• 30.11.2011, 10:31:31
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Ärztekammer befürchtet Kostenexplosion bei ELGA

Steinhart: "Skylink-Debakel im Gesundheitssystem muss verhindert werden"

Wien (OTS) - Welche Kosten mit ELGA tatsächlich auf die
Ärzteschaft und das Gesundheitswesen zukommen, präsentierte
Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart heute, Mittwoch, im
Rahmen einer Pressekonferenz und basierend auf einer aktuellen
Studie. Während das Gesundheitsministerium derzeit von Gesamtkosten
in Höhe von 150 Millionen Euro ausgeht, fallen nach Berechnungen der
Ärztekammer allein im ersten Jahr Kosten von mehr als 420 Millionen
Euro an. ****

Ein Debakel in "Skylink-Größenordnung" müsse laut Steinhart im
Gesundheitswesen mit aller Kraft verhindert werden. Es gehe hier um
sehr viel Geld, das sinnlos verpulvert werde und dringend in die
Verbesserung von Gesundheitsdienstleistungen sowie die Aufstockung
von ärztlichem und medizinischem Personal investiert werden müsse.
Denn "In Zeiten, in denen eine Schuldenbremse diskutiert wird und
sogar die Belegschaft des Wiener AKH mit Prominenten auf die
Barrikaden steigen muss, um der Politik den Ernst der finanziellen
Lage begreiflich zu machen, ist es für mich unfassbar, mit welchen
Scheuklappen das Gesundheitsministerium an ELGA in der vom
Gesundheitsminister konzipierten Form festhält", so der
Vizepräsident.

Selbst wenn die vom Gesundheitsministerium veranschlagten Kosten
in Höhe von 150 Millionen Euro haltbar wären, handelt es sich
Steinhart zufolge allein bei dieser Summe um denselben Betrag, der
nötig ist, um alle Wiener Allgemeinmediziner für ein ganzes Jahr zu
finanzieren.

Gelder sinnvoll investieren

"Die Liste der gesundheitlichen Versorgungslücken, die man mit dem
für ELGA reservierten Budget schließen könnte, ist unendlich lang",
so der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte. So könnten
beispielsweise die aktuellen Wartezeiten für MR-Untersuchungen von
derzeit bis zu sechs Monaten mit nur einem Viertel des vom
Gesundheitsministerium veranschlagten ELGA-Budgets gegen Null
verbessert werden. Auch dem jahrelangen Kampf der Ärzteschaft für die
Einführung einer flächendeckenden kinderpsychiatrischen Versorgung
könnte mit einer entsprechenden Budgetumverteilung ein Ende gesetzt
werden. Steinhart: "Mir blutet das Herz, wenn ich mir vor Augen
führe, dass eine flächendeckende kinderpsychiatrische Versorgung,
beispielsweise in Wien, nur 2 Prozent der geplanten ELGA-Kosten
ausmachen würde".

Auf lange Sicht gesehen würden die Kosten, um ELGA für zehn Jahre
zu finanzieren, an die 1,86 Milliarden Euro betragen - eine
Größenordnung, die laut Steinhart in Anbetracht des bis dato nicht
erwiesenen Nutzens nicht zu rechtfertigen sei. Der Kurienobmann
fordert daher "endlich eine seriöse Kosten-Nutzen-Analyse des
Gesundheitsministeriums, die die ELGA-Investitionskosten in
Millionenhöhe rechtfertigen kann".

Die Ärztekammer sei nicht grundsätzlich gegen den Fortschritt, den
eine elektronische Datenvernetzung mit sich bringen könnte.
Allerdings müsse es statt ministerieller Zwangsverpflichtung eine
freiwillige Teilnahme an ELGA für Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte
geben, und die für eine elektronische Vernetzung notwendigen
finanziellen Mittel müssten in einer vernünftigen Relation zum
prognostizierten Nutzen stehen.

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at

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