• 06.12.2011, 08:26:11
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Blindes Paar kämpft weiter gegen Adoptionsverbot - ANHÄNGE

Waisenhaus Bulgarien

Wien (OTS) - Ein aktuelles Gutachten einer anerkannten Wiener
Psychologin und integrativen Kinder- und Jugendtherapeutin bringt
Aufregung in den Fall des Adoptionsverbots für das blinde Paar aus
Traun.

Im Mai 2011 sorgte der Fall des blinden Paares Dietmar Janoschek
und Elfriede Dallinger, das ein blindes Waisenkind aus Bulgarien
adoptieren will, erstmals für Aufregung in der Öffentlichkeit. Die BH
Linz-Land wies das Adoptionsansuchen des Paares zurück.
"Fadenscheinige Argumente, wie, dass etwa ein Sonnenbrand oder ein
Zeckenbiss von blinden Eltern nicht rechtzeitig erkannt und zu einer
Gefahr für das Kind werden könnten, können wir so nicht akzeptieren.
In Österreich gibt es viele blinde Paare, die ihre leiblichen Kinder
erfolgreich groß gezogen haben", betont das blinde Paar.
Aufgrund des gescheiterten Ansuchens in Oberösterreich verlegte das
Paar seinen Hauptwohnsitz nach Wien, um dort einen neuen
Adoptionsantrag zu stellen. Jetzt lehnte auch die Wiener
Jugendwohlfahrt MA 11 den Antrag des Paares ab.

Während die Klage des Paares gegen das Land OÖ wegen
Diskriminierung aufgrund von Behinderung vom Gericht anerkannt wurde,
beauftragten Janoschek und Dallinger in Wien eine beeidete und
gerichtlich zertifizierte Sachverständige, Frau Mag. Tanja Guserl,
mit einem neuen Gutachten und der Prüfung der Ablehnungsgründe der
beiden Behörden (siehe Dokument anbei).

Darin wird deutlich, dass sich die meisten Ablehnungsgründe der BH
Linz-Land nicht auf die Adoptivwerber beziehen, sondern allgemeine
Begründungen darstellen. Außerdem werden viele Aussagen ohne
fachlich untermauerte Feststellungen behauptet. Es gibt Studien, die
sich mit der Unfallrate von Kindern behinderter Eltern beschäftigt
haben, die zu dem Ergebnis kommen, dass die Unfallrate von Kindern
behinderter Eltern nicht größer ist, als jene von Kindern mit Eltern
ohne Behinderung. Aus den Ablehnungsgründen ist zu schließen, dass
blinde Menschen generell für die Adoption aufgrund ihrer Behinderung
ungeeignet sind.

Während für die BH Linz-Land die Blindheit des Paares der
ausschlaggebende Grund für die Ablehnung des Adoptionsansuchens ist,
kommt die MA 11 zu der Beurteilung, dass Herr Janoschek und Frau
Dallinger "mangelnde Bereitschaft aufweisen, sich mit der konkreten
Situation einer Adoption und den Konsequenzen auseinander zu setzen".

"Das ist absurd und völlig aus der Luft gegriffen", ärgert sich
das Paar, "wir haben diverse Seminare zum Thema Adoption besucht,
unzählige Gespräche mit anderen Adoptiveltern geführt und uns
intensiv in Fachliteratur eingelesen". Auch die Sachverständige
bestätigt, dass sich "die sehr engagierten und motivierten
Adoptionswerber [...] über einen langen Zeitraum fachlich und
persönlich mit dem Thema Adoption auseinandergesetzt haben." Weiters
"erfolgte eine aktive und ganzheitliche Auseinandersetzung mit dem
Land und den damit verbundenen Bedürfnissen für ein Adoptivkind."
Dies wird nicht zuletzt am aktuellen Projekt für behinderte
Waisenkinder, an dem Janoschek mit seinem Verein "freiraum-europa"
arbeitet, deutlich.

Obwohl das Gutachten zeigt, dass die Ablehnungsgründe der beiden
Behörden gravierende inhaltliche Unterschiede aufweisen, ignorieren
sowohl das Land OÖ als auch die Stadt Wien diese Erkenntnisse. "Man
sollte davon ausgehen, dass es diesbezüglich einheitliche fachliche
Standards gäbe", so die Sachverständige Mag. Tanja Guserl. Janoschek
und seiner Lebensgefährtin steht nun ein nervenaufreibender Prozess
bevor. Trotzdem geben sich die beiden kämpferisch: "Wir wehren uns
schlichtweg dagegen, dass Menschen, die wie wir mit einer Behinderung
leben, diskriminiert werden."

Hilfsprojekt in Bulgarien - Weihnachtswunder für hilfsbedürftige
Kinder

Mit seinem Verein "freiraum-europa" setzt sich Dietmar Janoschek
seit vielen Jahren für eine barrierefreie Gestaltung der gesamten
Umwelt ein, um so allen Menschen - unabhängig von Behinderung und
Alter - ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Der Verein
vertritt den Europäischen Dachverband EIDD - Design for all Europe in
Österreich und setzt sich gegen Diskriminierung ein und unterstützt
Menschen mit Behinderung.

In Bulgarien leben laut Weltbank ca. 35.000 Kinder in Heimen.
Viele Kinder sind traumatisiert, da sie ausgesetzt, nach der Geburt
in Krankenhäusern "vergessen" oder Opfer von Gewalt und Missbrauch
wurden. Die Zustände in den von Verfall bedrohten Kinderheimen
sind katastrophal. Die Einrichtungen überfüllt. Die sanitären Anlagen
entsetzlich und oftmals müssen die Erzieher um Essen betteln gehen um
die Kinder zu ernähren. Besonders betroffen sind behinderte Kinder.
Durch Unterernährung und fehlende medizinische Versor
gung sind in den letzten Jahren, so das Helsinki-Komitee, 238
Waisenkinder in bulgarischen Heimen umgekommen. Um so
unverständlicher, warum die Wiener und OÖ Behörde die Aufnahme eines
blinden Waisenkindes beim blinden Paar in Österreich verhindert.

freiraum-europa will durch die Anschaffung von Hilfsmitteln,
Heilbehelfen, Lebensmittel, Hy-gieneartikel, Spielsachen udgl. die
Lebensbedingungen für die behinderten Waisenkinder verbessern.
freiraum-europa plant auch die Errichtung von Wohngruppen, in denen
speziell auf die Bedürfnisse von behinderten Waisenkindern
eingegangen werden kann.

"Es ist für uns wichtig, dass die Hilfe direkt bei den Kindern
ankommt. Daher werde ich noch vor Weihnachten persönlich nach
Bulgarien reisen, um dort diverse Hilfsgüter an die Kinder zu
verteilen. Wir hoffen, dass wir bis zum geplanten Besuch noch viele
Spender mobilisieren können, uns bei diesem wichtigen Engagement zu
unterstützen", so freiraum-europa Präsident Dietmar Janoschek, der
1992 erblindet ist.

Um das Hilfsprojekt umsetzen zu können, ist der Verein auf Spenden
auf das freiraum-europa Konto: 88880 BLZ: 54000 angewiesen.

Anhänge zu dieser Aussendung finden Sie als Verknüpfung im
AOM / Originaltext-Service sowie im Volltext der Aussendung auf
http://www.ots.at

Rückfragehinweis:

freiraum-europa
   die expertInnen für barrierefreiheit
   Präsident Dietmar R. Janoschek
   Tel.: 0699 141 323 45
   [email protected]
   www.freiraum-europa.org

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