OTS0142   7. Dez. 2011, 12:11

Schmerzbericht JOANNEUM RESEARCH: Aktueller wissenschaftlicher Bericht zeigt Handlungsbedarf bei Schmerzversorgung in Österreich auf - BILD


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BILD zu OTS - Im Bild v.l.n.r. Mag. Peter McDonald (Geschäftsführender Obmann der SVA), Dr. Winfried Koller (Pinggau, Vorstandsmitglied Steirische Akademie für Allgemeinmedizin), Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz (Institut für Sozialmedizin der Universität Wien, Zentrum für Public Health), Louise Jane Schmidt, M.Sc. (JOANNEUM RESEARCH; Autorin des Schmerzberichts), Doz. Dr. Christian Lampl (Österreichische Schmerzgesellschaft) und Mag. Hanns Kratzer (Moderation, PERI Consulting)

Schmerz, besonders Chronischer Schmerz, ist ein weit
verbreitetes Problem in der Bevölkerung, das zu enormer Belastung der
Patienten wie auch dem Gesundheitswesen führt. In Österreich leiden
mehr als 20 Prozent der Erwachsenen an chronischem Schmerz, das sind
rund 1,7 Millionen Menschen. Der aktuelle Bericht des JOANNEUM
RESEARCH "Versorgungssituation bei Schmerz in Österreich" stellt die
aktuelle Situation sowie Strukturen und Prozesse in der
Schmerzversorgung in Österreich dar. +++

Im Bericht des JOANNEUM RESEARCH "Versorgungssituation bei Schmerz
in Österreich" wurden Informationen zur Epidemiologie und Leitlinien
zusammengefasst, Versorgungsstrukturen und -prozesse mittels
Literaturrecherche und eine Umfrage erhoben, ökonomische Auswirkungen
abgeschätzt sowie Empfehlungen abgegeben. "Ziel ist es, Empfehlungen
für die Optimierung und Weiterentwicklung der Versorgung von
Patienten mit chronischem Schmerz zu geben", so Louise Jane Schmidt,
M.Sc., Autorin des Berichts von JOANNEUM RESEARCH. "Schmerz,
besonders chronischer Schmerz, ist ein weitverbreitetes Problem in
der Bevölkerung, das sowohl zu enormer Belastung der Patienten wie
auch des Gesundheitssystems führt. Bei über 440.000 Österreichern ist
der Schmerz als schwerer Dauerschmerz zu bezeichnen", so Schmidt
weiter.

- Umfragen zeigen, dass Schmerzbetroffene in Österreich lange leiden
und mehrere Ärzte aufsuchen, bevor es zur richtigen
Diagnosestellung und zur entsprechenden Therapie kommt. Im Schnitt
vergehen über zwei Jahre bis zur Diagnose und weitere 11 Monate
bis zur adäquaten Behandlung.
- Die geschätzten direkten Kosten in Österreich für chronischen
Schmerz liegen zwischen 1,4 und 1,8 Milliarden Euro. Klare
Kostentreiber und gleichzeitig führend in der Liste der häufigsten
Schmerzerkrankungen sind dabei chronische Rücken- und
Kopfschmerzen.
- Spezifische Daten zur österreichischen Situation fehlen. Jedoch
zeigen grobe Schätzungen, dass Kosten durch Fehltage aufgrund von
Krankenständen sich auf ca. 400 Millionen Euro pro Jahr für nicht
spezifischen Rückenschmerz belaufen könnten.
- Etwa 4.400 Neupensionierungen sind pro Jahr auf chronischen
Rückenschmerz zurückzuführen.
- Konservativen Schätzungen für nicht-spezifischen Rückenschmerz
zufolge entstehen direkte Kosten in der Höhe von ca. 170 Millionen
Euro (davon ca. 58 Millionen Euro nur für Spitalsaufenthalte).
- In Österreich gibt es 85 Schmerzambulanzen, das ist im
Durchschnitt eine Schmerzambulanz pro 100.000 Einwohner.
- "Bestehende Strukturqualitätskriterien werden zurzeit nur
teilweise erfüllt. Hinsichtlich der Versorgungsstrukturen zeigt
sich, dass die Zahl der niedergelassenen Ärzte mit dem
Zusatzdiplom "Spezielle Schmerztherapie" in Österreich bei 2,4 pro
100.000 Einwohner liegt und über die Bundesländer hinweg
schwankt", so Schmidt.

Unzureichende Schmerzversorgung in Österreich

"Jeder Schmerztherapie muss eine genaue Abklärung vorangehen. Erst
nach einer ausführlichen Anamnese und Abklärung der Ursache kann eine
Therapie erfolgen. Oft kann es Jahre dauern, bis Betroffene eine
gezielte Behandlung erhalten", so Prim. Priv.-Doz.
Dr. Christian Lampl, Präsident (elect) der Österreichischen
Schmerzgesellschaft. Den Grund dafür sieht Prim. Dr. Lampl in der
häufig mangelhaften Versorgungsstruktur, die aus Sicht der ÖSG
verbesserungswürdig ist. "Besonderen Versorgungsbedarf gibt es bei
den "Schmerzrandgruppen" wie Kopfschmerz, Rückenschmerz,
Neuropathischer Schmerz aber auch bei schmerzbedingten Depressionen.
Festzuhalten ist, dass die Versorgungsstruktur beim onkologischen
Schmerz hingegen als gut bzw. ausreichend zu bewerten ist", erläutert
Prim. Dr. Lampl. Voraussetzung für eine gute Schmerzversorgung ist
der Zugang zu innovativen medikamentösen und nicht-medikamentösen
Therapieformen. Um hier den Zugang zu erleichtern bzw.
sicherzustellen, wurde von der Österreichischen Schmerzgesellschaft
(ÖSG), der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie,
Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), der Österreichischen
Palliativgesellschaft (OPG) sowie der Österreichischen Gesellschaft
für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) eine Ärzte-Schmerz-Petition
gestartet. 1.391 Ärzte fordern in dieser mit ihrer Unterschrift ein
breiteres Therapieangebot sowie die breitere Erstattung von
innovativen Schmerzmedikamenten durch die österreichische
Sozialversicherung. Dadurch sollen Schmerzen gelindert und
Belastungen für die Volkswirtschaft durch Krankenstand, Invalidität
und Berufsunfähigkeit minimiert werden.

