweltfreundlich per Bahn auf die Baustellen geliefert
werden. Wo dies nicht möglich war, nutzten die Transporteure das Netz
der ÖBB-Baustraßen und temporären Autobahnanschlüsse. Allein für die
Anlieferung der Tonnenschweren Gleistragplatten vom
Beton-Fertigteilwerk im Unterinntal auf die Baustelle wurde täglich
ein Zug mit zehn Waggons und über 900 t Gesamtgewicht in den
bestehenden Fahrplan ohne Störung des regulären Betriebes
eingebunden.
Testfahrten beginnen im kommenden Jahr
Bereits Anfang des kommenden Jahres wird zwischen Jenbach und
Baumkirchen die neue Fahrleitung unter Spannung gesetzt. Dann startet
der Testbetrieb mit Zugmessfahrten bis zu 250 km/h. Die
maschinentechnische Ausrüstung der gesamten Tunnelkette - 80 Prozent
der Neubaustrecke wird unterirdisch geführt - startet im kommenden
Jahr und wird über die ÖBB-Leitstelle in Zirl überwacht. Die
betriebliche Steuerung und Disposition der Zugfahrten wird durch die
ÖBB Fahrdienstleiter in der modernen Betriebsführungszentrale (BFZ)
am Innsbrucker Hauptbahnhof umgesetzt. Die neue Unterinntalbahn wird
am 9. Dezember 2012 fahrplanmäßig in Betrieb gehen. Sie bietet der
Transportwirtschaft neue umweltfreundliche Beförderungskapazitäten.
Anrainer entlang der bestehenden Bahnanlagen können mit einer
wirksamen Lärmentlastung rechnen. Zudem schafft die Neubautrasse
Platz um den S-Bahn-Verkehr im Unterinntal im Sinne der Kunden
auszubauen. Durch die Inbetriebnahme weiterer Neubaustrecken zwischen
St. Pölten und Wien wird sich die Fahrzeit der railjet-Züge zwischen
Innsbruck und Wien Ende 2012 um 20 Minuten auf 4 Stunden 17 Minuten
verkürzen.
ÖBB: Österreichs größter Mobilitätsdienstleister
Als umfassender Mobilitätsdienstleister sorgt der ÖBB-Konzern
österreichweit für die umweltfreundliche Beförderung von Personen und
Gütern. Mit konzernweit rd. 42.500 MitarbeiterInnen (inkl. Lehrlinge
44.125) und Gesamterträgen von rd. 6,1 Mrd. EUR ist der ÖBB-Konzern
ein wirtschaftlicher Impulsgeber der Republik Österreich. Im Jahr
2010 wurden von den ÖBB 460 Mio. Fahrgäste und 132,9 Mio. Tonnen
Güter transportiert. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist
die ÖBB-Holding AG.
Zahlen und Fakten zum Gleisbau "Neue Unterinntalbahn"
841.000 Schrauben zur Gleismontage
300.000 m3 Beton
142.000 Laufmeter Schiene
71.000 Laufmeter Feste Fahrbahn
69.000 Laufmeter Randweg
35.000 Meter Löschwasserleitung
27.000 Quadratmeter Lärmschutzverkleidung
23.000 Laufmeter Masse-Feder-Systeme
13.149 Einzelgleistragplatten
1.130 Kilometer Kabel
995 Kilometer Lichtwellenleiter
20 Monate Bauzeit
Konzernkommunikation
Rene' Zumtobel
Pressesprecher
Tel.: 0512 93000 2110,
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