Eröffnung Bahnhof Melk - Umbau nach zwei Jahren Bauzeit abgeschlossen
Umfangreiche Maßnahmen unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes machen den Bahnhof modern und barrierefrei
St. Pölten (OTS) - Bundesministerin Doris Bures, Landeshauptmann
Erwin Pröll, Bürgermeister Thomas Widrich, Ellen Kray (EU) und
ÖBB-Holding-Vorstand, Franz Seiser, haben heute den neuen, modernen
Bahnhof Melk feierlich eröffnet. Innerhalb von zwei Jahren wurden
umfangreiche Umbaumaßnahmen unter laufendem Bahnbetrieb und unter
besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes durchgeführt. Heute
präsentiert sich der Bahnhof den Fahrgästen als moderner,
barrierefreier Bahnhof, der neue EU-Standards erfüllt und als
zentrales Eingangstor zur Stadt fungiert. Insgesamt wurde an acht
verschiedenen Bereichen gebaut. Investitionsvolumen rund 22 Mio.
Euro.
Melk an einer der wichtigsten Bahnverbindungen Europas
1858 ist der erste Zug durch Melk gefahren - seit damals hat sich
einiges geändert. Heute sind Transeuropäische Netze (TEN) hochrangige
Infrastrukturen, die Europa zusammenführen und die Wirtschaft stärken
sollen. Mit dem Ausbau dieser Netze soll innerhalb der EU der
Personen- und Güterverkehr gesichert werden. Dafür werden vorrangige
Achsen festgelegt, die prioritär umgesetzt werden. Der Bahnhof Melk
ist Teil einer wichtigen europäischen Eisenbahnachse, die Paris,
Straßburg, Stuttgart, München und Wien mit Bratislava verbindet.
Mithilfe der Konjunkturbelebungsprogramme der EU und der
österreichischen Bundesregierung konnte der Umbau in Melk 2009
begonnen werden. Voraussetzung für den Ausbau des Transeuropäischen
Netzes sind einheitliche, sogenannte "interoperable"
Eisenbahnsysteme. Hierbei gilt es unterschiedliche
Infrastrukturvoraussetzungen (z.B. verschiedene Zugsicherungs- oder
Energieversorgungssysteme) zu vereinheitlichen, damit das Bahn fahren
noch attraktiver wird.
Ein Projekt - vielfacher Nutzen
Gemeinsam mit der EU, dem Land Niederösterreich und der Stadt konnte
das umfangreiche Projekt von den ÖBB realisiert werden. Das
Bahnhofsgebäude wurde zu einer modernen Verkehrsstation umgebaut und
der gesamte Bahnhofsvorplatz neu gestaltet. Durch die Verbesserung
der Umsteigemöglichkeiten von Bus, Auto oder Fahrrad auf die Bahn
wurde die Mobilitätskette erheblich verkürzt. Von der Optimierung der
Unterführung Prinzlstraße durch eine zweite Fahrspur und die
Integration eines Gehsteiges profitieren Autofahrer wie Fußgänger.
Mehr Sicherheit konnte durch die Auflassung der Eisenbahnkreuzung in
der Jakobstraße, die man durch die unweite Unterführung "In der
Trieben" ersetzt hat, erreicht worden. Die Lebensqualität der
AnrainerInnen wurde durch gezielte Lärmschutzmaßnahmen beiderseits
der Bahn erhöht. Der Blick vom Bahnsteig zum denkmalgeschützten
Bahnhofsgebäude und zum Weltkulturerbe Stift Melk wurde über
transparente Lärmschutzelemente akzentuiert.
Die zwei neuen, durchgehenden Streckengleise bewirken, dass
betrieblich im Bahnhofsbereich Verschubarbeiten entfallen und die
Erhaltung auf einem minimalen Niveau gehalten werden kann. Die
Anhebung der Geschwindigkeit auf 110 km/h ermöglicht außerdem eine
Beschleunigung der Reisezeiten.
Dazu ÖBB-Holding-Vorstand Franz Seiser: "Mit der zunehmenden
Vernetzung der weltweiten Wirtschaftsräume steigt auch der Bedarf
nach einer leistungsfähigen und verfügbaren Mobilität. International
bekennt man sich deshalb zum Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln
wie der klimafreundlichen Eisenbahn. Um die ÖBB fit für Europa zu
machen, investieren wir daher auch in unsere Bahnhöfe."
Maßnahmen im Detail
Sanierung des Bahnhofsgebäudes
Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude wurde komplett saniert: die
Fassade wurde erneuert, neue Fenster und Türen eingebaut und die
Räume neu angeordnet. Es stehen neue Sitzmöglichkeiten in der
Wartehalle, eine besetzte Personenkasse für Verkauf und Beratung zur
Verfügung sowie eine barrierefreie WC-Anlage.
