• 16.11.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Bank Austria: Nicht nur die Mamma ist schuld - von Christian Kreuzer

Die Bank Austria sitzt auf vielen hausgemachten Problemen

Wien (OTS) - Für die Bank Austria geht es nun Schlag auf Schlag.
Nur ein Monat, nachdem die Ratingagentur Moody's die Bewertung der
Bank gesenkt hatte, stellt sie das Rating erneut auf den Prüfstand.
Die einst größte Bank des Landes bekommt den scharfen Wind aus der
Heimat der Mutter UniCredit zu spüren. Sicher, auch die Abschwächung
der Volkswirtschaften in Osteuropa lasten auf dem Institut, aber
derzeit steht ganz klar die Belastung durch die Mutter an vorderster
Stelle. Wird Italien von den Agenturen zurückgestuft, trifft dies
automatisch auch die Bank Austria, denn das Rating einer Bank kann
nie höher sein als das jenes Landes, das die Konzernmutter
beheimatet. Und das hat direkte Konsequenzen für die
Österreich-Tochter: Die Refinanzierung wird bei jedem Downgrade
teurer. Stünde die Bank ohne die italienische Mutter also besser da?
Auf den ersten Blick ja, denn nicht nur das Rating wäre
wahrscheinlich höher, auch die Eigenkapitalausstattung ist deutlich
besser als jene der UniCredit. Nach dem dritten Quartal weist die
Österreich-Tochter eine harte Kernkapitalquote von mehr als zehn
Prozent aus und braucht daher kein zusätzliches Kapital, um die neuen
Erfordernisse zu erfüllen. Die UniCredit dagegen hat eine Quote von
unter neun Prozent und braucht dringend neues Geld. Ohne die Bank
Austria sähe die Eigenkapitalposition noch schlechter aus, wenngleich
man sagen muss, dass die Tochter vor zwei Jahren eine Kapitalspritze
im Ausmaß von zwei Milliarden Euro bekommen hat. Ohne diese Hilfe aus
Mailand hätte sich die Bank Austria auch um staatliche Hilfe
anstellen müssen.

Man darf aber nicht vergessen, dass die Bank Austria auch auf
zahlreichen hausgemachten Problemen sitzt. Niemand hat die Bank
Austria gezwungen, griechische Staatsanleihen im Wert von einer
halben Milliarde Euro zu kaufen. Die Italiener haben sich da vornehm
zurückgehalten. Niemand hat die Bank Austria genötigt, die
kasachische ATF für 1,6 Milliarden Euro zu übernehmen. Neben den
Millionenverlusten in Kasachstan musste das Management den Firmenwert
um mehr als eine Milliarde Euro abschreiben, was wiederum das
Ergebnis belastete. Dass die Bank Austria nach neuen Monaten heuer
nur mehr 4,5 Millionen Euro verdiente, hat mit Italien oder mit der
UniCredit also wenig zu tun.

Klar ist aber auch, dass sich die Situation für das Institut
verschärfen würde, falls sich die Verfassung Italiens verschlechtern
würde. Auch hier gilt: Mitgehangen, mitgefangen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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