OTS0033   14. Dez. 2011, 09:11

Umweltdachverband: Aktuelle Wasserkraftwerksliste beweist, dass E-Wirtschaft Gewässerschutz ignoriert

- UWD präsentiert brandaktuelle Kraftwerksliste: 218 Wasserkraftwerke in Planung, 93 weitere in Bau bzw. seit Kurzem in Betrieb


Öko-Desaster: 52 % der Projekte liegen in sensiblen
Standorten
- Überzogene Ausbaupläne der E-Wirtschaft durchkreuzen Schutzpläne
für unsere Flüsse
- Alle Planungen abrufbar auf google maps via
http://www.umweltdachverband.at

Der Umweltdachverband hat seine Liste mit allen
Wasserkraftwerksplanungen der E-Wirtschaft in Österreich
aktualisiert. "Unsere google maps-Karte im Internet bringt zu jedem
Wasserkraftprojekt Daten und Fakten und beweist, dass die
E-Wirtschaft die Bestrebungen für eine zukunftsweisende
Gewässerschutzpolitik im Rahmen des Nationalen
Gewässerbewirtschaftungsplans (NGP) ignoriert: 218 Wasserkraftwerke
sind derzeit in der Pipeline - davon sind 174 als Neu- und 44 als
Ausbauten zu deklarieren. 32 Kraftwerke davon haben Leistung von mehr
als 15 MW und sind daher umweltverträglichkeitsprüfungspflichtig.
Spitzenreiter des Ausbaus ist Kärnten mit 68 uns bekannten Vorhaben,
gefolgt von Tirol (43), Vorarlberg (32), Oberösterreich (28), der
Steiermark (26), Salzburg (16), und Niederösterreich (5)", erklärt
Gerhard Heilingbrunner, ehrenamtlicher Präsident des UWD.

115 Kraftwerksprojekte in Zonen mit besonderer ökologischer
Qualität geplant
Besonders schändlich ist aus ökologischer Sicht, dass 29 Kraftwerke
in gewässerrelevanten Natura 2000-Gebieten, Nationalparken oder
Sonderschutzgebieten geplant sind - je 6 in der Steiermark und in OÖ,
je 4 in NÖ und Salzburg, je 3 in Kärnten, Tirol und Vorarlberg.
Betroffen sind z.B. die Natura 2000-Gebiete Ober- und Mittellauf der
Mur, Untere Traun, Salzach-Auen, und die Bregenzer Achschlucht. Nimmt
man zu den Schutzgebieten jene Strecken hinzu, die eine besondere
ökologische Bedeutung haben - in einem guten bzw. sehr guten
ökologischen Zustand sind, aber außerhalb von Schutzgebieten liegen
-, befinden sich 86 Vorhaben in sensiblen Zonen - 40 (!) in Kärnten,
16 in Vorarlberg, 15 in Tirol und 9 in der Steiermark. Betroffen sind
z.B. die Kärntner Lieser und Gurk, Gebirgsflüsse der Ötztaler und
Stubaier Alpen, die Osttiroler Isel, die Salzburger Fuscher Ache
sowie Zubringer der oberen Enns und Mur. Darüber hinaus liegen 42
Planungen auf Gewässerstrecken, an denen laut NGP bis 2015 Maßnahmen
zur Verbesserung der Hydromorphologie vorgesehen sind.

Ausnahmefälle nicht zur Regel machen!
"Die UWD-Wasserkraftwerksliste zeigt, dass 52 % aller künftigen
Planungen in sensiblen Gebieten liegen, was zu einer regelmäßigen
Anwendung der Ausnahme vom Verschlechterungsverbot nach EU-WRRL
führen würde. Das Ziel der WRRL, den Zustand der Flüsse zu erhalten
bzw. zu verbessern würde somit konterkariert. Ich kann mir nicht
vorstellen, dass die Europäische Kommission einer derartigen
Verwaltungspraxis zustimmt. Hier sind also ganz klar die
Genehmigungsbehörden gefordert, umweltunverträgliche Projekte
tatsächlich nicht zu bewilligen", stellt Heilingbrunner fest.

Umweltdachverband fordert strategische Energieraumplanung
"Wir fordern, dass die E-Wirtschaft von ihren überzogenen
Ausbauplänen Abstand nimmt und endlich Richtung naturverträglicher
Ausbau steuert. Ein naturverträglicher Ausbau muss gewässerökologisch
sensible Strecken und die im Nationalen Aktionsplan genannten
Ausbauziele für die Wasserkraft berücksichtigen. Zumindest
großflächige Eingriffe in die Natur müssen so lange Tabu sein, bis
Effizienzsteigerungsmöglichkeiten und Einsparungsreserven
ausgeschöpft sind. Wir fordern daher klare politische Entscheidungen,
um den Strombedarf zu stabilisieren, und eine strategische
überregionale Energieraumplanung, die die Nutzung der erneuerbaren
Energieträger mit Natur- und Landschaftsschutzinteressen in Einklang
bringt", so Heilingbrunner.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0033 2011-12-14 09:11 140911 Dez 11 OGN0001 0510



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Dr.in Sylvia Steinbauer
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (++43-1)40113/21
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at
http://www.umweltdachverband.at

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