AK fordert Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik
Tumpel: "Wir müssen mehr in die Menschen investieren. Nur das schützt gegen Arbeitslosigkeit."
Wien (OTS) - Unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen,
Konjunkturabschwächung, steigende Arbeitslosigkeit und immer mehr
kurzfristige Arbeitsverhältnisse. Auf der heutigen Enquete der
Bundesarbeitskammer werden neue Wege für diese und weitere
Herausforderungen diskutiert. Für AK Präsident Herbert Tumpel steht
fest, dass ein Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik notwendig ist:
"Wir können die immer komplexeren Arbeitsmarktprobleme mit den
herkömmlichen Methoden allein nicht mehr bewältigen. Wir brauchen
eine stärker "investive" Arbeitsmarktpolitik. Das bedeutet, ganz
gezielt und mehr als bisher in Erhalt und Ausbau der
Arbeitsmarktfähigkeit der Arbeit Suchenden zu investieren." Das
Arbeitsmarktservice (AMS) hat sehr gut gelernt, Arbeit Suchende rasch
zu vermitteln. Diese Politik hat sicher geholfen, die
Arbeitslosigkeit in Österreich statistisch gering zu halten, aber es
geraten dadurch immer mehr ArbeitnehmerInnen in einen Kreislauf aus
kurzfristigen und niedrigqualifizierten Beschäftigungsverhältnissen
mit häufigen Perioden von Arbeitslosigkeit. Das besondere Problem
dabei: Es ist immer dasselbe Drittel von Arbeit Suchenden, das keine
Chance erhält, aus diesem Negativkreislauf auszubrechen. "Das ist
ungerecht!", meint Herbert Tumpel und fordert: "Wir müssen in der
Arbeitsmarktpolitik diesen Drehtüreffekt endlich durchbrechen, der
bestimmte Gruppen von ArbeitnehmerInnen, wie z.B. gesundheitlich
beeinträchtigte Menschen und Frauen nach der Kinderkarenz,
systematisch benachteiligt!"
Die AK fordert daher:
+ Laufbahnberatung und - entwicklung im AMS mit dem Ziel einer
besseren und nachhaltigeren Erwerbsintegration von instabil
Beschäftigten, MigrantInnen, Frauen und älteren ArbeitnehmerInnen.
Basis dazu soll ein mit dem AMS vereinbarter Laufbahnentwicklungsplan
sein, der auch non-formal und im Ausland erworbene Kompetenzen
berücksichtigt. Über den Ausbau von modularen
Weiterbildungsmöglichkeiten, mit denen auch mehrere
aufeinanderfolgende Arbeitslosigkeitsepisoden für eine
zusammenhängende Ausbildung genutzt werden können, soll längerfristig
eine nachhaltige Integration von Arbeitssuchenden in Beschäftigung
erreicht werden.
+ Neuregelung der Bildungskarenz für niedrigqualifizierte
Beschäftigte. Auf Grundlage eines Beratungsprozesses sollen diese
Personen nach Genehmigung des Bildungsplanes durch das AMS eine
Förderung ihrer Ausbildungskosten über das AMS, aber auch unter
Kostenbeteiligung der Länder, erhalten. Um die Bildungskarenz für
NiedrigverdienerInnen leistbar zu machen, ist eine Anhebung des
Tagsatzes des Weiterbildungsgeldes notwendig.
+ Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation und gezielte
Beschäftigungsförderungen: Ausbau der Kapazitäten der
Gesundheitsstraße für die Begutachtung von Personen mit
gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Entwicklung eines darauf
abgestimmten Betreuungsprozesses im AMS und eines Plans zur
beruflichen Rehabilitation und Integration.
+ Jugendliche unterstützen und begleiten: Ausweitung des
Jugendcoachings, Berufsorientierung an den Schulen forcieren und mehr
Qualität in der Ausbildung.
+ Qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildung forcieren: weniger
Aktivierungskurse, mehr Förderung von Bildungsmaßnahmen, die zu einer
tatsächlichen Höherqualifizierung der Arbeitssuchenden führen.
Zusätzlich muss die Möglichkeit geschaffen werden, dass
Teilzeitbeschäftigte Förderungen für Weiterbildungsmaßnahmen, die sie
außerhalb der Arbeitszeit absolvieren,wenn sie mit und vom AMS
vereinbart und genehmigt werden, in Anspruch nehmen können. Dies
ermöglicht instabil Beschäftigten und speziell Frauen die sich häufig
in Teilzeitbeschäftigungen befinden, eine Weiterbildung.
Thomas Angerer
Tel.: +43-1 501 65-2578
thomas.angerer@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at















