Wr. Gemeinderat - SP-Reindl: "Stadt Wien stellt sich ihrer Verantwortung"
Wien (OTS/SPW-K) - "Nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im
ehemaligen Kinderheim Wilhelminenberg hat die Stadt Wien - konkret
die Geschäftsgruppe Bildung, Jugend, Information und Sport unter
Stadtrat Christian Oxonitsch - sofort gehandelt. Bereits am 17.
August 2010 wurden der Wiener Staatsanwaltschaft 72 Fälle zur
strafrechtlichen Prüfung übergeben", erklärte SP-Gemeinderat Thomas
Reindl im Rahmen der gestrigen Budgetdebatte im Wiener Gemeinderat.
Leider wurde in vielen Fällen das Ermittlungsverfahren aufgrund der
Verjährung eingestellt. "Daher stelle ich mit den GemeinderätInnen
Heinz Vettermann, Christian Meidlinger, Barbara Novak, Christoph
Peschek, Sybille Straubinger, Tanja Wehsely, Jürgen Wutzlhofer sowie
den Grünen-Gemeinderätinnen Birgit Hebein und Martina Wurzer einen
Antrag, in dem der Wiener Gemeinderat aufgefordert wird eine Enquete
zu ermöglichen bei der ExpertInnen aus der Forensik- und
Traumaforschung einen Diskurs über die neuesten Erkenntnisse und die
möglichen Konsequenzen der Abschaffung von Verjährungsfristen für die
Opfer führen", erklärte Reindl.
Die Stadt Wien drücke sich nicht vor ihrer Verantwortung, sondern
habe die rasche und lückenlose Untersuchung aller Fälle von
Missbrauch in Kinderheimen angeordnet. Dazu sei eine
Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte der
Heimerziehung sowie eine ExpertInnenkommission unter Leitung der
Richterin Barbara Helige zur Untersuchung der Ereignisse im
Kinderheim Wilhelminenberg eingesetzt worden. "Wien hat auch als
erstes Bundesland mit dem Weißen Ring eine unabhängige Institution
mit der psychologischen Betreuung und der Abwicklung finanziellen
Entschädigungszahlungen betraut", betonte der Gemeinderat.
Bis heute habe der Weiße Ring rund 800 Fälle geprüft, in rund der
Hälfte der Fälle habe die Stadt Wien Entschädigungszahlungen
geleistet. "Das wird die Stadt Wien auch weiterhin - leider lässt
diese Verantwortung in den konservativ regierten Bundesländern auf
sich warten", bedauerte Reindl.
Wien habe durch die Reform "Heim 2000" die großen Heime aufgelassen
und in kleine Einrichtungen - Sozialpädagogische Wohngemeinschaften -
umgewandelt. "Dieses Konzept geht weg von den ungünstigen Strukturen
von Heimen und hin zu Offenheit und Transparenz. In der Wiener
Jugendwohlfahrt bestehen schon heute hohe Standards - sowohl
betreffend die Ausbildung der SozialpädagogInnen als auch betreffend
die Vorgangsweise bei Verdacht auf Missbrauch oder Gewalt gegen
Kinder und Jugendliche. Trotz fordern wir den Wiener Gemeinderat in
einem zweiten Beschluss- und Resolutionsantrag auf, alle Maßnahmen zu
unterstützen, die den Stellenwert von Gewaltschutz und
Missbrauchsprävention in der Aus- und Weiterbildung der
MitarbeiterInnen der Wiener Jugendwohlfahrt fördern, die dazu dienen
die UN-Konvention über die Rechte von Kindern im Bundes Kinder- und
Jugendhilfe-Gesetz zu verankern und die zur Schaffung einer
Anlaufstelle für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche bei der
Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft führen", betonte Reindl.
Gewaltschutz und Missbrauchsprävention seien tragende Prinzipien in
den fachlichen Standards der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik der
MA 11. "Die MA 11 ist eine der wichtigsten Einrichtungen der Stadt
Wien. Das wird deutlich, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass
alleine im vergangenen Jahr rund 10.000 vermutete Gefährdungen von
Kindern gemeldet und umgehend untersucht worden. Der hohe
Unterstützungs- und Beratungsbedarf zeigt sich auch anhand der rund
4.700 Exekutionen, bei denen die neun regionalen Rechtsvertretungen
der MA11 Kindern und Müttern bei der Durchsetzung ihres
Unterhaltsanspruches zur Seite stand", so Reindl.
Um speziell Jugendlichen in schwierigen Situationen ein adäquates
Hilfs- und Betreuungsangebot bieten zu können, wurden in den
vergangenen Jahren eine Reihe an Maßnahmen gesetzt. "Dazu zählen etwa
die rund 980 sozialpädagogischen Betreuungsplätze oder die
Wohneinheiten mit rund 670 Jugendwohnplätzen. Diese wichtigen
Angebote werden laufend ausgebaut - so bietet Wien seit 1. März 2011
eine sozialpsychiatrische WG für Minderjährige, in der Kinder und
Jugendliche mit massiven Störungen des sozialen Verhaltens betreut
werden", informierte Reindl, der für 2012 einen weiteren Ausbau des
Angebots an sozialpädagogischen Wohngemeinschaften ankündigt.
Aber auch im Bereich Sport sei die Stadt Wien alles andere als
untätig: "Das innovative Sportmanagement und die Unterstützung der
Wiener Sportvereine durch die Stadt gehen auch im kommenden Jahr
weiter. Dazu zählt die richtungsweisende Entscheidung, die 60
Kunstrasenplätze der Stadt einmal im Jahr in Stand zu setzen ebenso
wie die Generalsanierung des Ruderzentrums, die Unterstützung bei der
neuen Eishalle der Vienna Capitals oder die Errichtung einer
weltcuptauglichen Wildwasserstrecke", betonte Reindl. Dass die
Maßnahmen greifen, zeige sich daran, dass Wien immer öfter
Austragungsort internationaler Sportevents wie beispielsweise der
American Football-WM sei. Daneben bleibe die Förderung von
Nachwuchssportlern auch 2012 ein wichtiger Schwerpunkt. (Schluss) lok
Presse
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