• 13.12.2011, 17:29:49
  • /
  • OTS0211 OTW0211

Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Hauptsache, es ist gratis"

Ausgabe vom 14. Dezember 2011

Wien (OTS) - Eines vorweg: Der Ausstieg Kanadas aus dem
Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase macht die Welt
nicht schmutziger. Die Kanadier hätten ihr Ziel sowieso nicht
erreicht, sie umgehen "bloß" eine Milliarden-Strafzahlung. Da das
Kyoto-Abkommen, das 2012 abgelaufen wäre, bei der jüngsten
Klimaschutzkonferenz in Durban verlängert wurde, ein fast logischer
Schritt. Die USA und China machen ja überhaupt nicht mit.

Auch Österreich verfehlt seine Umweltziele deutlich und muss hohe
Strafen zahlen. Dass der zuständige Minister Berlakovich nun den
Ausstieg Kanadas nutzt und die Bußgeldzahlungen in Frage stellt, ist
budgetär verständlich.

Und entlarvend. Bei sinnlosen Verhandlungen in attraktiven
Tagungsorten verpflichten sich Länder - aber eben nicht alle -, das
Weltklima zu retten und die Erderwärmung bei zwei Grad Celsius zu
stoppen. Gratis natürlich.

Das ist in etwa vergleichbar mit einer Gesetzesinitiative der
heimischen Regierung, dass es am 24. Dezember 2016 flächendeckend in
Österreich zu schneien hat.

Dieses kafkaeske Vorgehen ist Ausdruck der politischen Hilflosigkeit.
Denn die Welt soll gerettet werden, ohne das herrschende
Wirtschaftssystem in Frage zu stellen. Solange aber der
Ressourcen-Verbrauch derart hoch ist und die Gewinn-Verlust-Rechnung
einer Konzernbilanz schwerer wiegt als die ökologische Balance des
Planeten, bleibt den Umwelt-Bürokraten wenig anderes übrig.

Da es in den globalen Freihandels-Abkommen keinerlei ökologische
Schutzklauseln gibt, ist der Ausbeutung der Erde weiterhin Tür und
Tor geöffnet. Konzerne aus China, der EU und den USA bedienen sich
der afrikanischen Bodenschätze, ohne auf Arbeiter und Natur Rücksicht
zu nehmen. Fabriken in sich entwickelnden Ländern verwenden nur zum
geringeren Teil die modernste Umweltschutz-Technik. Die
Klima-Abkommen machen aber Unterschiede zwischen armen und reichen
Ländern. Da es der Erde aber ziemlich egal ist, ob sie von
Deutschland oder China verpestet wird, gehen alle UN-Bemühungen ins
Leere.

Kanada hat sich aus dem Kyoto-Protokoll verabschiedet. Das ist
herzlich wurscht, denn es ist ohnehin nichts wert. Erst wenn die
Weltwirtschaft die Grundlagen der Produktion ändert, kann die
Klimaerwärmung gestoppt werden.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: +43 1 206 99-474
mailto:[email protected]
www.wienerzeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel