- 25.11.2011, 11:27:52
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Seniorenbund: Aussagen der der ÖGB-Frauenvorsitzenden sind Alters- und Frauendiskriminierung zugleich!
OECD hat mehrfach bestätigt: Beschäftigungsquoten von Jungen und Älteren hängen nicht zusammen!
Wien (OTS) - Auf die Aussagen von ÖGB-Frauenvorsitzender Brigitte
Ruprecht im Interview mit dem Online-Standard antworten heute,
Freitag, die Frauen im Bundesvorstand des Österreichischen
Seniorenbundes mit deutlichen - vor allem jedoch qualifizierten -
Gegenargumenten:
Korosec: "Ältere nehmen Jüngeren keine Jobs weg! Fragen Sie in der
OECD nach!"
"Die Aussagen der ÖGB-Frauenvorsitzenden sind
Altersdiskriminierung der schlimmsten Art! Zu sagen, die älteren
Frauen sollten sich in die - niedrig dotierte Pension -
verabschieden, damit die Jungen einen Platz hätten, ist an
Bösartigkeit nicht zu überbieten. Und es ist vor allem fachlich
falsch, von der OECD deutlich widerlegt", erklärt LAbg. Ingrid
Korosec, Bundesobmann-Stellvertreterin des Österreichischen
Seniorenbundes und Landesvorsitzende des Wiener Seniorenbundes, die
dazu gerne das Originalzitat von OECD-Expertin Monika Queisser
vorlegt, welches diese im Zuge der Pensionsstudie "Pensions at a
glance 2011" vorbrachte:
"Zeit sei es außerdem, mit dem Vorurteil aufzuräumen, Ältere
nähmen Jüngeren den Arbeitsplatz weg: 'Der häufig beschworene
Zielkonflikt zwischen der Anstellung jüngerer und älterer Menschen
existiert nicht', sagte Queisser. 'Ganz im Gegenteil, unsere
Statistiken zeigen, dass eine positive Beziehung zwischen den
Einstellungszahlen der unterschiedlichen Generationen herrscht. Mit
anderen Worten: Länder, die ältere Menschen erfolgreich in den
Arbeitsmarkt integrieren, schaffen das in der Regel auch bei
jüngeren.'"
"OECD-Studien nimmt die Gewerkschaft offensichtlich nur dann zur
Kenntnis, wenn die Ergebnisse ins eigene Konzept passen. Das erklärt
wohl auch, warum so viele Zwangspensionierte, die sich an uns wenden,
berichten dass sie von ihren Betriebsräten keinerlei Unterstützung
erfahren würden. Die aktuelle Regelung verkürzt die Karrierechancen
der Frauen, die oftmals schon Mitte 40 von Weiterbildungsmaßnahmen
und Beförderungsangeboten ausgeschlossen werden. So kann sich die
Einkommensschere nicht schließen", stellt Korosec zudem fest.
Aubauer: "Arbeitslose 50plus darf man nicht im Stich lassen"
"Wenn die ÖGB-Frauen sagen, sie wollten keine frühere Anhebung der
Frauenpensionsalter, weil es viele arbeitslose Frauen 50plus gäbe, so
muss man die Frage stellen: Was bitte hilft es diesen Frauen, wenn
man das Antrittsalter gleich lässt - kriegen sie deshalb plötzlich
einen Job? Und warum sollen jene zwei Drittel, die sehr wohl in
Beschäftigung stehen nicht profitieren dürfen? Ja, es gibt zu viele
Arbeitslose 50plus - und zwar Männer und Frauen. Denen kann aber nur
ein "Beschäftigungspaket 50plus" helfen, dessen Einführung wir seit
einem Jahr vergebens einfordern", erklärt Mag. Gertrude Aubauer,
Bundesobmann-Stellvertreterin des Österreichischen Seniorenbundes und
ÖVP-Seniorensprecherin.
