• 09.12.2011, 12:24:06
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Press Freedom Award 2011

Reporter ohne Grenzen zeichnet mutigen Einsatz für Pressefreiheit in Ungarn aus

Wien (OTS) - Der "Press Freedom Award - Signal für Europa" macht
Menschen sichtbar, die aktiv für demokratische Werte arbeiten und
leben. Heuer ging der begehrte Preis an zwei ungarische Journalisten,
deren Mut und Engagement - vor allem angesichts des neuen
Mediengesetzes - beispielhaft ist. Die Verleihung des Awards erfolgte
durch die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen
Österreich, die damit auch ein kritisches Zeichen gegenüber dem neuen
ungarischen Mediengesetz setzt.

Mutiger und unabhängiger Journalismus ist die Grundlage für
Freiheit und Demokratie. Um Journalisten zu fördern, die sich aktiv
für die Presse- und Meinungsfreiheit einsetzen, vergab Reporter ohne
Grenzen heuer zum zehnten Mal den Press Freedom Award unter dem Motto
"Signal für Europa". Der Preis steht unter dem Ehrenschutz der
österreichischen UNESCO-Kommission.

"Wie nachhaltig unser Preis wirkt, zeigen die Beispiele unserer
bisherigen Preisträger. Eynullah Fatullayev, aserbeidschanischer
Preisträger des Jahres 2009, ist nun wieder auf freiem Fuß. Mikhael
Begetow, Preisträger des vorigen Jahres, wurde heuer sogar im Zuge
des russischen Wahlkampfes auch von Ministerpräsident Vladimir Putin
publikumswirksam mit einem Preis bedacht", erklärt Dr. Rubina
Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen. "Es ist aber auch
erschütternd, wie viele ungarische JournalistInnen sich inzwischen an
uns wenden und um Hilfe bitten."

Award setzt Zeichen gegen ungarisches Mediengesetz

Der Press Freedom Award ehrt in diesem Jahr mutige und kritische
JournalistInnen aus Ungarn. Dr. Albert Rohan, Sprecher der Jury und
früherer Generalsekretär des österreichischen Außenministeriums zu
den Preisträgern: "Rényi Pál Dániel und Maria Vásárhelyi sind die
Empfänger des Press Freedom Awards 2011. Der in diesem Jahr für
Ungarn ausgeschriebene Preis wurde für Beiträge zum Thema
Pressefreiheit in den Wochenzeitungen Magyar Narancs bzw. Elet es
Irodalom verliehen. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der
hervorragenden fachlichen Qualität der vorgelegten Arbeiten, der
Aktualität ihrer Thematik für die ungarische Gesellschaft und dem
persönlichen Mut, den die beiden Journalisten durch die Publikation
kritischer Artikel zu dieser Frage bewiesen haben." Dies ist vor
allem deshalb relevant, da erst kürzlich in Ungarn das neue
Mediengesetz, das Medien kontrollieren und bestrafen darf,
beschlossen wurde.

Reporter ohne Grenzen sieht diese Restriktion als ernste Bedrohung
der Pressefreiheit und Missachtung der Menschenrechte. "Der Award
soll nicht nur die hervorragende Arbeit der Preisträger auszeichnen,
sondern auch auf die demokratiepolitischen Missstände in unserem
Nachbarland aufmerksam machen", so Rubina Möhring.

Reporter der jungen Generation ausgezeichnet

"Trotz der rechten Medienhegemonie und der politischen
Machtkonzentration durch die Fidesz-Regierung gibt es zum Glück noch
immer Publikationen in Ungarn, die von den Parteien und
Auslandskonzernen völlig unabhängig ihre Leser informieren können.
Die Press Freedom Awards wurden von einer aus angesehenen
Persönlichkeiten bestehenden Jury zu Recht zwei Mitarbeitern der
beiden Wochenzeitungen "Elet es Irodalom" (Leben und Literatur) und
"Magyar Narancs" (Ungarische Orange) verliehen", erläutert der
Publizist Prof. Paul Lendvai.

