- 03.12.2011, 08:45:31
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Welttag der Menschen mit Behinderung: Podiumsdiskussion im Parlament: Entwicklungszusammenarbeit - all inclusive?
Anlässlich des Welttages der Menschen mit Behinderungen wurde im österreichischen Parlament die Umsetzung der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen diskutiert.
Wien (OTS) - Heuer steht der Welttag der Menschen mit
Behinderungen ganz im Zeichen der Entwicklungs-zusammenarbeit.
"Gemeinsam für eine bessere Welt für alle: Menschen mit Behinderungen
müssen in die Entwicklungszusammenarbeit einbezogen werden!" lautet
das von der UNO ausgerufene Motto.
15% der Weltbevölkerung, mehr als eine Milliarde Menschen, sind
behindert, stellt der jüngst von Weltgesundheitsorganisation (WHO)
und Weltbank publizierte "Weltbericht zu Behinderung" fest, der auch
den dramatischen Zusammenhang zwischen Armut und Behinderung
aufzeigt. 80% der Menschen mit Behinderungen leben in Armutsgebieten.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer eröffnete als Gastgeberin
die Podiumsdiskussion am Freitag, dem 2. Dezember 2011 um 12:00 Uhr
im Budgetsaal des Parlaments und beleuchtete die aktuelle Situation
von Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern: "Behinderung
ist das Ergebnis einer Person und ihrer Umgebung. Es geht nicht nur
um den Zugang zu Gebäuden, sondern um das Ende von Diskriminierung
und Stigmatisierung. Das hat nichts mit Wohltätigkeiten zu tun, es
geht hier um Menschenrechte. Arm sein, behindert sein und Frau sein -
das ist die Überbehinderung. Daher muss die Geschlechterfrage ganz
besonders in den Programmen der Entwicklungszusammenarbeit
berücksichtigt werden!"
Mit Marianne Schulze, der Vorsitzenden des Monitoringausschusses
zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit
Behinderungen, diskutierten internationale und österreichische
Experten und Expertinnen:
\x{2588} Yetnebersh Nigussie, Ethiopian Centre for Disability and
Development
"Damit die Welt eine bessere für alle wird, müssen auch alle Menschen
die Verantwortung dafür übernehmen. 1 Milliarde Menschen weltweit
sind behindert - diese Menschen voll mit einzubeziehen muss unser
aller Wunsch sein, denn wir alle werden davon profitieren!"
\x{2588} Musikari Kombo, Abgeordneter des kenianischen Parlaments
"Wenn in Kenia jemand ein behindertes Kind hat, wird er automatisch
stigmatisiert. Diese Einstellung müssen wir verändern. Da Kenia 2009
die UN-Konvention zu Menschen mit Behinderung unterschrieben hat,
hoffe ich, dass sich dadurch auch das öffentliche Bewusstsein langsam
ändert!"
\x{2588} Ulrike Königsberger-Ludwig, Abg.z.NR, Behindertensprecherin SPÖ
"Armut bedingt Behinderung und hat auch Auswirkungen auf Behinderung.
Daher sind die Armutsbekämpfung und die Miteinbeziehung von Menschen
mit Behinderung unser Hauptanliegen."
\x{2588} Franz Glaser, ÖVP-Sprecher für Entwicklungszusammenarbeit
"Vor 15 Jahren gab es auch bei uns noch keine abgeschrägten Gehsteige
und Zugänge zu öffentlichen Gebäuden für Menschen mit Behinderungen.
Für uns ist das heute selbstverständlich und das sollte es auch für
die Partnerländer in der Entwicklungszusammenarbeit werden."
\x{2588} Richard Kühnel, Leiter der Vertretung der EU-Kommission in
Österreich
"Die EU hat als Rechtsperson die UN Konvention zu Menschen mit
Behinderungen bereits unterzeichnet, insgesamt aber nicht alle EU
Länder. Ziel muss es auch sein, bei der Vergabe der Fördergelder
Menschen mit Behinderung besonders zu berücksichtigen."
\x{2588} Klaus Steiner, BMeiA, Sektion Entwicklungszusammenarbeit
"Im Rahmen der EZA gibt es kein fixes Budget für Menschen mit
Behinderungen. Inklusion soll aber im Programmmanagement integriert
werden. Zum Beispiel in der Katastrophenhilfe und im Bildungsbereich
müssen die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen rasch
berücksichtigt werden."
Im Zentrum der Diskussion standen Herausforderungen und konkrete
Schritte für die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von
Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern und im Rahmen der
Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.
Auch die Weltgesundheitsorganisation war mit einem Statement zum
"Weltbericht zu Behinderung" vertreten, das von der österreichischen
Schauspielerin Chris Pichler vorgetragen wird: "Die Tatsache, dass
Menschen mit Behinderungen aus Entwicklungsmaßnahmen bisher keinen
angemessenen Nutzen ziehen konnten, bedeutet mit anderen Worten, dass
es schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein wird, die
Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen."
Grundlage für alle notwendigen Veränderungen ist die UN-Konvention
über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Österreich hat dieses
Übereinkommen im Jahr 2008 ratifiziert und sich damit verpflichtet,
Menschen mit Behinderungen den vollen Zugang zu allen Lebensbereichen
zu gewähren. Insgesamt haben bisher 153 Staaten die Konvention
unterschrieben; 106 Staaten haben bereits ratifiziert, das heißt, die
Konvention in ihren nationalen Gesetzgebungen verankert.
In Österreich wird zur Umsetzung der Konvention ein "Nationaler
Aktionsplan für Menschen mit Behinderungen 2011 - 2020" erstellt.
Entwicklungszusammenarbeit gehört zu den zehn Themenkreisen, die im
Aktionsplan behandelt werden.
Rupert Roniger, Geschäftsführer von LICHT FÜR DIE WELT: "Dass die
Entwicklungszusammenarbeit im neuen Aktionsplan so prominent
verankert ist, ist ein wichtiges Zeichen in Hinblick auf die Rechte
behinderter Menschen in Entwicklungsländern."
Auf internationaler Ebene wird im Rahmen der Generalversammlung
der Vereinten Nationen 2013 eine hochrangig besetzte Versammlung das
Thema Inklusion in der Entwicklungszusammenarbeit erörtern. Ein
großer Schritt nach vorne, denn bisher wurden Menschen mit
Behinderungen in den Millenniumsentwicklungszielen (dem größten
Entwicklungsprogramm der UNO) weder erwähnt noch einbezogen.
Fritz Neugebauer, zweiter Nationalpräsident, in seinem Schlusswort
zur Veranstaltung: "Besonders die Frage der Bewusstseinsbildung ist
wichtig. Wir sitzen alle gemeinsam in einem Boot. Das Bewusstsein für
Menschen mit Behinderungen darf nicht nur am 3. Dezember, dem
internationalen Welttag, zur Schau gestellt werden, sondern sollte
auch die restlichen 364 Tage im Jahr vorhanden sein!"
Rückfragehinweis:
LICHT FÜR DIE WELT Margit Draxl Pressesprecherin Tel.: +43/676/487 000 7 bzw. +43/1/810 1300-59 mailto:[email protected] www.licht-fuer-die-welt.at
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