OTS0052   6. Dez. 2011, 09:30

Aktuelle Allianz Sicherheitsstudie: Ablenkung ist das meist unterschätzte Risiko im Straßenverkehr


Rund 60 Menschen sterben alljährlich auf Österreichs
Straßen nur deswegen, weil Autofahrer nicht bei der Sache waren. Bei
elf Prozent aller Verkehrsunfälle ist Ablenkung die Hauptursache. Wie
eine aktuelle Studie des Allianz Zentrums für Technik zeigt, wird das
statistisch gesehen drittgrößte Unfallrisiko im Straßenverkehr von
den Lenkern selbst massiv unterschätzt.

38 Prozent der Autofahrer geben zu, dass sie während der Fahrt mit
dem Handy telefonieren, 30 Prozent lesen SMS, 20 Prozent schreiben
sogar SMS während der Fahrt. 54 Prozent stellen während des Fahrens
das Ziel im Navigator ein. Die Hälfte der Lenker isst oder trinkt
während der Autofahrt, sucht, greift oder bückt sich nach
Gegenständen. Vier von zehn richten unterwegs Gurt, Sitz und Spiegel,
und knapp zwei Drittel sind noch während des Fahrens mit der Wegsuche
befasst. Diese alarmierenden Zahlen präsentierte Dr. Johann
Gwehenberger, Leiter der Unfallforschung im Allianz Zentrum für
Technik, im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien.

Unterschätzte Gefahr

Während die Autofahrer selbst gefährliche Ablenkung eher von außen
vermuten, seien die wahren Gefahrenquellen innerhalb des Fahrzeugs zu
suchen, weist die aktuelle Allianz Studie nach. "Der Straßenverkehr
fordert auch deswegen so viele Opfer, weil Autofahrer wegen
Privatgesprächen, Lesen von SMS-Botschaften, Lidschatten
kontrollieren, Ortssuche im Navigator-Menü oder Verfolgens der
Fußballresultate auf dem Borddisplay für einen entscheidenden Moment
unkonzentriert waren", betont Allianz Vorstandsmitglied Dr. Johann
Oswald. Neben dem menschlichen Leid entstünde dadurch auch der
heimischen Volkswirtschaft ein Schaden von rund 800 Millionen Euro im
Jahr.

Fast wie im Wohnzimmer

Ablenkung ist vor allem bei Autofahrern zwischen 18 und 24 Jahren,
aber auch bei Vielfahrern mit mehr als 15.000 Kilometern pro Jahr ein
großes Problem. "Wer viel unterwegs ist, fühlt sich im Auto fast wie
daheim im Wohnzimmer und vergisst, dass er sich im öffentlichen Raum
bewegt", so Oswald. Die Folgen sind mitunter fatal: Laut Allianz
Zentrum für Technik erhöht sich das Unfallrisiko beim Essen, Trinken
und Rauchen am Steuer um das Eineinhalbfache, beim Handy-Telefonieren
während der Fahrt sogar um das Zwei- bis Fünffache. Beim Greifen nach
Gegenständen liege das Risiko noch einmal um einiges höher.

Auch auf einen weiteren unterschätzten Aspekt weist die Allianz
Studie hin. Knapp die Hälfte aller Autofahrer bekennt, während der
Fahrt hin und wieder wütende oder belastende Gefühle zu durchleben,
die die Aufmerksamkeit umleiten. Drei Viertel der Befragten gaben an,
beim "Fahren schon mal ihren Gedanken nachzuhängen".
Aus der Psychologie weiß man: Bis zu einem gewissen Grad ist der
Fahrer zwar immer "grundabgelenkt", aber Experten schätzen, dass in
bis zu 30 Prozent der Unfälle Ablenkung und Unaufmerksamkeit eine
Rolle spielen.

Den oftmals geltend gemachten Hinweis auf die
"Multitasking-Fähigkeit" weisen Psychologen zurück: Bei mehreren
gleichzeitig ausgeübten Tätigkeiten steht immer nur eine wirklich im
Vordergrund.

