• 20.11.2011, 05:34:31
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ÖSTERREICH-Interview: "Occupy"-Heldin stammt aus Graz

Widerstand gegen Gierbanker in den USA - Pensionierte Lehrerin aus Österreich ist das "Gesicht" der Bewegung

Wien, New York (OTS) - Bei der Räumung eines "Occupy"-Camps in
Seattle wurde Dorli Rainey von der Polizei mit Tränengas attackiert -
das Foto der 84-jährigen Demonstrantin ging um die Welt. Im Interview
mit der Tageszeitung ÖSTERREICH erzählt Dorli Rainy nun ihre
Lebensgeschichte. Sie wurde in Graz geboren, 1956 wanderte sie in die
USA aus.

Die Grazerin ist das Gesicht der Protestwelle, die am 17.
September an der Wall Street begann. Ihr Leben lang hat sich die
Dreifachmutter engagiert, gegen den Vietnamkrieg, Nuklearrüstung, den
Irakkrieg - zuletzt Occupy. Neunmal wurde sie bereits verhaftet.

ÖSTERREICH: Sie sind in Österreich aufgewachsen, was sind ihre
Erinnerungen
RAINEY: Ich wuchs auf als Kind unter den Nazis, ich musste das
Gymnasium aufgeben, in den Arbeitsdienst, erlebte die Kriegswirren,
erfuhr über die Gräuel. Deshalb bin ich auch so sensibel gegenüber
jeglicher Form des Totalitarismus. Ich erlebe jetzt hier in den USA,
wie die Medienlandschaft schrumpft, sie das Internet regulieren
wollen. Reporter werden verhaftet. Das erinnert mich an meine Jugend,
als es nur eine einzige Zeitung gab: Den "Völkischen Beobachter!"
ÖSTERREICH: Wie erleben Sie Amerika heute?
RAINEY: So schlimm wie noch nie in den 55 Jahren, in denen ich
hier lebe. Die Kluft zwischen arm und reich wächst rapide, die
Repression durch die Staatsgewalt ebenso, das politische System ist
korrumpiert. Dazu führen wir Kriege in aller Welt. Ich war zuletzt
1995 in Österreich, ich liebe das Land, auch wenn es mir immer noch
zu bürokratisch ist. Doch Amerika ist zurzeit völlig kaputt.
ÖSTERREICH: Möchten Sie nach Österreich zurück?
RAINEY: Ich habe mich vor Wochen über eine
Doppelstaatsbürgerschaft erkundigt. Das Konsulat teilte mir mit, dass
ich dafür besonderes leisten müsste - so wie Arnold Schwarzenegger.
So was verrücktes: Der ist für mich ja die lächerlichste Figur in der
Welt.
ÖSTERREICH: Wie sehen Sie Occupy?
RAINEY: Das ist die beste Bewegung, für die ich mich jemals
engagierte. Sie umfasst alle Schichten der Bevölkerung, alle
ethnischen Gruppen, jeden Bildungsgrad. Es ist die breiteste
Bewegung, die wir jemals sahen. Die Leute haben genug von der
Ungerechtigkeit.
ÖSTERREICH: Wie erklären Sie sich die Polizeibrutalität?
RAINEY: Sie sind nur Werkzeuge. Die Mächtigen haben Angst. Die
wollen uns stoppen und das um jeden Preis.

Rückfragehinweis:
ÖSTERREICH, Chefredaktion
Tel.: (01) 588 11 / 1010
mailto:[email protected]

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