- 12.12.2011, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt Leitartikel : Aufstieg und Fall der großen Mächte von Hans-Jörg Bruckberger
Auch ein Haniel ist vor extremen Buchverlusten nicht gefeit
Wien (OTS) - In Krisenzeiten entstehen Imperien, andere gehen
freilich zugrunde. Das gilt auch für die Wirtschaft. Wobei sich
wirklich niemand seiner Sache zu sicher sein darf. Gerade eben gerät
das Imperium der deutschen Familie Haniel ins Wanken. Diese hat über
Jahrhunderte hinweg immensen Reichtum angehäuft. Was im Jahr 1756 als
Lagerhaus für Tabak, Tee und Gewürze begann, entwickelte sich zu
einer Holding, die heute rund 800 Firmen steuert, 27 Milliarden Euro
umsetzt und fast 60.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Seit 1917 ist geregelt, dass ein Haniel als Angestellter bei Haniel
nichts zu suchen hat, und das operative Geschäft überlässt die
Familie vollständig angestellten Managern. Lange Zeit lief alles
bestens; so gut, dass die rund 650 Mitglieder der Familie, die meist
zurückgezogen leben und auch ganz anders heißen, in der Regel höchst
vermögend sind.
Und jetzt das: Die Finanzmärkte spielen nicht mehr mit. Die beiden
Schlüsselbeteiligungen des Haniel-Imperiums, Metro (siehe Seite 17)
und Celesio, sind weit von ihrer Bestform entfernt und an der Börse
geradezu ein Schatten ihrer selbst. 21,6 Milliarden Euro war allein
Metro einmal (im Jahr 2007) wert, heute sind es keine zehn Milliarden
Euro mehr. Und der Pharmagroßhändler Celesio wurde gar von 9,35 auf
2,2 Milliarden Euro Marktwert geprügelt. Die Familie hat somit
Buchverluste in Milliardenhöhe erlitten.
Dass sie bei Metro just zum Höchstkurs aufgestockt hat, mag manch
einem Kleinanleger, dem es ähnlich erging, ein Trost sein. Diverse
europäische Staatschefs wie auch Steuerzahler wiederum können sich
damit trösten, dass es in Sachen Bonitätsrating den Haniels kaum
besser geht als den schuldengeplagten Staaten. Die Ratingagentur
Moodys hat es glatt gewagt, der stolzen Industriellenfamilie ein
"Ba1" - und somit den Status "Ramsch" - zu verpassen.
Die Haniel-Einkünfte reichen gerade aus, um Zinsen für die Anleihen
zu bedienen, heißt es von der Ratingagentur. Und schon entsteht eine
unschöne Abwärtsspirale. Die Familie gilt längst als zerstritten,
Top-Manager werden fast am Fließband gefeuert, was Moodys als
mangelnde Stabilität erst wieder negativ bewertet.
Die Vertreter des Clans, die im Hintergrund die strategischen Fäden
ziehen, haben also alle Hände voll zu tun. Und die unangenehme
Gewissheit im Hinterkopf, dass nichts ewig währt, selbst große
Dynastien nicht. Zumindest sind sie kein Selbstläufer. Mehr Demut
statt Hochmut ist das Gebot der Stunde. Und aus der Geschichte sollte
man lernen.
Das WirtschaftsBlatt wird über die Feiertage einen Schwerpunkt setzen
und Aufstieg und Fall von Wirtschaftsdynastien beleuchten.
Rückfragehinweis:
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Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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