OTS0115   13. Dez. 2011, 11:53

ÖH: Kritik an kreditfinanzierten Modellen

australisches Modell hat viele Schwächen


"Das von Kanzler Faymann vorgeschlagene Kreditmodell
nach australischem Vorbild birgt zahlreiche Fallen. Gebühren richten
sich nicht nach den Kosten des Studiums, sondern nach dem zu
erwartenden Einkommen, Frauen werden benachteiligt, da sie in der
Regel deutlich weniger als Männer verdienen und daher zu einer
längerfristigen Rückzahlung gezwungen sind. AlleinerzieherInnen und
Menschen mit Betreuungsspflichten sind massiv benachteiligt, da die
Beitragshöhe eben nur vom erwartenden Einkommen abhängt und die
Lebensumstände der Studierenden nicht berücksichtigt. Zweitstudien
werden in derartigen Modellen oft nicht finanziert und sind weder von
den meisten staatlichen Kreditgebern, noch von den privaten gewollt",
erklärt Angelika Gruber vom Vorsitzteam der ÖH.

"Umfassende und freie Bildung ist in einem derartigen System kein
Wert, da er sich nicht unmittelbar mit Geld bemessen lässt.
Auslandsstudien oder Studien wie z.B. Geisteswissenschaften werden
als Risiko betrachtet", so Janine Wulz. "Das Maß aller Dinge ist
einerseits die "Mindeststudienzeit", andererseits die ökonomische
Verwertbarkeit des Studiums und nicht die Bildung an sich, das kann
doch nicht das Ziel eines Hochschulsystems sein!"

"Studienbeiträge und insbesondere auch Studienkredite sind eine
Umverteilung von unten nach oben. Bei vielen Rüchzahlungsmodellen,
wie auch dem australischen Modell, bleiben Zinsen erspart, wenn man
den Schuldenberg auf einmal zurückzahlen kann und nicht erst nach und
nach, insbesondere wird eine sofortige Zahlung des Studiums
bevorzugt. Ein solches System privilegiert eindeutig Menschen mit
größerem Budget. Der sozial tatsächlich abgefederte Gegenvorschlag
lautet: eine wirkliche progressive Einkommenssteuer,
Vermögensbesteuerung sowie höhere Beihilfen! Die Regierung darf sich
nicht durch die Hintertür aus der Verantwortung stehlen - es ist ihre
Aufgabe sich um die ausreichende, öffentliche Finanzierung eines
öffentlichen Gutes zu kümmern", so Martin Schott vom ÖH Vorsitzteam
abschließend.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0115 2011-12-13 11:53 131153 Dez 11 NHO0002 0294



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Pressesprecherin
Tel.: 0676 888 52 211
sara.scheiflinger@oeh.ac.at;
http://www.oeh.ac.at

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