Präsentation der Studie "Autoritarismus, Demokratiebewusstsein und nationales Selbstverständnis unter österreichischen Studierenden"
Zeitgeschichtliche Forschungsstudie in Kooperation mit ÖH erstellt und heute präsentiert
Wien (OTS) - Heute, Dienstag, wurde das Ergebnis der
gesamtösterreichischen Studie zum Thema "Autoritarismus,
Demokratiebewusstsein und nationales Selbstverständnis unter
österreichischen Studierenden" im Rahmen einer Pressekonferenz von
Angelika Gruber, vom ÖH Vorsitzteam, dem Dekan der
Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien Univ.-Prof.
DDr. Heinz Mayer mit dem Projektteam - Univ.-Prof. DDr. Oliver
Rathkolb (Gesamtleitung), Dr.in Petra Ziegler (Projektleitung) sowie
den AutorInnen Dr.in Yvonne Schürmann-Zehetner und Mag. Alexander
Salzmann präsentiert. Es handelt sich um die erste
gesamtösterreichische Online-Umfrage zum Thema "Autoritarismus,
Demokratiebewusstsein und nationales Selbstverständnis unter
österreichischen Studierenden".
Dr.in Petra Ziegler (Projektleitung):
"Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Studierende in
Österreich im Durchschnitt deutlich geringere Werte bei Fragen zu
Autoritarismus, Anomie, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und
nationaler Geschichtsverarbeitung aufweisen als die
Gesamtbevölkerung. Dennoch zeigen sich nach Studienrichtung
differenziert teilweise deutliche Unterschiede bei den
Einschätzungen, wobei Studierende aus den Bereichen der Sozial- sowie
Geistes- und Kulturwissenschaften deutlich geringer Zustimmungswerte
aufweisen als Studierende aus den MINT-Fächern (bei einigen
Frageitems) sowie aus den Bereichen Wirtschaft, Recht."
Angelika Gruber (Vorsitzteam der ÖH Bundesvertretung):
"Die Studie zeigt deutlich, dass die Auseinandersetzung mit
Autorität, Hierarchie, Unterdrückungsmechanismen und Rassismen in der
Gesellschaft allgemein, und dramatischerweise auch an den
Hochschulen, immer mehr in Vergessenheit gerät. Vor allem aber auf
den Hochschulen ist es unabdinglich, sich mit den Verstrickungen und
Wirkungen dieser Mechanismen auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund
ist es so wichtig, dass es neben kritischen WissenschafterInnen auch
Platz und Zeit in der Lehre gibt, um die Forschung in die Hörsäle
bringen zu können. Dem steht jedoch eine stark zunehmende Tendenz zur
Verschulung der Studien entgegen. Die Zusammenarbeit bei der
vorliegenden Studie war für uns ein wichtiger Schritt und wir freuen
uns, dass es gelungen ist, dieses Thema, auf das die ÖH schon seit
Jahren hinweist, nun auch wissenschaftlich zu bearbeiten."
Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien,
Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb (Gesamtleitung):
"In der aktuellen Budget- und Spardebatte wird völlig übersehen, dass
Investitionen in die Bildung junger Menschen vor allem auch
Investitionen in die demokratische Basis unserer Gesellschaft
darstellen und die verlässlichste Vorsorge zur Verhinderung
autoritärer und populistischer Entwicklungen sind. Vor dem
Hintergrund der autoritären sowie totalitären Vergangenheit
Österreichs sollte dieser Faktor Priorität erlangen!"
Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien,
Univ.-Prof. DDr. Heinz Mayer:
"Studierende der Rechtswissenschaften zeigen im Vergleich zu
Studierenden anderer Fächer eine deutlich konservativere Einstellung.
Dies ist nicht überraschend, sondern entspricht meinen Erfahrungen,
die ich im täglichen Umgang mit den Studierenden sammeln konnte. Der
Grund dafür scheint mir zu sein, dass Studierende der
Rechtswissenschaften stärker an Ordnung interessiert zu sein scheinen
als andere Studierende und dass Veränderungen der bestehenden Ordnung
nur mit großer Zurückhaltung als positiv wahrgenommen werden.
Möglicherweise spielt auch die Herkunft der Studierenden eine gewisse
Rolle."
Autoritarismus bei StudentInnen vergleichsweise gering
Während seit 2004 autoritäre Einstellungen in der österreichischen
Gesellschaft wieder im Steigen begriffen sind, dokumentiert diese
Umfrage, dass bei jungen, in Ausbildung befindlichen Studierenden
hier deutlich geringere Dispositionen zu aggressivem Autoritarismus
oder autoritärer Unterwürfigkeit vorhanden sind.
Moscheenbau doch umstritten
Bei Fragen nach dem Recht, Moscheen zu bauen, lehnen 13% dies ab,
wobei Studierende aus den Bereichen Wirtschaft und Recht einen
insgesamt um 20% höheren Ablehnungsgrad zeigen.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gering, höher gegenüber
Muslimen
Gerade zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit kann angeführt
werden, dass Studierende Frageitems, die Antisemitismus abfragen,
sehr negativ gegenüberstehen; werden dieselben Fragen allerdings auf
Muslime hin abgetestet, zeigt sich, dass hier im Vergleich deutlich
höhere Werte und somit eine weniger starke Ablehnung dieser Aussagen
festgestellt werden konnte.
Sara Scheiflinger,
Pressesprecherin
Tel.: 0676 888 52 211
sara.scheiflinger@oeh.ac.at;
http://www.oeh.ac.at














