• 14.11.2011, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Spagat ist schwierig, aber zu schaffen - von Ursula Rischanek

Die Älteren haben die Pensionen der Generation davor bezahlt

Wien (OTS) - Das Feilschen um die Erhöhung der Pensionen für 2012
zeigt wieder einmal die Probleme im Generationenvertrag auf: Immer
weniger Jüngere sorgen für die Pensionen von immer mehr Älteren.
Heute finanzieren 100 Arbeitnehmer im Umlageverfahren die Bezüge von
rund 50 Rentnern, 2040 werden es bereits 84 sein. Dass die
Österreicher immer älter werden, daran ist nicht zu rütteln. Auch
nicht daran, dass der Staat sparen muss. Genauso wenig lässt sich der
Generationenpakt einfach aussetzen.

Dass es angesichts dieser Tatsachen zu Spannungen zwischen Alt und
Jung kommt, ist nicht zu vermeiden. Aber es ist davor zu warnen, zu
einer ideologischen Hetzjagd auf eine der beiden Seiten zu blasen und
den Generationenkonflikt weiter anzuheizen. Die Älteren haben
schließlich bereits die Pensionen der Generation davor bezahlt. Und
mit einer Durchschnittspension von 1411 Euro für Männer und von 836
Euro für Frauen liegen diese noch immer unter dem durchschnittlichen
Einkommen der Berufstätigen.

Nicht zu vergessen: Die Pensionisten sorgen durch ihre Mithilfe bei
der Kinderbetreuung dafür, dass auch die Mütter arbeiten und somit
etwas in den Pensionstopf einzahlen können. Natürlich ist es nicht
gerade rühmlich, dass das durchschnittliche Pensionsantrittsalter nur
mehr bei etwas mehr als 58 Jahren liegt. Aber daran sind nicht immer
nur die Älteren schuld. Viele von ihnen wären arbeitsfähig und
-willig, werden aber von ihren Arbeitgebern in den Ruhestand
verabschiedet, weil sie ihnen zu teuer oder auch zu mühsam sind.

Die Jungen wiederum haben alles Recht der Welt auf eine gute
Ausbildung und gute Jobs. Immerhin sind sie es, die in den nächsten
Jahren für die Pensionen sorgen. Dass es ihnen sauer aufstößt, dass
gerade im Bildungsbereich immer öfter der Rotstift angesetzt wird,
darf nicht verwundern. Und es ist kein Wunder, dass die
Verunsicherung der Jugend zunehmend größer, ihr Vertrauen in das
Pensionssystem erschüttert und der Glaube, selbst einmal eine
ausreichende Pension zu erhalten, geringer wird.

Hinter der Diskussion um die Erhöhung der Pensionen steckt also viel
mehr. Es geht vor allem um gesellschaftliche und ideologische
Probleme - und den Vertrauensverlust in den Staat. Das sollte im Hin
und Her um die Finanzen nicht vergessen werden - wenn doch, wird es
möglicherweise hierzulande einmal heißen "Jagt die Alten". Oder
vielleicht auch die Jungen? Und genau deshalb müssen wir vorsorgen,
damit es nie so weit kommt. Der Spagat ist schwierig, aber durchaus
noch zu schaffen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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