- 14.11.2011, 10:02:25
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wenn die Gondeln Trauer tragen - von Hans-Jörg Bruckberger
talien ist nicht Griechenland - Europa aber auch nicht Amerika
Wien (OTS) - Jetzt also Italien. Kaum wurde in Griechenland das
Allerschlimmste - nämlich eine Volksabstimmung (allein dass eine
solche als schlimm bezeichnet werden muss, zeigt schon, in welch
schwierigen Zeiten wir uns befinden) - abgewendet, steht das nächste
Euro-Land im Brennpunkt der Schuldenkrise. Grundsätzlich keine
Sensation, die Art und Weise, wie die Situation zuletzt eskalierte,
war dann aber doch bemerkenswert. Die Renditen für italienische
Staatsanleihen waren in der Vorwoche zwischenzeitlich sogar auf über
sieben Prozent geklettert und lagen in der Folge nur dank Eingriffen
der EZB knapp darunter. Das ist ein alarmierendes Niveau, das kaum
ein Land längerfristig und ohne Hilfe stemmen kann.
An dieser Causa ist einiges zu hinterfragen. Allen voran der Umstand,
dass noch vor wenigen Monaten Analysten Entwarnung gegeben und betont
hatten, dass Italien in keiner Weise mit Griechenland vergleichbar
sei. Und fundamental hat sich seither - vielleicht mit Ausnahme von
eingetrübten Konjunkturaussichten - genau nichts geändert. Außer eben
diese steigenden Renditen.
Keine Frage, Italien hat weiß Gott seine Probleme und hohe Schulden
sind eines davon. Im Vergleich relativiert sich aber vieles, und
manches überrascht gar positiv. Mitunter braucht man erst gar nicht
Vergleiche mit Griechenland heranziehen, um Italien schönzureden. Bei
einigen Kennzahlen stehen die Italiener sogar besser da als die USA.
Nach IWF-Projektion werden diese 2016 eine höhere Schuldenquote haben
als Italien, und dieses Jahr ist die Neuverschuldung bei Amerikanern
wie auch Briten doppelt so hoch. Und Italiens Defizit ist immerhin
bereits im Sinken, der Stiefel-Staat nimmt glatt mehr ein als er
ausgibt. Vor Zinsen, wohlgemerkt, aber immerhin. Da kann sich selbst
Deutschland etwas abschauen.
Wieso dann diese Reaktion der Märkte, wo die Risikoprämien der USA
sinken und deren zehnjährige Renditen um die zwei Prozent liegen?
Verschwörungstheoretiker schnalzen mit der Zunge, schließlich sind
die Amerikaner, deren eigene Probleme in den Hintergrund treten,
zumindest indirekt und kurzfristig auch Profiteure der Eurokrise. In
Wahrheit hat der Markt freilich trotz allem nicht ganz Unrecht. Denn
Kennzahlen sind das eine, politische Unsicherheiten das andere. Und
da schaut das instabile Italien, ja ganz Europa, vergleichsweise
schlecht aus. Schließlich sind hier Staatsbankrotte und mittlerweile
sogar der Zerfall der Union nicht gänzlich auszuschließen. Genau
diese Risiken preist der Markt eben beinhart ein. Mal ehrlich: Wem
würden Sie - wenn Sie sich für einen entscheiden müssten - eher Ihr
privates Geld anvertrauen: Amerika oder Italien? Eben.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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