- 24.11.2011, 10:00:54
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Tschad-Einsatz war Schub und Motor für Veränderungen im Bundesheer
Sicherheit für unsere Soldaten hat immer oberste Priorität
Wien (OTS/BMLVS) - 48 Jahre nach der bis dahin letzten
Afrika-Mission im Kongo (1960) stellte der UNO-Friedenseinsatz der
Europäischen Union im Tschad (2008 bis 2010) das Österreichische
Bundesheer vor völlig neue Herausforderungen in einem bis dahin
unbekannten Einsatzspektrum. Bestmögliche Rahmenbedingungen und
höchstmögliche Sicherheit der Soldaten hatten daher oberste
Priorität bei der Einsatzplanung. Alle Beschaffungen im Zuge des
Einsatzes wurden ausschließlich unter dem Aspekt der Sicherheit
unserer Soldatinnen und Soldaten durchgeführt. Durch professionelle
Vorbereitung und Durchführung verlief die Mission für das Bundesheer
erfolgreich. Der Tschad-Einsatz brachte wichtige Erfahrung, hohe
internationale Reputation und wesentliche Verbesserungen für künftige
Einsätze.
Selbst der Rechnungshof (RH) stellt in seinem aktuellen Prüfbericht
fest, dass "die Aufgabenerfüllung der österreichischen Truppen
international anerkannt wurde." Darüber hinaus hat der RH bestätigt,
dass "durch die rasche Einleitung von Planungen die
Einsatzbereitschaft zeitgerecht vorgelegen ist".
Verbesserungen für künftige Einsätze
"Der Tschad- Einsatz brachte für das Bundesheer eine wesentliche
Verbesserung für zukünftige Einsätze. Er war der Motor und Anlass für
viele Beschaffungen, die auch für kommende Einsätze verwendet
werden", sagt der Leiter der Einsatzsektion im BMLVS, Generalleutnant
Christian Segur-Cabanac. Viele Anmerkungen des RH seien dabei längst
eingeflossen bzw. wurden oder werden umgesetzt, so Segur. Dies
betrifft z.B.
den Ankauf eines Flugrettungscontainer für die C130,
die systematische Auswertung aller Einsatzerkenntnisse,
ein Kalkulationsmodell für Auslandseinsätze,
die Vollkostenrechnung für Auslandseinsätze mittels SAP,
Kooperationen mit zivilen Gesundheitseinrichtungen für die Ausbildung
des Sanitätspersonals,
die Regierungsvorlage, mit der die Rechtsgrundlagen im
Auslandseinsatzgesetz verankert werden, oder
der Beitritt zum "Movement Coordination Center Europe", der
kostengünstige Transport-Ressourcen anderer Mitgliedsländer u.a. zur
Luft und See nützt
Alle Beschaffungen für die Sicherheit der Soldaten
"Alle Beschaffungen für den Tschad-Einsatz sind unter dem
ausschließlichen Aspekt der Sicherheit unserer Soldaten zu
beurteilen", so Generalleutnant Segur. Wie in vielen anderen
europäischen Staaten auch wird bei derartigen dringenden
Beschaffungen auf die bestehenden Ausnahmeregelungen für die
"Dringende Einsatzbeschaffung" zurückgegriffen.
So können nun z.B. getätigte Investitionen und Adaptierungen an
Hubschraubern und Flugzeugen auch für zukünftige Einsätze genutzt
werden. Das Bundesheer entwickelte, konstruierte und baute das Modell
des PUCH G "Sandviper". Durch den Fahrzeughersteller wurden
kostengünstig lediglich geringfügige Änderungen am Fahrgestell
vorgenommen. Ein Fahrzeug für die Wüste war im Bundesheer vor dem
Einsatz nicht verfügbar und musste daher für die Sicherheit unserer
Soldaten adaptiert werden.
Der Einsatz erforderte z.B. auch den raschen Ankauf von
"wüstentauglichen" Notebooks, um einerseits die internationalen
Bestimmungen der Geheimhaltung einhalten zu können und anderseits
auch bei extremen Temperaturunterschieden, Staub und Hitze
funktionierende Geräte zur Verfügung zu haben. Die Geräte waren
bereits vor dem Einsatz in der Beschaffungsplanung und wurden nur in
einem beschleunigten Verfahren vorgezogen.
Der RH bemängelt auch die Höhe der Transportkosten und hat die
Verwendung alternativer Transportvarianten (Bahn-, Schiff- und
Straße) vorgeschlagen. In diesem Fall hätte der Transport in den
Einsatzraum aber zwei (!) Monate gedauert.
"Eine spätere Beurteilung eines militärischen Einsatzes
ausschließlich nach Buchhalterkriterien übersieht den Aspekt der
Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten, der für uns absolut im
Vordergrund steht", sagt Generalleutnant Christian Segur-Cabanac.
Viele RH-Empfehlungen bereits umgesetzt
Darüber hinaus wurden viele brauchbare Empfehlungen des RH bereits
eingeleitet bzw. längst umgesetzt. Dazu zählt u.a. die Schaffung der
Rahmenbedingungen für die medizinische Versorgung auf internationaler
Ebene, die Teil des neuen "Sanitätskonzepts 2013 des Bundesheeres"
wird. Das Konzept "Lessons Learned und Einsatzerfahrungen" ist in
Bearbeitung. Das Konzept bildet die Grundlage für den Aufbau und die
Entwicklung einer "Lessons Learned-Fähigkeit" im Bundesheer, welche
sich im Einklang mit den in der NATO und der EU angewandten Prozessen
befindet.
Mit der möglichen Ursache der Fehlbestände, insbesondere im Bereich
der Munition, beschäftigt sich nun die Disziplinarabteilung.
"Der Erfahrungsgewinn unserer Soldaten und die internationale
Reputation haben den Tschad-Einsatz zum Erfolg gemacht. Und vor allem
ist festzuhalten, dass alle Soldaten wieder gesund nach Österreich
zurückgekommen sind. Dies ist wohl das beste Zeugnis für die
einsatztaugliche Ausrüstung und Ausbildung", so Segur abschließend.
Der RH wurde gebeten, sensible Daten, die die Sicherheit unserer
Soldaten bei künftigen Einsätzen gefährden könnten, nicht zu
veröffentlichen. Aus völlig unverständlichen Gründen hat der RH
dennoch auf einer Veröffentlichung bestanden.
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport
Kommunikation / Presse
Tel.: +43 664-622-2919
mailto:[email protected]
http://www.bundesheer.at
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