• 02.12.2011, 10:21:18
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ELGA-Umfrage: Skepsis bei Kosten und Datenschutz

Wesentliche Bedenken der Ärztekammer bestätigt

Wien (OTS) - Die Teilnahme an der elektronischen Gesundheitsakte
ELGA soll freiwillig erfolgen, und die für ELGA veranschlagten
Geldmittel sollten lieber in neue und verbesserte medizinische
Leistungen investiert werden. Das ergab eine aktuelle repräsentative
IMAS-Umfrage darüber, wie ELGA in den Augen der österreichischen
Bevölkerung wahrgenommen wird. ****

"Auf der einen Seite halten zwar 74 Prozent ELGA grundsätzlich für
eine gute Idee. Auf der anderen Seite haben aber satte 72 Prozent
keine beziehungsweise nur eine ungefähre Vorstellung davon, was mit
ELGA überhaupt gemeint ist", sagt Johannes Steinhart, Vizepräsident
und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der Wiener Ärztekammer.
Fragt man bei den Österreicherinnen und Österreichern genauer nach,
kommt laut Steinhart ans Tageslicht, dass "sich die Umfrageergebnisse
in vielen Punkten mit unseren Bedenken und Befürchtungen decken".

Freiwilligkeit bei ELGA-Teilnahme

Zwei Drittel der Befragten sprechen sich dafür aus, dass die
Teilnahme an ELGA unter allen Umständen freiwillig erfolgen sollte.
Im aktuellen Gesetzesentwurf ist jedoch vorgesehen, dass alle
Patientinnen und Patienten automatisch bei ELGA dabei sind, sofern
sie nicht von sich aus Einspruch erheben, also aus dem System
hinausoptieren.

"Mir ist bis heute nicht klar, warum sich das
Gesundheitsministerium dermaßen dagegen sträubt, den Patientinnen und
Patienten ein eigenmotiviertes und aktives Einsteigen ins System zu
ermöglichen. Wenn alle - so wie jetzt vorgesehen - automatisch dabei
sind, kann nun einmal nicht von Freiwilligkeit, sondern höchstens von
Zwangsbeglückung die Rede sein", so der Kurienobmann. Und ein gutes
System braucht seiner Meinung nach keinen Zwang. Die
Umfrageergebnisse belegen laut Steinhart klar und deutlich "die
Ur-Forderungen der Ärztekammer nach Freiwilligkeit" und dass die
derzeit vorgesehene Opt-out-Variante eindeutig "nicht im Sinn der
Bevölkerung" sei.

Skepsis bei Sicherheit und Datenschutz

Auch was die Sicherheit und den Datenschutz betrifft, sind die
Österreicherinnen und Österreicher den Umfrageergebnissen zufolge
skeptisch. 65 Prozent befürchten, dass es durch ELGA zu einer
missbräuchlichen Verwendung von Krankheitsdaten durch Arbeitgeber und
Privatversicherungen kommen kann. Fast ebenso viele, nämlich 63
Prozent, glauben, dass die Anonymität der Patientendaten nicht mehr
gesichert wäre, weil zu viele verschiedene Stellen Einblick in die
Gesundheitsakte bekommen würden.

Nur 14 Prozent schließen Hackerangriffe gegen das System ELGA zu
100 Prozent aus. "Die Datenskandale haben uns im Sommer im Wochentakt
vor Augen geführt, wie leicht Personendaten an die Öffentlichkeit
gelangen können", betont der Vizepräsident. "Dass die Patientinnen
und Patienten bezüglich der Datensicherheit Bedenken haben, muss von
den politisch Verantwortlichen unbedingt ernst genommen werden."

Steuermittel lieber in verbesserte Medizin investieren

Bezüglich der ELGA-Finanzierung teilt ebenfalls ein Großteil der
Befragten die Zweifel der Ärztekammer. Denn: Nur 28 Prozent der
Befragten halten die vom Ministerium vorerst veranschlagten 150
Millionen Euro für die Umsetzung von ELGA für gerechtfertigt. Mehr
als die Hälfte der Bevölkerung spricht sich hingegen dafür aus, die
für ELGA bisher offiziell bestätigten Kosten lieber in neue und
verbesserte medizinische Leistungen zu investieren.

Steinhart resümiert: "Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass
wir Ärztinnen und Ärzte mit unseren Bedenken offensichtlich nicht
ganz so allein dastehen, wie von den ELGA-Befürworten ständig
behauptet wird." Die Studie belege klar, "dass im derzeitigen
ELGA-Gesetzesentwurf noch viel verbessert werden muss und die
Anliegen der Bevölkerung ernst genommen werden müssen".

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at

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