- 06.12.2011, 18:15:31
- /
- OTS0340 OTW0340
WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wir Europäer sind einfach zu dumm - von Wolfgang Unterhuber
In diesem Finanzkrieg haben die Angloamerikaner die Nase vorn
Wien (OTS) - Dieser Krieg findet nicht mehr auf blutigen
Schlachtfeldern statt, sondern an den Finanzmärkten. Angloamerika
gegen Eurostaaten - das ist der Krieg, der momentan die ganze Welt in
Atem hält. Die USA und Großbritannien haben dabei zwei Vorteile auf
ihrer Seite: Die Ratingagenturen und die chronische Dummheit der
Europäer. Aber alles der Reihe nach.
Begonnen hat dieser Krieg vor zehn Jahren, als die USA nach der
IT-Blase die Finanzmärkte mit billigem Geld fluteten und die Banken
jedem nicht kreditwürdigen Bürger Geld nachwarfen. Es war ein
Pyramidenspiel, bei dem die Amis an der Spitze saßen und die Europäer
unten. Die Europäer ließen sich alle möglichen giftigen
Finanzprodukte aufschwatzen, mit denen die US-Banken ihr Risiko wie
ein Aids-Virus rund um den globalen Wirtschaftskörper streuten. Fast
zeitgleich nahmen die Europäer unter - wie wir heute wissen -
fahrlässigen, ja beinahe kriminellen Umständen Länder wie
Griechenland in die Eurozone auf. Ohne "Plan B" oder die Möglichkeit,
solche Länder bei Hochgehen einer Budgetbombe wieder rauszuwerfen.
Mit dem Zusammenbruch des Pyramidenspiels trat die Dummheit der
Europäer dann endgültig auf dramatische Art zutage. Überforderte
Staats- und Regierungschefs, superkluge Experten, die alles wissen,
aber keine Verantwortung haben und Gewerkschaften wie in Österreich,
die noch nicht wirklich realisiert haben, was läuft. Denn eines
schmerzt fürchterlich. Gerade die wirtschaftlich prosperierenden
Staaten wie Österreich hatten jahrelang Zeit, ihre überverwalteten
und übersozialen Länder- und Staatsapparate in Ordnung zu bringen.
Dass zum Beispiel Beamte in Zeiten wie diesen eine Gagenerhöhung
bekommen, ist eine Frechheit und Wasser auf den Mühlen der
angloamerikanischen Sittenpolizei.
Wobei sich die Artillerie von Standard & Poor's nicht nur auf
Österreich, sondern gleich flächendeckend auf die ganze Eurozone
einschießt. Hier geht es nicht mehr um objektive Kontrollen. Denn
dann hätten die überschuldeten USA und die Briten noch ein viel
größeres Problem als die Eurostaaten. Hier geht es ums Fertigmachen.
Besonders die Briten wollen keine Eurozone. In ihrer historischen
Paranoia vor einem starken Europa ist dies für sie eine Art "Viertes
Reich". Und die Europäer waren und sind dumm genug, sich dagegen
nicht wehren zu können. Der Versuch, die Macht der Ratingagenturen
zu beschneiden, ist ja erst vor Kurzem voll gescheitert. Ob es uns
gefällt oder nicht: In diesem Krieg haben die Angloamerikaner derzeit
schwer die Nase vorn.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