Schmerzprävention im Fokus

Für Angehörige medizinischer Berufe ist es oberstes Gebot,
Schmerzen zu lindern bzw. zu vermeiden. "Deshalb ist Prävention
gerade bei Schmerz ein Garant für die rechtzeitige Vermeidung und
Heilung. Besonders chronischer Schmerz hat seine Ursache meist in
chronischen Erkrankungen, kommen Begleiterkrankungen ins Spiel,
lassen sich Schmerzen oft nicht mehr ihrer eigentlichen Ursache
zuordnen. Daher müssen wir umdenken und versuchen die Probleme an der
Wurzel zu erwischen: Das ist beim Versuch der Vermeidung des
Schmerzes mittels Gesundheitsprävention und Gesundheitsförderung
leichter möglich", so Mag. Peter McDonald, Geschäftsführender Obmann
der SVA.

Mit dem Hausarzt durch das Gesundheitssystem

Schmerzen sind in den meisten Fällen der Konsultationsgrund Nummer
Eins in der allgemeinmedizinischen Praxis. "Dabei ist es essenziell,
dass Generalisten, wie gute und kompetente Hausärzte, eine klare
Einordnung von Symptomen vornehmen. Sowenig wie ein
Herzinfarktpatient zum Orthopäden gehört, soll ein Blinddarmpatient
mit schmerzstillenden Medikamenten begnügt werden. Der Schmerz als
Ausdruck einer Erkrankung und Alarmsignal muss für den Patienten und
auch den Arzt seine wichtige Rolle beibehalten. Für chronische
Schmerzpatienten sollten in der Regel Ambulanzen nachhaltige Lösungen
zur Verbesserung der Lebensqualität Betroffener bieten. Aber auch
optimale multimodale Therapieprogramme sind nur begrenzt imstande,
chronische Schmerzen dauerhaft zu beseitigen", so Dr. Winfried
Koller, Steirische Akademie für Allgemeinmedizin.

Um eine Optimierung der Versorgungssituation von Schmerzpatienten
sowie flächendeckende Betreuungsstrukturen zu schaffen, sollten
"gestufte Behandlungsansätze" entwickelt werden, die den Patienten
Orientierung geben und an die richtigen Institutionen heranleiten.
"Notwendige Eingriffe zur Verhinderung einer Chronifizierung könnten
dadurch viel Leid verhindern. Das Rad darf jedoch hierbei nicht neu
erfunden werden, denn in der Allgemeinmedizinischen Praxis finden
Schmerzpatienten bereits heute durchgängig gutes Know-how über die
beste Patientenführung vor. Doppelstrukturen und eine aufgeblähte
Bürokratie sollten nicht das Resultat sein. Hausärzte können als
Generalisten hier als Leitsystem zwischen Institutionen wie
Fachärzten oder Ambulanzen fungieren", bestätigt
Dr. Koller.

Chronischer Schmerz belastet die Volkswirtschaft

Schmerz hat Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens. Nicht nur
auf die eigene Befindlichkeit, sondern natürlich auch auf die
Partnerschaft, das Familienleben und nicht zuletzt die
Arbeitsfähigkeit. "Trotzdem ist die Datenlage zum 'Gesamtbild'
Schmerz extrem schlecht. Dies liegt vor allem daran, dass Schmerz
kein eigenes Krankheitsbild ist. Deswegen kann keine Gesamtsumme
beziffert werden, was den 'Schaden' betrifft, der durch Schmerz
entsteht. Zusammenfassend kann jedoch gesagt werden, dass der
Hauptteil der direkten Kosten bei Schmerzen mit chronischem Schmerz
verbunden ist", erklärt Bernhard Schwarz vom Zentrum für Public
Health der Universität Wien. Der Experte ergänzt: "Besonders bei
chronischem Schmerz sollten die zuständigen Stellen daher dringend
handeln, um diese Menschen wieder in den Arbeitsprozess und in das
soziale Leben einzugliedern. Die Krankenstandstage wegen Schmerzen -
vor allem im Stütz- und Bewegungsapparat - nehmen immer mehr zu", so
Prof. Schwarz.

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2611

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.

Die laufenden Aktivitäten zur Erhöhung des Bewusstseins für eine
adäquate schmerztherapeutische Versorgung in Österreich werden von
mehreren Unternehmen der pharmazeutischen Industrie unterstützt.
Diese Aussendung wurde mit Unterstützung von Grünenthal, Mundipharma,
Gebro Pharma, Astellas Pharma, Nycomed und Cephalon durchgeführt.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0142 2011-12-07 12:11 071211 Dez 11 WDM0001 1107



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