• 01.12.2011, 11:26:43
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Mattel: Ausbeutung für kunterbunte Spielzeugwelt

Südwind-Kampagne "Spielsachen fair machen!" kritisiert menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken.

Wien (OTS) - Elf bis zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche
für einen Hungerlohn und unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen -
so sieht der Arbeitsalltag von ca. drei Millionen ChinesInnen aus,
die in tausenden Fabriken über 80% der bei uns verkauften Spielsachen
herstellen. Die Gewinner dieses Spieles heißen Mattel, Disney oder
Carrera und können auch heuer in der der Vorweihnachtszeit wieder mit
Umsatzzuwächsen rechnen, denn bei Kindern wird auch in Krisenzeiten
als letztes gespart.

Mattel gewinnt, ArbeiterInnen tragen die Kosten
Dank sprechender Autos und Klassikern wie den Barbie-Puppen steigerte
Spielwaren-Branchenführer Mattel seinen Umsatz im Vergleich zum
Vorjahr um neun Prozent. "Die Kosten für Mattels Erfolg tragen zu
einem großen Teil die chinesischen Arbeiterinnen und Arbeiter"
kritisiert die Arbeitsrechtsexpertin Debby Chan von der NGO SACOM aus
Hong Kong heute bei einem Pressegespräch in Wien. Der
Lohnkostenanteil einer Barbie-Puppe, die in Österreich um 18 Euro
verkauft wird, liegt gerade einmal bei 40 Cent.

Recherchen von SACOM zufolge verdienen die ArbeiterInnen in
Mattel-Zulieferbetrieben nur ca. 140 Euro monatlich und machen drei
Mal mehr Überstunden im Monat, als gesetzlich erlaubt sind.
Aufgrund von arbeitsbedingtem Stress und ständiger Demütigung durch
Vorgesetzte sprang im Mai eine 45-jährige Arbeiterin aus der 6.
Fabriketage eines chinesischen Zulieferers von Mattel, und starb.
Eine ihrer Kolleginnen schildert den Stress, dem die ArbeiterInnen in
der Fabrik ausgeliefert sind: "Durch die Quoten bleibt den Menschen
keine Zeit für Toiletten- und Trinkpausen! Ständig wird die Zeit
gestoppt, um zu ermitteln, wer wie lange braucht, um die
vorgeschriebenen Stückzahlen zu produzieren. Wenn jemand die Quote
nicht erreicht, wird sie oder er beschimpft und verwarnt. Nach drei
Verwarnungen folgt der Rausschmiss".

Yang Yu, die ihren richtigen Namen geheim halten will, ist derzeit
zu Gast in Wien. Sie arbeitete fünf Jahre in chinesischen
Spielzugfabriken, unter anderem für Mattel, und litt unter den
menschenunwürdigen Bedingungen: "Ich musste mitunter 26 Tage im Monat
arbeiten. Jeder Tag war ein Kampf, die Arbeit unheimlich ermüdend.
Man muss ständig voll konzentriert sein und dennoch wird man oft vom
Management angeschrien. Wer auf die Toilette muss, wird angewiesen,
so schnell wie möglich wieder am Arbeitsplatz zu sein, um nicht
getadelt zu werden".

Spielsachen fair machen!

Die europaweite Südwind-Kampagne "Spielsachen fair machen!" setzt
sich schon seit drei Jahren für eine Verbesserung der
Arbeitsbedingungen in den Spielzeugfabriken ein. Bisher
unterschrieben fast 10 000 KonsumentInnen diese Forderung an Mattel.
Laut einer AC-Nielsen Umfrage vom Oktober 2011 ist es 89% der
Spielzeug-KäuferInnen wichtig, dass bei der Produktion soziale
Mindeststandards eingehalten werden und 75% der Befragten würden
sogar um ein Viertel mehr für faire Spielsachen bezahlen. Claudia
Bonk, Projektleiterin von "Spielsachen fair machen!" unterstreicht
den Spielraum von international agierenden Unternehmen: "Mattel und
Co. setzen chinesische Zulieferbetriebe mit ihrer Einkaufspolitik
unter enormen Zeit- und Preisdruck und der wird dann an die
Arbeiterinnen und Arbeiter weitergeben."

Faire Alternativen zu Weihnachten?

"Ein Zertifikat für fair produziertes Spielzeug gibt es leider
noch nicht - derzeit können wir nur heimisches Holzspielzeug z.B. der
Firma Matador oder Spielsachen empfehlen, die in den Weltläden
angeboten werden.", so Bonk.

Die Kampagne bietet aber viele Möglichkeiten, Druck auf die
Unternehmen und den Internationalen Spielzeugverband auszuüben, damit
die Nachfrage nach fairen Arbeitsbedingungen sichtbar wird. Derzeit
gibt es auf der Website von "Spielsachen fair machen!" die
Unterschriften-Aktion "Weihnachtswunsch", die konkrete Forderungen an
Spielzeugunternehmen nennt. Im Jänner sollen die gesammelten
Unterschriften bei einem Treffen an die Unternehmen übergeben werden.
Bonk empfiehlt KonsumentInnen auch direkt in den Geschäften oder bei
den Herstellern nachzufragen, wo und wie Spielzeug produziert wird,
oder sich an internationalen Mailaktionen zu beteiligen, in denen
gemeinsame Forderungen an Spielzeugfirmen formuliert werden. "Um die
Spielzeugunternehmen zu bewegen, sich für eine Verbesserung der
Arbeitsbedingungen einzusetzen, braucht es den Druck von
Konsumentinnen und Konsumenten in Europa und den USA!" ist sich auch
Chan sicher.

"Faire Arbeitsbedingungen dürfen kein Wunsch ans Christkind
bleiben, sondern sind eine Forderung an die Spielzeugindustrie, sich
für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen - zu
Weihnachten und das ganze Jahr über", schließt Bonk.
Eine elektronische Pressemappe, druckfähiges Fotomaterial und weitere
Informationen finden Sie unter:
http://www.spielsachen-fair-machen.at/presseaussendungen

Die Südwind-Kampagne "Spielsachen fair machen!" wird von der
Europäischen Union, der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
und der Dreikönigsaktion gefördert. Die von "Spielsachen fair
machen!" vertretenen Standpunkte geben die Ansicht der Kampagne
wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der
Europäischen Union und der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit dar.

Südwind ist eine entwicklungspolitische
Nichtregierungsorganisation, die seit 30 Jahren in Österreich für
eine nachhaltige globale Entwicklung aktiv ist. Durch schulische und
außerschulische Bildungsarbeit, Kampagnen mit
öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Informationsarbeit, die
Herausgabe des Südwind-Magazin und anderer Publikationen informiert
Südwind in Österreich zu globalen Themen.

Rückfragehinweis:
Claudia Bonk
Tel.: (01) 405 55 15-323
Mobil: 0699 194 790 03
E-Mail: [email protected]
www.spielsachen-fair-machen.at

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