Errichtung Personendurchgang und Bahnsteige
Ein moderner und gut ausgeleuchteter Personendurchgang, dessen
orange-rote Glaswände künstlerisch gestaltet wurden, ersetzt die
Stahlstegüberführung aus dem Jahr 1916 und verbindet die nördliche
und südliche Stadtseite bzw. die beiden Bahnsteige über zwei
Liftanlagen sowie Stiegen. Die Bahnsteige wurden verlängert und
überdacht; der Bahnsteig 1 mit einer Wartekoje und einem roten
Anlehnbügel ausgestattet. Die Erhöhung der Bahnsteigkanten auf 55 cm
ermöglicht ein bequemes Aus- und Einsteigen.
Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes
Der nordseitig gelegene Bahnhofsvorplatz wurde gänzlich neu
gestaltet. Die vier überdachten Bushaltestellen wurden in
"Sägezahnaufstellung" errichtet und mit Infostelen und Wartekojen
ausgestattet. Daneben wurden fünf Stellplätze für Taxis vorgesehen.
Westlich des Bahnhofgebäudes wurden behindertengerechte
PKW-Stellplätze situiert, vor dem Bahnhofsgebäude eine Skulptur
aufgestellt.
Erweiterung der bestehenden Park&Ride-Anlage
Auf der südlichen Bahnhofsseite wurde die bestehende Park&Ride-Anlage
um 119 Stellplätze erweitert. In der Nähe der Ausgänge des
Personendurchgangs wurden Bike&Ride-Anlagen mit jeweils 48
Stellplätzen für Fahrräder und 14 für einspurige Kraftfahrzeuge
gebaut. Die bisher ungünstige Zufahrt zu den Stellplätzen wurde durch
eine neue Zufahrt in der Josef Büchl-Straße ersetzt.
Neubau der Unterführungen Prinzlstraße und "In der Trieben"
Aus der bisher einspurigen Unterführung der Prinzlstraße wurde eine
zweispurige Fahrbahn mit einem Gehsteig für Fußgänger. Die
Eisenbahnkreuzung in der Jakobstraße wurde aufgelassen und wird durch
die zweispurige Unterführung "In der Trieben" ersetzt. Baulich
getrennt vom Kfz-Verkehr wurde auch ein Rad- und Fußweg geschaffen.
Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen
Damit es künftig im Siedlungsgebiet weniger Lärm durch den
Bahnverkehr gibt, wurden Lärmschutzwände aus Betonfaserkassetten und
transparenten Elementen beiderseits der Bahngleise in einer Höhe
zwischen 2 und 2,5 Meter und einer Länge von fast 4 Kilometern
errichtet. Große Teile des Lärmschutzes und die Erweiterung der
Park&Ride-Anlage wurden vom Land Niederösterreich, der Stadt Melk und
den ÖBB finanziert.
Errichtung der Überleitstelle Loosdorf
Die neue Überleitstelle westlich vom Bahnhof Melk ersetzt die
Weichenverbindungen, die nun durch den Umbau nicht mehr gebraucht
werden. Sie wurde in Form einer gegenläufigen Weichenverbindung mit
vier Weichen errichtet und ermöglicht ein Abzweigen mit einer
Geschwindigkeit von 100 km/h.
Neutrassierung von zwei Streckengleisen
Insgesamt wurden acht bestehende Gleise und die dazugehörigen Weichen
abgetragen. Stattdessen wurde eine neue Trasse für die zwei neuen,
durchgehenden Gleise errichtet. Dafür mussten auch die
Oberleitungsanlagen erneuert werden. Außerdem wurden die Sicherungs-
und Fernmeldeanlagen an den neuesten Stand der Technik angepasst.
"Zusatzprojekt" Kunst am Bahnhof
Für das "Zusatzprojekt" "Kunst am Bahnhof" konnte der heimische
Künstler Andreas Herfert gewonnen werden. Im Personendurchgang
gestaltete er die Glaswand mit silbernen Ornamenten aus Metall und am
Bahnhofsvorplatz steht eine 2 Meter hohe wie breite Niro-Skulptur.
Vor allem die Bearbeitung des Materials Niro ist dabei eine große
Herausforderung.
Die Skulptur stellt den Abschnitt eines Weges dar, vergleichbar mit
einer Teilstrecke der Eisenbahn oder auch des Lebens. Einmal
dominiert eine Gerade, dann wieder Kurven. Geschwungen und verknotet
symbolisiert die Skulptur die Dynamik des Unternehmens.
ÖBB: Österreichs größter Mobilitätsdienstleister
Als umfassender Mobilitätsdienstleister sorgt der ÖBB-Konzern
österreichweit für die umweltfreundliche Beförderung von Personen und
Gütern. Mit konzernweit rd. 42.500 MitarbeiterInnen (inkl. Lehrlinge
44.125) und Gesamterträgen von rd. 6,1 Mrd. EUR ist der ÖBB-Konzern
ein wirtschaftlicher Impulsgeber des Landes. Im Jahr 2010 wurden von
den ÖBB 460 Mio. Fahrgäste und 132,9 Mio. Tonnen Güter transportiert.
Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.
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