- 16.11.2011, 13:57:45
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Vorstand der NÖ Ärztekammer lehnt ELGA vehement ab
Sollte ELGA wie derzeit geplant zum Einsatz kommen, wird sich die NÖ Ärzteschaft entschieden dagegen wehren
Wien (OTS) - Der Vorstand der NÖ Ärztekammer hat heute einstimmig
die vehemente Ablehnung der elektronischen Gesundheitsakte ELGA
beschlossen. Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer,
sieht damit seine persönliche Haltung gegenüber der elektronischen
Gesundheitsakte ELGA bestätigt: "Die Zeit ist noch nicht reif für
ELGA. Kommt ELGA wie derzeit geplant zum Einsatz, wird sich die NÖ
Ärzteschaft entschieden dagegen wehren." Aus seiner Sicht völlig
ungeklärt ist beispielsweise die Frage der Administration unabhängig
von der Kostenfrage: "Wer wird die Daten in ELGA verwalten? Wer hat
das Know-how und wird entscheiden, was wann unsichtbar geschaltet
wird? Werden irrelevante Daten gelöscht? Wer übernimmt dafür die
Verantwortung und wer tut es?"
Ungeklärt ist auch, wer die enormen durch ELGA entstehenden
Verwaltungskosten in den Ordinationen der Ärztinnen und Ärzten
übernehmen wird. "Sollten Kosten irgendwelcher Art in den
Ordinationen entstehen, müssen diese jedenfalls zur Gänze abgegolten
werden. Aber unabhängig davon: Der Vorstand der NÖ Ärztekammer kann
derzeit auch noch keinerlei vernünftige Kosten-Nutzen-Rechnung für
das Gesundheitssystem erkennen", so Präsident Dr. Reisner.
Es darf keinen Zwang geben, ELGA verwenden zu müssen
Problematisch ist der Datenschutz: "Kein Mensch kann plausibel
erklären, wie persönliche Daten in einem System mit 100.000
Zugriffsberechtigten geschützt werden sollen." Ein weiteres Problem
ist der "technische" Datenschutz: "Wenn das österreichische
ELGA-System so sicher ist, wieso wird es dann nicht vom Pentagon
verwendet? Mir ist kein System bekannt, welches einen 100-prozentigen
Hackerschutz bietet", so Präsident Dr. Reisner weiter.
Freiwilligkeit sowohl für Ärztinnen und Ärzte, aber auch für
Patientinnen und Patienten ist für den niederösterreichischen
Ärztechef ein absolutes Grundrecht: "Wir sind grundsätzlich gegen
einen Zwang, ELGA verwenden zu müssen. Wenn sich ELGA als brauchbar
herausstellt, wird sie auch verwendet werden. Das ist der beste
Indikator für Qualität." Offen ist auch die Frage, warum Ärztinnen
und Ärzte verpflichtet werden sollen, Daten zu liefern, auch wenn der
Patient sich gegen ELGA entschieden hat.
Anpassung der Personalressourcen dringend notwendig
"Solange die elektronische Kommunikation an der Basis noch nicht
gut läuft, macht die bundesweite Vernetzung keinerlei Sinn",
erläutert Präsident Dr. Reisner. "Derzeit funktioniert die
Kommunikation im Bereich der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in
Niederösterreich flächendeckend. Im stationären Bereich gibt es
hingegen Probleme. Unterschiedliche Systeme sind mit dafür
verantwortlich, dass das Datenmanagement etwa bei Entlassungen nicht
funktioniert."
In vielen Krankenhäusern ist es technisch noch nicht einmal
möglich, Dokumente hausintern von einer Abteilung an andere
Abteilungen zu schicken. "Auch die Personalsituation trägt ihren Teil
dazu bei. Unsere Spitalsärztinnen und -ärzte sind derartig
überlastet, dass Entlassungsbriefe teilweise erst Wochen nach der
Entlassung fertig gestellt werden können. Solange daher niemand an
die dringend notwendige Anpassung der Personalressourcen denkt,
brauchen wir kein aufgeblähtes EDV-Projekt zur Sammlung veralteter
Daten."
Bereits vorhandene Strukturen optimieren, dann über
Ergänzungen wie ELGA nachdenken
Wenn die verlässliche, elektronische Zusendung der Befunde und
Arztbriefe unmittelbar nach Entlassung an die Hausärztinnen und
Hausärzte eines Tages einmal funktionieren sollte, kann man aus
seiner Sicht darüber nachdenken, ob und wie man ein Projekt wie ELGA
zweckmäßig einsetzen könnte. "Das Pilotprojekt e-Medikation läuft
derzeit noch, hier sollte die Evaluierung abgewartet werden."
Präsident Dr. Reisner bekräftigt die Meinung des Kammervorstands,
der die Umsetzung der ELGA in der geplanten Form für inakzeptabel
hält und daher ablehnt: "Wir sollten erst die Hausaufgaben machen und
die bereits bestehenden Strukturen im Sinne unserer Patientinnen und
Patienten viel besser nutzen. Danach kann man sich überlegen, ob man
mit Hilfe moderner Informationstechnologie weitere Verbesserungen
erreichen kann", so das Resümee von Präsident Dr. Reisner.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
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