Preisträger Rényi Pál Dániel, ungarischer Journalist der
Wochenzeitung Magyar Narancs, überzeugte vor allem durch seine
kritischen Artikel über Annamária Szalai, der ungarischen
"Medienkontrolleurin" und Leiterin der umstrittenen Nationalen
Behörde für Medien und Nachrichtenübermittlung (NMHH). In seinem
umfassendem Porträt der von Premierminister Viktor Orbán bestellten
"Medienzarin" hebt Rényi Pál Dániel deren extremen Einfluss sowohl
auf die nationale Medienregulation, als auch auf den öffentlichen
Dienst hervor. Zugleich skizziert Dániel die erstaunliche
Politkarriere einer heutigen rechtskonservativen Parteigängerin. Auch
sein scharfes, kritisches Essay über das neue ungarische Mediengesetz
überzeugte die Jury. Paul Lendvai: "Der Preisträger Pál Dániel Rényi
vertritt mit 28 Jahren die junge Generation. Er bewies in den letzten
zweieinhalb Jahren als Redakteur bei dem liberalen Magyar Narancs
sein großes Talent als Reporter und Rechercheur. Renyi hat vor allem
durch seine gründlich recherchierten Aufsätze über die verschiedenen
Aspekte der Mediengesetze die Gefahren für Pressefreiheit überzeugend
dargestellt."

Abrechnung mit dem Missbrauch der Macht in der Medienpolitik
Ex Äquo-Preisträgerin Maria Vásárhelyi setzt sich seit Jahren für
Pressefreiheit in Ungarn ein. Die Kommunikationsforscherin und
Autorin zahlreicher Sachbücher schreibt regelmäßig für Tages- und
Wochenzeitungen. In ihren Artikeln analysiert sie die neue
Medienregulierung in Ungarn, deren Auswirkungen auf Meinungsfreiheit
und Demokratiebewusstsein sowie entsprechende Langzeitfolgen für die
ungarische Gesellschaft. "Für mich ist die Kommunikationsexpertin bei
der Akademie der Wissenschaften und Autorin von acht Büchern und
Studien Mária Vásárhelyi ein leuchtendes Beispiel für furchtlose,
jahrelange Abrechnung mit dem Missbrauch der Macht in der
Medienpolitik sowohl durch die sozial-liberalen Regierungen wie erst
recht durch das Orbán Regime. Sie hat in einer Reihe von glänzend
geschriebenen Analysen nicht nur die Motive und Methoden bei der
Entstehung der neuen Medienkonglomeraten aufgezeigt, sondern auch
durch ihre wissenschaftliche Meinungsforschung über die Ignoranz und
die tabuisierten nationalistischen Vorurteile breiter
Bevölkerungsschichten bahnbrechende Berichte und Studien in der
Wochenzeitung Elet es Irodalom veröffentlicht", so Lendvai. "Die
Auszeichnung dieser zwei Journalisten und die indirekte Anerkennung
auch für ihre Zeitungen durch eine so respektable internationale
Institution wie "Reporter ohne Grenzen" ist ein symbolisches Signal
für die ungarischen Journalisten."

Festliche Verleihung im Haus der Europäischen Union

Die Verleihung fand im festlichen Rahmen im Haus der Europäischen
Union statt. Die diesjährige Laudatio hielt der renommierte Publizist
und Ungarn- und Mitteleuropaexperte Paul Lendvai. Eröffnet wurde die
Veranstaltung von Rubina Möhring, Präsidentin Reporter ohne Grenzen
Österreich, Richard Kühnel, Leiter der Vertretung der EU-Kommission
in Österreich, und Eva Nowotny, Präsidentin der Österreichischen
UNESCO-Kommission. Michael Kerbler, Ö1, las aus den Texten der
Preisträger. Begleitet wurde die Veranstaltung vom European Union
Youth Quartett.

***

Über Reporter ohne Grenzen Österreich (ROG)

Reporter ohne Grenzen Österreich setzt sich weltweit für die
Medienfreiheit und Freiheit der Reporter ein und unterstützt bei
Inhaftierung und Ermordung deren Familien. Die unabhängige
Organisation mit Sitz in Paris, Niederlassung in Österreich und mehr
als hundert Korrespondenten in aller Welt fordert aktiv den Respekt
vor den Menschenrechten und beruft sich auf den Artikel 19 der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Die Freiheit zu informieren
und informiert zu werden.

Die Pressearbeit von Reporter ohne Grenzen Österreich erfolgt in
Kooperation mit dem Presse- und Informationsdienst (PID) der Stadt
Wien.

Rückfragehinweis:

Pressestelle von Reporter ohne Grenzen Österreich
   ikp Wien
   Mag. Sabine Figo
   T: +43 1 5247790-23
   E: [email protected]
   
   Oder an die Büroleitung von Reporter ohne Grenzen Österreich
   Mag. Hanna Ronzheimer
   Reporter ohne Grenzen Österreich
   T: +43 1 5810011
   E: [email protected]

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