• 28.11.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Elite-Bonds: Endlich ein neuer Vorstoß - von Hans Weitmayr

Die "Elite" würde sich de facto auf einen Kern-Euro zubewegen

Wien (OTS) - Zunächst sei einmal angesichts des zur Diskussion
stehenden Vorstoßes Richtung Elite-Bonds ein Seufzer der
Erleichterung ausgestoßen: "Endlich ein neues Modell." Angesichts der
vielen Lösungsvorschläge, die tagtäglich auf uns hereinprasseln,
könnte man hinter dieser Erleichterung Ironie vermuten - tatsächlich
ist sie aber ernst gemeint, denn die hohe Quantität an Vorschlägen
steht in indirekt proportionalem Verhältnis zu deren Qualität.
Ernsthaft zur Disposition standen bislang nämlich nur zwei Optionen:
EZB-Druckerpresse oder Eurobonds. Das eine Modell ist mit enormen
Risiken verbunden, das zweite auch nicht frei von Nebenwirkungen und
seit dem Veto des Verfassungsgerichts in Karlsruhe fast unmöglich
umzusetzen.

Jetzt steht also die Variante von Elite-Bonds zur Diskussion. Dabei
handelt es sich um von den sechs AAA-Euroländern begebene Anleihen,
die zur gegenseitigen Refinanzierung und - gegen strenge Auflagen -
zur Unterstützung anderer EU-Mitglieder herangezogen werden können.
Das wäre bilateral zwischen den einzelnen Ländern umzusetzen.
EU-Vertragsänderungen fielen weg, der gesamte Gestaltungsprozess wäre
deutlich unkomplizierter als die Einführung von Eurobonds. Die sechs
Volkswirtschaften - darunter Österreich - könnten sich so gegenseitig
ihr AAA absichern. Das sollte das Zinsniveau auf den Anleihenmärkten
kurzfristig niedrig halten und eine kostengünstige Refinanzierung
sichern.

Der Haken an der Angelegenheit wäre, dass sich diese Länder damit de
facto auf einen Kern- oder Nord-Euro zubewegen. Man hätte zwei
gesonderte Anleihen-Zonen. Denn welches Elite-Land würde noch
herkömmliche Bonds emittieren, wenn es sich über die Elite-Option
absichern und somit billiger refinanzieren könnte? In der Folge - und
jetzt kommen wir zu den Risiken - würden nicht nur die
Peripherie-Renditen in den Himmel schießen (oder dort bleiben), es
würden auch die Renditen aller Euroländer ansteigen, die nicht zu den
neuen Kernländern gehören. Ähnliches ist für die osteuropäischen
EU-Staaten zu befürchten. Besonders für diejenigen, die ihre Währung
an den Euro gekoppelt haben, dürften sich neue, schwer zu meisternde
Ungleichgewichte ergeben. Die Idee der Elite-Bonds ist also alles
andere als ausgereift. Möglicherweise ist sie in diesem
unausgegorenen Zustand auch zu früh einer breiten Öffentlichkeit
bekannt geworden, was wiederum die raschen Dementis erklären würde.
Aber eines zeigt das Modell: Europa hat noch nicht mit dem Nachdenken
aufgehört. Und das alleine macht Mut.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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