• 13.12.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kaufen wir unsere Staatsschulden! - von Esther Mitterstieler

Italiener haben eine kreative Lösung für Schuldenbremse

Wien (OTS) - Es mag ein Zeichen von italienischer Kreativität
sein, es ist aber auch ein Beleg für das Vertrauen und den
Zusammenhalt dieses Volkes, wenn es sage und schreibe um den
Parmaschinken geht. Am Staatsanleihentag kauften unsere südlichen
Nachbarn acht Milliarden Euro an italienischer Staatsschuld. Die
Kampagne von Giuliano Melani - Besitzer einer Leasinggesellschaft -,
"Wir kaufen uns unsere Staatsschuld", trägt Früchte. Anders gesagt:
Wenn jeder Italiener Staatstitel von 4500 Euro kaufen würde, wären
die gesamten Staatsschulden gedeckt.

Umgerechnet auf Österreichs Gesamtschulden von etwa 210 Milliarden
Euro würde das pro Österreicher 2625 Euro ausmachen. Auf den ersten
Blick klingt es lustig: Da finden die Italiener eine kreative Lösung
für eine vorübergehende Schuldenbremse. Diese ist natürlich nicht
nachhaltig. Aber allein die Idee ist ein probates Mittel für die
Findung eines neuen Weges. Der Kauf der gemeinsamen Schulden kann nur
ein erster Schritt sein. Dann gilt es, die Ausgaben drastisch zu
reduzieren. Auch dafür kann man die Menschen gewinnen. Wer kann sich
einem gemeinsamen Kraftakt verschließen, der den Staat in jene
ruhigen Gewässer bringt, die keine hohen Zinswellen kennen? Also jene
zusätzlichen 1,5 bis zwei Milliarden Euro für 2012 einzusparen,
sollte auch den Österreichern nicht so schwerfallen. Wer nur auf
Reichensteuern pocht oder bloß raschere Frühpensionierungen fordert,
ist auf dem halben Weg. Was den österreichischen Politikern inklusive
Opposition fehlt, ist genau die Fantasie, das Volk zu kreativen
Eigenleistungen anzuspornen. Das hängt vielleicht auch mit dem
permanenten Hang zum Jammern zusammen. Die Italiener fühlen sich
angesprochen, sich selbst aus dem Sumpf zu holen. Dreijährige
Staatspapiere waren mit einer Rendite von knapp sechs Prozent zu
haben. Ist doch nicht schlecht. Und das soll Österreicherinnen und
Österreicher nicht dazu animieren, auch für die Staatsschuld etwas
springen zu lassen, zumal die Verzinsung besser ist als auf jedem
Sparbuch?

Man kann die Leute ins Boot holen, indem man ihnen aufzeigt, was
ihnen alles geboten wird, wenn sie ihre staatsbürgerlichen Pflichten
wahrnehmen. Ganze 1,34 Milliarden Euro an nicht gezahlten Steuern
schulden die Österreicher ihrem Staat - aus Umsatz-, Einkommen- und
Körperschaftssteuer. Es wäre an der Zeit, die Schulden zu begleichen.
Und aufzuhören, immer nur allen anderen die Schuld für die gewaltigen
Staatsschulden zu geben. Am besten fängt jeder bei sich selbst an.
Dann gäbe es keine Schuld mehr.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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