- 14.12.2011, 16:20:31
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Auf den Hund gekommen ..."
Ausgabe vom 15. Dezember 2011
Wien (OTS) - Neben den mehr als zweifelhaften journalistischen
Leistungen von "Kronen Zeitung" und ORF in Sachen Hundetötungen in
der Ukraine haben sich diesbezüglich auch Regierung und Nationalrat
hemmungslos dem Populismus ergeben. Alle fünf Parteien entschlossen
sich, lauthals dagegen zu protestieren, der Staatssekretär im
Außenamt zeigte sich in einer Rede tief betroffen.
Die radikale Kürzung der Entwicklungshilfe, der humanitären Hilfe
sowie der Beiträge an internationale Organisationen im Budget 2012
wurde vergleichsweise klaglos von den Parlamentariern zur Kenntnis
genommen. Österreich kürzt die Entwicklungshilfe-Zusammenarbeit um
7,6 Millionen Euro, obwohl immer mehr Menschen an Hunger leiden und
daran sterben.
Nun ist nichts dagegen zu sagen, ukrainische Tierheime mit
Hundefutter zu unterstützen, aber wo bleibt die
All-Parteien-Unterstützung für Menschen in Afrika, die verhungern?
Und warum gibt es keine parlamentarischen Proteste gegen China und
Taiwan? Dort sind Hunde Nahrung und werden unter so entsetzlichen
Umständen gehalten, dass die heimischen Schweine-Kästen harmlos
wirken. Jede Wette, dass es bei der nächsten Sitzung des
Nationalrates am 18. Jänner keine Debatte gegen Chinas Hundehaltung
geben wird ...
Dass sich der Nationalrat ausgerechnet mit der Entschließung für
ukrainische Streunerhunde (die dort auch ein sanitäres Problem
darstellen, auch wenn die armen Tiere nichts dafürkönnen) aus dem
Jahr 2011 verabschiedet, ist hoffentlich kein Signal. Denn es wäre
eine bedingungslose Kapitulation vor dem Populismus.
Hunde zu retten ist sympathisch, keine Frage. Aber wenn über
Schuldenbremse und gerechte Verteilung diskutiert wird, wo bleibt
dann die Diskussion über die nebochantische Haltung Österreichs in
der Entwicklungshilfe?
Heimische Politiker werden jetzt vor den Feiertagen die
Spendenbereitschaft der Österreicher über den grünen Klee loben und
gerne bei "Licht ins Dunkel" auftreten. Besser wäre es, die Rücknahme
der Mittelkürzung bei der Entwicklungshilfe zu verkünden. Die 7,6
Millionen Euro ließen sich auch anderswo einbringen: bei
Beraterkosten, Inseraten, sinnlosen Subventionen oder der
Verschwendung von öffentlichem Vermögen in ÖIAG und Bundesländern.
Dann ginge es sich sogar aus, Tierheime in der Ukraine zu bauen.
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