• 01.12.2011, 11:00:59
  • /
  • OTS0144 OTW0144

Verschlimmerung bereits vorhandener Benachteiligungen:

Österreichischer Frauenring strikt gegen vorzeitige Erhöhung des Frauenpensionsantrittsalters

Wien (OTS) - Der Österreichische Frauenring (ÖFR), Dachverband
österreichischer Frauenvereine, lehnt die geplante Erhöhung des
gesetzlichen Pensionsalters für Frauen strikt ab. Stattdessen fordert
der ÖFR eine Rückkehr zu aktiver Gleichstellungs- und
Menschenrechtspolitik, die historische Ungleichbehandlungen umfassend
abbaut.

In den 1990er Jahren wurde eine stufenweise Anhebung des
Pensionsalters für Frauen beschlossen, die dazu führen soll, dass bis
zum Jahr 2033 sowohl Männer als auch Frauen bis zum Alter von 65
Jahren arbeiten. Hinter diesem Beschluss stand jedoch die
Vereinbarung, dass bis zur schrittweisen Anhebung des Pensionsalters
die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen
der Gesellschaft erreicht ist.

Von diesem Ziel ist Österreich weit entfernt: Die Einkommensschere
zwischen Männern und Frauen ist eine der größten in Europa. Zudem
sind Frauen in politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Entscheidungsgremien nicht angemessen vertreten.
Frauen sind überproportional armutsgefährdet und in einem
erschreckenden Ausmaß von Gewalt betroffen.

Tatsache ist, dass Frauen zwei Jahre früher in Pension gehen als
Männer - während der Hauptteil unbezahlter Arbeit von Frauen
geleistet wird: Allein die geschätzte Wertschöpfung der - meist von
Frauen - ausgeübten unbezahlten Tätigkeiten im Haushalt, Betreuung
von Kindern sowie Betreuung und Pflege von kranken und
pflegebedürftigen Angehörigen beträgt ca. 35. Milliarden Euro pro
Jahr. Von einer umfassenden Gleichstellung der Geschlechter kann
daher keine Rede sein.

Der Abbau von Rechten trifft in der Regel benachteiligte Gruppen
besonders hart, und führt zu mehr Ungerechtigkeit, Ungleichheit und
gesellschaftlicher Desintegration. Gerade in wirtschaftlich
unsicheren Zeiten werden hart erkämpfte Standards der Menschenrechte
in Frage gestellt. Der Bereich der Gleichstellungspolitik ist davon
besonders stark betroffen.

PolitikerInnen müssen sich wieder um die Erfüllung der allgemeinen
Menschenrechte und um Gleichstellung, insbesondere auch der
wirtschaftlichen und sozialen Rechte aller Menschen kümmern. Nach
Einsparungsmöglichkeiten muss an den richtigen Stellen gesucht
werden. So brächte beispielsweise eine Strukturreform große
Einsparungen. Es ist jedoch nicht vertretbar, dass Sparmaßnahmen, bei
denjenigen ansetzen, die ohnehin von Benachteiligungen betroffen
sind.

Wir dürfen das Wirtschafts- und Finanzsystem darf nicht länger den
Menschenrechten überordnen. Nur dadurch kann ein weiteres Ansteigen
von Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Diskriminierung verhindert
werden.

Neben einem neuen Gleichstellungspaket ist aber auch eine Debatte
darüber dringend notwendig, welche Formen von Arbeit und sozialer
Absicherung es für alle Menschen geben soll. Es muss auch um
Qualität der Arbeit, um angemessene Entlohnung und um umfassende
Absicherung gegen Risiken des Lebens wie Krankheit, Unfall,
Arbeitslosigkeit und eben auch Alter gehen.

Solange keine gesamtgesellschaftliche Gleichstellung der
Geschlechter erreicht ist, kann eine Erhöhung des
Frauenpensionsantrittsalters aus Sicht des ÖFR jedenfalls nicht zur
Diskussion stehen. Der Österreichische Frauenring lehnt solche
Überlegungen vehement ab und fordert eine angemessene
Gleichstellungs- und Menschenrechtspolitik.
Die vorgesehen Anhebung des Pensionsantrittsalters bedeutet negative
Auswirkungen für einen Großteil der Frauen und würde die vorhandenen
gesellschaftlichen Benachteiligungen nur noch verstärken.

Rückfragehinweis:
Österreichischer Frauenring
[email protected]
www.frauenring.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OFR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel