OTS0097   12. Dez. 2011, 12:07

ÖH empört über undurchdachte Studiengebühren - Vorschläge von Kanzler Faymann und Co.

Vorschläge zeugen von Planungslosigkeit und Unwissen


Am Wochenende warfen SP-PolitikerInnen mit
unterschiedlichsten und unüberlegten Vorschlägen zu Studiengebühren
wie wild um sich. "Wir fühlen uns durch die undurchdachten Vorschläge
vor den Kopf gestoßen - keine Sekunde wurde an die reale Lage der
Studierenden gedacht", kritisiert Martin Schott vom ÖH Vorsitzteam.
"Die Vorschläge sind nicht nur undurchdacht, sie wirken auch wie ein
schlecht gewähltes Ablenkungsmanöver von der aktuellen Schulden- und
Kürzungsdebatte. Stattdessen wäre Faymann gut beraten, endlich die
Finanzierung von Bildung durch ein progressives Steuersystem sicher
zu stellen."

"Das von Faymann vorgeschlagene australische Modell sieht
Studiengebühren bis zu über 5000 Euro pro Semester vor, die entweder
gleich oder nach dem Studium zurückgezahlt werden können. Je nach
Studiengang werden unterschiedlich hohe Gebühren bezahlt -
GeisteswissenschaftlerInnen bezahlen etwa 3500 Euro im Semester -
angehende MedizinerInnen oder JuristInnen hingegen über 5000 Euro.
Das Modell ist in vielerlei Hinsicht zu kritisieren und verdient in
keinem Fall den Stempel "sozial verträglich"! SofortzahlerInnen
erhalten massive Abschläge und bezahlen daher weniger Studiengebühren
als Personen, die die Summe erst später zurückzahlen, da die Beiträge
stets an die Inflation angepasst werden. Die Gebühren richten sich
dabei nicht nach den Kosten des Studiums, sondern nach dem zu
erwartenden Einkommen", so Peter Grabuschnig, ÖH Generalsekretär.
"Damit bestimmt das Budget über die Studienwahl - nicht das Interesse
am Fach."

"Das Modell birgt zahlreiche soziale Verschlechterungen: Frauen
werden benachteiligt, da sie in der Regel deutlich weniger als Männer
verdienen und daher zu einer längerfristigen Rückzahlung gezwungen
sind. AlleinerzieherInnen sind massiv benachteiligt, da die
Beitragshöhe eben nur vom erwartenden Einkommen abhängt und die
Lebensumstände der Studierenden nicht berücksichtigt" erklärt
Angelika Gruber. "Bevor Faymann und co. derartige Vorschläge
einbringen, sollten sie sich mit den Betroffenen - den Studierenden -
treffen und deren Meinung und Know-How einholen. Blinde, unüberlegte
Vorschläge ohne Einbezug der Studierenden zeugen schlichtweg von
bildungspolitischer Inkompetenz und sind unverantwortlich!"

"Sich am australischen Modell orientieren zu wollen bedeutet auch die
Nachteile und Schwächen zu beachten. Die Finanzsituation der
australischen Hochschulen ist nicht besser geworden, da sich die
staatliche Finanzierung deutlich reduziert hat. Die Finanzierung von
Bildung ist eine öffentliche Aufgabe. Es wird Zeit dass die Regierung
endlich einen Budgetpfad zu den von ihr selbst beschlossenen 2
Prozent des BIP für die Hochschulen vorlegt und damit die
Finanzierung der Hochschulen sicherstellt, anstatt die Verantwortung
auf Unis oder die Studierenden abzuwälzen." schließt das Vorsitzteam
unisono.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0097 2011-12-12 12:07 121207 Dez 11 NHO0001 0418



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Sara Scheiflinger,
Pressesprecherin
Tel.: 0676 888 52 211
sara.scheiflinger@oeh.ac.at;
http://www.oeh.ac.at

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