- 27.11.2011, 04:30:31
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Grasser in ÖSTERREICH: "Fühle mich politisch verfolgt"
Ex-Finanzminister: "Habe mehrere hunterttausend Euro für Anwalt und Steuerberater bezahlt"
Wien (OTS) - Im Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH
(Sonntagsausgabe) nimmt Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser
ausführlich zu den Verfahren, die gegen ihn laufen, Stellung: "Es ist
jetzt über zwei Jahre - exakt 25 Monate - her, dass man gegen mich
Ermittlungen führt. Ich werde also bereits seit zwei Jahren politisch
verfolgt. Es gibt keinen einzigen Hinweis, dass ich mir etwas
Illegales zuschulden kommen ließ."
Grasser ortet ein "politisches Komplott" hinter den Verfahren:
"Mit der Zielsetzung, mich zu vernichten. Deshalb bin ich auf der
einen Seite natürlich verbittert und enttäuscht über Polizei und
Justiz, die bei diesem grausamen Spiel mitspielen. Auf der anderen
Seite weiß ich aber, dass ich ein reines Gewissen habe und dass ich
nichts Unrechtes getan habe. Und deshalb fordere ich jetzt von der
Staatsanwaltschaft Obejektivität und Fairness. Wenn sich in 25
Monaten kein einziger Beweis für eine Anklage findet, dann ist ein
Verfahren in jeder westlichen Demokratie und in jedem Rechtsstaat
einzustellen."
Grasser in ÖSTERREICH: "Wenn Sie zwei Jahre verfolgt werden und
Sie wissen hundertprozentig, dass Sie unschuldig sind - dann treibt
Sie das irgendwie in den Wahnsinn. Dann kommt der Tag, wo Sie
verzweifeln, weil Sie nichts gegen diese Staats-Maschinerie tun
können. Das ist definitiv eine politische Verfolgung, bei der man mir
um jeden Preis etwas anhängen will, um mich fertigzumachen und damit
die Ära Schüssel zu diskreditieren."
Schwere Anschuldigungen erhebt Grasser in ÖSTERREICH gegen den
Belastungszeugen Michael Ramprecht: "Das ganze Verfahren beruht nur
auf der Zeugenaussage eines nachweislich psychisch labilen Ramprecht,
der sich offensichtlich rächen will, weil ich seinen Job nicht
verlängert habe. Ich bin mir ja mittlerweile fast sicher, dass die
Polizei die bei ihm gefundenen Tonbänder deshalb nicht auswertet,
weil sie beweisen würden, dass dieser Mensch dringend psychische
Hilfe benötigen würde."
Die Causa beschäftige ihn mittlerweile rund um die Uhr, so
Grasser: "Der Schaden, der mir zugefügt wird, sowohl finanziell als
zeitlich, ist unfassbar. Meine Causa ist ein Musterbeispiel für die
klassische Vorverurteilung, für den klassischen Rufmord - wie
schneidet man mir meine Ehre ab, wie zerstört man meine Reputation,
wie vernichtet man mich", so Grasser in ÖSTERREICH.
Auch finanziell haben die Verfahren Grasser bisher ein Vermögen
gekostet: "Müsste ich meinen Anwalt und meine Steuerberater nach
Tarif zahlen, wären es wohl über 2 Millionen. Selbst pauschaliert
habe ich bisher mehrere 100.000 Euro aufbringen müssen. Allein das
kopieren meiner Akten hat einige Tausend Euro gekostet - 1,10 Euro
zahlt man bei Gericht pro Seite.
Beruflich sei er durch das Verfahren ruiniert: "Glauben sie, dass
mir irgendwer in diesem Land bei dieser Hexenjagd einen Job gibt?
Jeder Kunde, für den ich einen Auftrag mache, wird von der Finanz
hinterfragt. Es ist eine extrem schwierige Situation, ich muss sehen,
dass ich im Ausland Aufträge bekomme, aber auch das ist schwierig,
wenn du täglich in der Zeitung stehst."
Ein Comeback in der Politik schließt Grasser im
ÖSTERREICH-Interview aus: "Nein, jeder hat seine Zeit, ich hatte
meine Chance - jetzt habe ich nur mehr ein Ziel: Mein Verfahren zu
beenden, weiterhin das Glück mit meiner Frau und meiner Familie zu
genießen und dann neu anzufangen."
Rückfragehinweis:
ÖSTERREICH, Chefredaktion
Tel.: (01) 588 11 / 1010
mailto:[email protected]
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