Experten sehen Stolpersteine auf dem Weg zum digitalen Gesundheitswesen - BILD
Emotionale Diskussionen über Umgang mit Gesundheitsdaten verunsichern Bevölkerung - Aufklärung notwendig - Pilotprojekte zeigen Potenzial von E-Health und Co.
BILD zu OTS - www.apa-fotoservice.at/galerie/2553/ Im Bild v.l.n.r. Christian Müller (Moderator, APA-Austria Presse Agentur), Manfred Pigl (HP Österreich), Günter Schreier (AIT Austrian Institute of Technology), Johannes Juranek (CMS), Manfred Moormann (A1) und Martin Resel (NextiraOne)
Wien (OTS) - Informationstechnologie erleichtert viele
Arbeitsabläufe im Gesundheitswesen und hilft gleichzeitig die
Sicherheit der Patienten zu erhöhen. Allerdings ist noch
Aufklärungsarbeit zu leisten, weil beim Thema Gesundheitsdaten viele
Emotionen im Spiel sind, erklärten Experten bei einer
Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern,
Donnerstagabend, in Wien. Aktuelles Beispiel dafür ist die Debatte um
den elektronischen Gesundheitsakt (ELGA).
"IKT erleichtert schon heute das Leben der Verwaltung, morgen
vielleicht das der Patienten. Die Verbindung zum Patienten wurde noch
nicht umfassend hergestellt", sagte Günter Schreier vom AIT Austrian
Institute of Technology. Notwendig dafür sei eine enge Zusammenarbeit
von Industrie und Medizin.
Spannende Pilotprojekte gebe es beispielsweise im Bereich Mobile
Health. Dabei gehe es aber nicht um einen Ersatz von Arzt-Besuchen,
sondern um eine Ergänzung. So könnten Patienten ihre aktuellen
Gesundheitsdaten zwischen den Terminen in der Ordination direkt an
die Mediziner schicken. Allerdings dürfe das nicht dazu führen, dass
die Ärzte unter der Datenflut begraben werden.
Als Herausforderung sieht der Experte, dass bei denen, die
medizinische Versorgung am meisten brauchen, die Kompetenz E-Health
zu nutzen am geringsten sei. Weitere Hindernisse würden die strengen
Regularien im Gesundheitswesen - etwa Medizinproduktegesetz,
Datenschutzgesetz, Gesundheitstelematikgesetz - darstellen. Was das
Thema Datenschutz betreffe, "können wir nicht alle Gefahren
verhindern, schließlich hat auch der 'Wirkstoff Information'
Nebenwirkungen, so Schreier.
"Datenschutz darf nicht dazu benutzt werden, um wichtige
Erleichterungen für alle zu verhindern", forderte Manfred Moormann
von der A1 Telekom Austria. Auch rund um die Einführung der E-Card
habe es emotionale Diskussionen gegeben. Zwar existiere kein absolut
sicheres technisches System, wenn aktuell "Zettel per Fax hin und her
geschickt" würden, sei es aber nicht besonders schwierig, die
Sicherheit zu verbessern.
ELGA ist "kein Allheilmittel"
Im Gesundheitswesen wären Reformen mindestens genauso wichtig wie
im Bildungsbereich. Die elektronische Gesundheitsakte beispielsweise
sei kein Allheilmittel, es dürfe aber auch nicht alles verteufelt
werden. "Schließlich ist in Österreich keine zentrale Datenbank
geplant oder auch nur angedacht. Außerdem wird die Strafandrohung
erhöht und das System zeigt, wer wann auf was zugreifen wollte",
sagte Moormann.
"Die Ängste der Bevölkerung wegen der Gesundheitsdaten sind
Urängste. Hier ist unglaublich viel Aufklärungsarbeit über die
bestehenden Sicherheitsmechanismen und das hohe Datenschutzniveau in
Österreich notwendig", meinte auch Johannes Juranek von CMS
Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte.
Medizinische Daten würden als "sensible Daten" beispielsweise
einen ganz besonderen Schutz genießen. Bei einer Verlagerung ins
Ausland - Stichwort Cloud-Dienste - bedürfe es einer Genehmigung der
Behörde. Sein Appell an die Politik: "Das Individuum muss - etwa bei
ELGA - die Freiheit haben zu entscheiden, ob man da mitmachen will
oder nicht. Sprich: Es muss ein Opt-out geben."
"Daten können so sicher gemacht werden, dass man ruhig schlafen
kann", gab sich Manfred Pigl von Hewlett Packard (HP) Österreich
überzeugt. Das ELGA-System sei beispielsweise eher ein Telefonbuch,
das hinzeige, wo die Daten liegen. Außerdem werde sichtbar gemacht,
wer welche Daten abgerufen hat. Informationstechnologie könne in
Zukunft wesentlich dazu beitragen, Dienstleistungen im
Gesundheitsbereich in besserer Qualität, aber auch kostengünstiger zu
erbringen und Abläufe zu vereinfachen. Der Druck für diese Projekte
müsse aber aus der Gesellschaft selbst kommen.
"Technisch wäre schon viel machbar. Die Umsetzung und Einführung
von Innovationen ist derzeit aber noch eher zögerlich", verwies
Martin Resel von NextiraOne auf "intelligente Krankenhausbetten",
moderne Infotainmentsysteme und Videokonferenzsysteme zur globalen
Expertenabstimmung. Vorreiter seien hier die Privatspitäler, obwohl
eine Finanzierung über maßgeschneiderte Abrechensysteme oder durch
Optimierung in der Verwaltung vorgenommen werden könnte. Er
befürchtet, dass auch die IT "auf dem Weg zur Zwei-Klassen-Medizin"
ist.
Die Plattform
Soziale Netzwerke, mobiles Marketing und Software als
Dienstleistung: Die IT-Welt dreht sich immer schneller. Die seit 2001
existierende E-Business-Community (EBC) hat es sich daher zur Aufgabe
gemacht, Wissen über aktuelle Themen aus der Branche zu vermitteln
und Geschäftskontakte zu erleichtern.
Veranstaltet von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen
Content und redaktionelles Outsourcing, bildet die EBC ein
schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business. Monatliche
Veranstaltungen, bei denen sowohl Impulsreferate als auch
Fachvorträge und Podiumsdiskussionen Platz haben, bilden die ideale
Plattform für Erfahrungs- und Meinungsaustausch.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- A1 www.a1.net
- CELLULAR GmbH www.cellular.at
- CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte GmbH www.cms-rrh.com
- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc
- economyaustria http://economyaustria.at
- Ericsson Austria www.ericsson.com
- Evolaris next level GmbH www.evolaris.net
- Hewlett-Packard www.hp.com/at
- Kapsch www.kapsch.net
- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria
- NAVAX Consulting GmbH www.navax.at
- NextiraOne www.nextiraone.at
- SAP Österreich GmbH www.sap.at
- WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at
- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at
- APA-MultiMedia http://multimedia.apa.at
Weitere Bilder unter:
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Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
ebc@apa.at
Web: http://ebc.apa.at
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- www.a1.net
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- www.cms-rrh.com
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- www.hp.com/at
- www.kapsch.net
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