"Noch absurder ist dann die Behauptung, jeder könne nach Erreichen
des gesetzlichen Antrittsalters gerne weiterarbeiten, niemand hindere
die Menschen daran, es gäbe keine Zwangspensionierungen. Die Wahrheit
ist, dass die meisten Menschen - gleich ob Frauen oder Männer -
spätestens mit Erreichen des gesetzlichen Antrittsalters vor die Wahl
gestellt werden: Pension oder Kündigung. Frauen trifft dies
logischerweise fünf Jahre früher als ihre männlichen Kollegen - und
genau das führt zu massiven finanziellen Einbußen. Immer mehr
Betroffene versuchen, sich dagegen zu wehren", so Aubauer, die dazu
ergänzt: "Freilich wenden sich dann eher höher Gebildete an die
Arbeits- und Sozialgerichte. Das heißt aber nicht dass nur
'Privilegierte' von den Zwangspensionierungen betroffen sind!"
Flemming: "Aktuelles EuGH-Urteil ist Herausforderung für Österreichs
Sozialgesetze"
Die Juristin und Europabeauftragte des Österreichischen
Seniorenbundes und Vizepräsidentin der Europäischen Seniorenunion,
MEP und BMa.D. Dr. Marilies Flemming verweist auf einen weiteren
entscheidenden Aspekt in dieser Debatte:
"Der Europäische Gerichtshof hat in seinem Urteil vom 20. Oktober
(EuGH 20. 10. 2011, C-123/10, Brachner) eine richtungsweisende
Entscheidung getroffen. Dass nämlich im Zuge gesetzlicher Regelungen
auch bedacht werden muss, ob davon wesentlich mehr Frauen als Männer
betroffen sind. Das bringt uns jetzt bei fast allen
Pensionsneuregelungen unter Zugzwang. Denn solange die
unterschiedlichen Antrittsalter für Frauen und Männer gelten entsteht
bei vielen Neuregelungen regelmäßig eine Schieflage. Zuletzt bei den
Änderungen zur so genannten Hacklerregelung, bei der nun einige
Frauenjahrgänge ausgeschlossen sein werden, weil ihr gesetzliches
Antrittsalter gleich hoch sein wird wie das dann neu geltende
Hacklerpensions-Antrittsalter. Wenn wir nicht ein jährliches Debakel
vor dem EuGH erleben wollen, werden wir strukturiert handeln müssen -
also auch das Frauenpensionsalter schrittweise früher angleichen!"
Der entsprechende Satz aus dem EuGH-Urteil im Wortlaut: "Nach
ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs liegt eine mittelbare
Diskriminierung vor, wenn eine nationale Maßnahme zwar neutral
formuliert ist, in ihrer Anwendung aber wesentlich mehr Frauen als
Männer benachteiligt (vgl. u. a. Urteil vom 16. Juli 2009,
Gómez-Limón Sánchez-Camacho, C-537/07, Slg. 2009, I-6525, Randnr. 54
und die dort angeführte Rechtsprechung)."
Seniorenbund: "Aktuelle Debatte hat nichts mit Schuldenbremse,
sondern vielmehr mit Chancenverbesserung der Frauen zu tun!"
Abschließend halten die drei Seniorenpolitikerinnen fest:
"Im Seniorenbund wird die Debatte um einen früheren Beginn dieser
Angleichungen seit Jahren geführt. Ausgelöst wurde diese Diskussion
von der stark steigenden Zahl an Beschwerden durch unsere Mitglieder,
von denen deutlich mehr als die Mehrheit Frauen sind. Uns geht es
hier nicht um Sparpotentiale aufgrund der Schuldenbremse, sondern
darum, dass Frauen länger arbeiten können und dürfen!"
"Und wir haben von Anfang an eine bessere Anrechnung der
Kindererziehungszeiten auf die Pension in diese Forderung inkludiert.
Wer für jedes Kind vier Jahre anrechnet, bietet einen fairen
finanziellen Ausgleich für die freilich bestehende Mehrbelastung. Und
eines ist klar: Nur weil man das Antrittsalter gleich lässt, wird
keine Frau fairer bezahlt, keine Frau entlastet und besser
unterstützt. Diese Themen sind durch aktive Frauenpolitik in diesen
Bereichen zu lösen - das niedrigere Pensionsalter ist dazu nicht
geeignet und bietet sogar nennenswerte finanzielle Nachteile.
Zumindest 10 Prozent weniger Pension, wie zuletzt von PVA-Pinggera im
PROFIL angeführt", stellen Korosec, Aubauer und Flemming abschließend
klar.
Rückfragehinweis:
Österreichischer Seniorenbund, stv. GS Susanne Walpitscheker
Tel.: 0650-581-78-82; mailto:[email protected]
www.seniorenbund.at
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