Hundstorfer: Frage der gerechten Verteilung wird zunehmend wichtiger
Wirtschaftswachstum allein nicht länger als Messlatte für steigenden Wohlstand der Gesamtbevölkerung geeignet
Wien (OTS/SK) - Als Messlatte für die Entwicklung und den
steigenden Wohlstand eines Landes galt bisher das Wirtschaftswachstum
bzw. Bruttoinlandsprodukt (BIP). "Viele Jahrzehnte wurden im
langjährigen Durchschnitt hohe Wachstumsraten verzeichnet. Ein
Großteil der Bevölkerung konnte dadurch ihren Lebensstandard
verbessern", sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer heute, Freitag,
im Rahmen der Sozialenquete "Wie kann sozialer Fortschritt gemessen
werden?", veranstaltet vom Wirtschaftsforschungsinstitut und dem
Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger.
Steigende Wachstumsraten seien jedoch nicht länger ein verlässlicher
Faktor zum Messen des Wohlstandes der Gesamtbevölkerung. "Der
Wohlstandsgewinn wird immer ungleicher auf die Bevölkerungsgruppen
verteilt", so Hundstorfer, der betonte, dass die Frage nach einer
gerechten Verteilung daher immer wichtiger werde. ****
"Ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum war lange Zeit die
wesentliche Voraussetzung für substantielle Verbesserungen der
Lebensbedingungen eines Großteils der Bevölkerung. Die meisten
Menschen konnten - in unterschiedlichem Ausmaß - vom wachsenden
Bruttoinlandsprodukt profitieren", so der Minister. Seit rund 30
Jahren verschärfe sich jedoch die soziale Ungleichheit in der
österreichischen Bevölkerung. "Die Vermögen und Vermögenseinkünfte
sind viel stärker als die Lohneinkommen angestiegen", sagte
Hundstorfer. Es sei offensichtlich, dass "ein Großteil der Vermögen
auf einen sehr kleinen Bevölkerungsanteil entfällt", konstatiert der
Sozialminister. "Wenn wir den Wohlstand einer Gesellschaft darstellen
wollen, müssen wir deshalb mehr Augenmerk als bisher auf die
Verteilung des Wohlstandes legen", forderte Hundstorfer.
"Wenn die Lebensbedingungen immer ungleicher werden, wird auch die
Unzufriedenheit steigen, selbst wenn im Laufe der Zeit ein gewisser
Wohlstandsgewinn erzielt werden kann", mahnte der Sozialminister. Der
Verteilungspolitik werde eine immer größere Bedeutung zukommen "wenn
wir allen bessere Lebensbedingungen ermöglichen wollen", unterstrich
Hundstorfer. Es sei deshalb wichtig, stärker als bisher die
Verteilung des Wohlstandes zu thematisieren und dafür geeignete
Messzahlen zu entwickeln. Hundstorfer bedankte sich in diesem
Zusammenhang bei den Veranstaltern der Enquete dafür, "dieses
wichtige Zukunftsthema" anzusprechen. (Schluss) sc
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