• 16.11.2011, 11:18:59
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Wehsely: Geschlechtsspezifische Barrieren in der Medizin ausgleichen

Konferenz "Fit for Gender?!" morgen im Wiener Rathaus

Wien (OTS) - "Gender als wichtiges Kriterium für Gesundheit kann
bei der Planung von Angeboten im Bereich Gesundheitsförderung,
Prävention und Versorgung nicht mehr ignoriert werden", stellt
Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely anlässlich der
Konferenz "Fit for Gender?!" in Wien fest. Ein Paradigmenwechsel tut
not, nachdem sich Medizin und Forschung jahrhundertelang am
männlichen Normkörper orientiert haben, betont Wehsely: "Es braucht
für eine gendersensible Planung geschlechtspezifisch aufbereitete
Daten, um auf deren Basis die Angebote zu adaptieren, etwa bei der
Gesundheitsförderung und der Prävention von Diabetes, Darmkrebs,
Osteoporose und von Herz-Kreislauferkrankungen."

"Da Frauen europaweit finanziell benachteiligt sind, wirkt sich
dieser Umstand nachhaltig auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden
aus. Betroffen sind etwa Migrantinnen, Alleinerzieherinnen,
Ausgleichszulagenbezieherinnen und Frauen mit Behinderung", sagt die
Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Univ.-Prof.in Beate
Wimmer-Puchinger. Die negativen Auswirkungen sozialer Ungleichheit
auf die Gesundheit wie höhere Krankheitshäufigkeit, psychische
Beschwerden und eine geringere Lebenserwartung betreffen auch
sozioökonomisch benachteiligte Männer und Kinder aus
armutsgefährdeten Mehrkindfamilien. Mit der Konferenz "Fit for
Gender?!" am 17. November, die genderspezifische Chancengleichheit im
Gesundheitssystem thematisiert, setzen die Stadt Wien und die
Medizinische Universität Wien ein gemeinsames Signal für vermehrte
Anstrengungen, um das WHO-Ziel - soziale und geschlechtsspezifische
Barrieren und Ungleichheiten auszugleichen - zu erreichen.

Chancengleichheit schaffen - auf WHO-Ebene und in Wien

Das Thema hat internationale Relevanz, weiß Piroska Östlin, Special
Adviser der WHO Europa. "Die WHO will soziale und
geschlechtsspezifische Barrieren und Ungleichheiten ausgleichen - und
hat sich als Prämisse gesetzt, genderspezifische Ungleichheit in den
europäischen Gesundheitssystemen, aber auch in anderen Sektoren, die
unsere Gesundheit direkt und indirekt beeinflussen, wie Arbeitsmarkt,
Sozialbereich oder Bildung, aufzuzeigen", so Östlin. Für Stadträtin
Sonja Wehsely ist die Richtungsvorgabe der WHO ein Ziel, das auch
Wien durch viele Maßnahmen ansteuert: So hat Wien als einziges
Bundesland bereits seit 1998 ein eigenes Frauengesundheitsprogramm,
der Landessanitätsrat ist mehrheitlich weiblich besetzt und Wien ist
auch führend bei der Besetzung der Primariate mit Frauen. Das
Männergesundheitszentrum MEN - das einzige seiner Art in Österreich -
entwickelt geschlechtsspezifische Gesundheitsförderungsangebote -
nach dem Vorbild der Frauengesundheitszentren. Weiters wurden in den
städtischen Krankenhäusern Opferschutzgruppen zur Früherkennung von
Gewaltopfern eingerichtet. Für Stadträtin Sonja Wehsely kein Grund
sich auszuruhen, denn "den anderen Bundesländern voraus zu sein, ist
auch großer Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen."

Lehrstuhl für Gender-Medizin als Schlüssel zu Chancengleichheit in
Forschung, Prävention und Therapie

"Die Kategorie Geschlecht spielt eine zentrale Rolle für die Ausübung
des Berufes als Ärztin / Arzt . Auch die Interaktion zwischen der
Ärztin/dem Arzt und der Patientin/dem Patienten kann nicht losgelöst
vom Geschlecht der jeweiligen Personen und den damit assoziierten
Geschlechterrollen betrachtet werden", erläutert Univ.-Prof.in Karin
Gutierrez-Lobos, die Vizerektorin Medizinische Universität Wien.
Aufgabe des ersten und bisher auch einzigen Lehrstuhls für Gender
Medizin in Österreich ist die Erforschung von biologischen und
soziokulturellen Unterschieden zwischen Frauen und Männern bei der
Entstehung, Wahrnehmung und Behandlung von Krankheiten und die
Definition von geschlechtsspezifischen Therapieformen. Den Studenten
wird dieses Wissen im Rahmen eines Pflichtcurriculums vermittelt.
Neben dem medizinischen Wissen sollen die Studenten aber auch
hinsichtlich der eigenen Geschlechterrolle, Geschlechterstereotypen
und deren Bedeutung für die Tätigkeit als Arzt oder Ärztin
sensibilisiert werden. "Geschlechtsspezifische Faktoren sollen am
Ende des Studiums gewusst und genutzt werden", sagt Vizerektorin
Gutierrez-Lobos. Als erste österreichische Universität hat die
Medizinische Universität Wien seit Wintersemester 2010 auch einen
postgraduellen Lehrgang zum Thema "Gender Medicine".

"Es ist das Verdienst der Gender-Medizin, das geschlechtsspezifische
Gesundheitsverhalten sowie biologische Voraussetzungen und
körperliche Reaktionen bei Frau und Mann aufzuzeigen. Es ist das
Verdienst des in der Frauenbewegung der 70er Jahre verwurzelten
Bereichs Frauengesundheit, sich gegen die Pathologisierung weiblicher
Lebensphasen zu wehren", sagt Frauengesundheitsbeauftragte Beate
Wimmer-Puchinger. "Es gilt die Ansätze der Gender-Medizin und den
kritischen Blick der Frauengesundheit zusammen zu führen, damit
Tendenzen wie Vermarktung durch die Schönheitschirurgie oder die
Medikalisierung etwa durch die überproportionale Verschreibung von
Antidepressiva an Frauen gebremst werden."

Die Konferenz "Fit for Gender?! - Gesundheitssystem, Prävention und
Gesundheitsförderung aus der Geschlechterperspektive" veranstaltet
von Wiener Programm für Frauengesundheit, Medizinischer Universität
Wien und Wiener Gesundheitsförderung, findet am Donnerstag,
den 17. November2011, von 9-18 Uhr im Festsaal des Wiener Rathauses
statt. Näheres unter: www.frauengesundheit-wien.at/konferenz.

Rückfragehinweis:

Johann Baumgartner
   Mediensprecher StRin Mag.a Sonja Wehsely
   Tel.: 01 4000-81238
   Mobil: 0676 8118 69549
   E-Mail: [email protected] 
   
   Mag.a Alexandra Grasl
   Wiener Programm für Frauengesundheit
   Tel. 01 4000-87 167
   Fax 4000-99-87168
   E-Mail: [email protected]
   Web: www.frauengesundheit-wien.at

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