Unbefriedigende Rechtslage

Neben verstärkter Bewusstseinsbildung für die Gefahren von
Ablenkung plädiert die Allianz für ablenkungsminimierende
Fahrzeugergonomie und die Forcierung von Fahrerassistenzsystemen, die
Kollisionsgefahren früh erkennen. Vor allem gehe es aber auch um eine
Konkretisierung der Rechtslage, die derzeit lediglich im Bereich des
Handy-Telefonierens zufriedenstellend sei. Besonders was die Nutzung
moderner Kommunikations- und Unterhaltungsmittel wie SMS im Auto
betrifft, gebe es Nachholbedarf. Wie in praktisch allen EU-Ländern
geben auch in Österreich die Gesetze den Autofahrern derzeit keine
eindeutigen Verhaltensregeln mit, die für entsprechende
Verkehrssicherheit nötig wären. Erst im Schadenfall werde dann
eventuell grobe Fahrlässigkeit konstatiert.

Tipps gegen Ablenkung am Steuer

Das Problem Ablenkung betrifft im Grunde alle Verkehrsteilnehmer,
für Autofahrer ist es aber extrem gefährlich und oftmals durch banale
Ursachen bedingt - von der Zuwendung zu Kind oder Hund als Beifahrer
über Heuschnupfen, die Wespe im Auto bis zu dem vom Nebensitz
rutschenden Blumenstrauß. "Gut ein Drittel der ablenkungsbedingten
Unfälle lässt sich aber durch die Einhaltung einiger wesentlicher
Regeln vermeiden", schätzt Oswald und rät:

- Gerätebedienungen auf ein Minimum reduzieren: Nicht nur das
Telefonieren sollte vermieden werden, auch andere Geräte wie
Klimaanlage, Navi, CD-Player etc. lenken viel mehr ab als man
subjektiv glaubt.

- Greifen, Tasten, Gegenstände auspacken oder festhalten erhöht das
Unfallrisiko enorm. Die Sonnenbrille sollte griffbereit sein,
alles andere gut gesichert oder am besten im Kofferraum verstaut.

  • Nicht nur der Blick, auch die Gedanken müssen auf den Straßenverkehr gerichtet sein. Mit dem Starten des Motors wird das Autofahren zur Hauptaufgabe, trotz beruflicher Belastungen oder familiärer Sorgen.
- Gefrühstückt wird zu Hause, nicht erst im Auto, und auch die Vorbereitung auf den Arbeitstag sollte man während der Fahrt unterlassen. - Fahrerassistenzsysteme nützen: Bereits beim Fahrzeugkauf sollte man auf moderne und effiziente technische Lösungen wie Notbremsassistent, Abstandswarner etc. Wert legen.

"Während Alkohol am Steuer und Geschwindigkeitsdelikte seit Jahren
im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, wurde das Thema
Ablenkung im Auto bis dato vergleichsweise wenig beachtet", erklärt
Oswald. 3.500 ablenkungsbedingte Verkehrstote pro Jahr in der EU
sprechen jedoch dafür, diesem unterschätzten Risiko im Straßenverkehr
mit allen Mitteln den Kampf anzusagen.

Downloads im Internet unter
http://www.unternehmen.allianz.at/presse/news

  • Foto: Dr. Johann Oswald ((C) Allianz) - Abdruck honorarfrei
  • Diverse Fotos zum Thema "Ablenkung" als JPG
  • Pressemeldung als PDF
  • Charts Ablenkung im Straßenverkehr

Die vollständige Allianz Studie "Ablenkung im Straßenverkehr" von
Dr. Jörg Kubitzki kann auf Wunsch elektronisch zur Verfügung gestellt
werden.

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Kreditnehmern resultieren. Auch die Entwicklungen der Finanzmärkte
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sowie nationale und internationale Gesetzesänderungen, insbesondere
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OTS0052 2011-12-06 09:30 060930 Dez 11 AEV0001 1106



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