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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Wind der Veränderung"
Ausgabe vom 12. November 2011
Wien (OTS) - Hannes Androschs Herbststurm ist beim
Bildungsvolksbegehren zwar ausgeblieben, aber das Thema eignet sich
ohnehin eher für einen dauerhaft wehenden Wind. Nun lautet die große
Frage: Wie können die Forderungen nach "besserer Bildung" weiter
betrieben werden? Wie wird verhindert, dass die Anliegen nicht
einfach - nach der parlamentarischen Behandlung - in irgendeiner
Schublade abgelegt werden.
Denn die ersten Reaktionen darauf sind eher bestürzend. Bernd
Schilcher hat recht, wenn er die aus der ÖVP-Zentrale kommende Häme
über das Ergebnis "zynisch" nennt. Statt über Inhalte zu diskutieren
wird bereits wieder gewohnheitsmäßig über den Begriff "Gesamtschule"
gestritten. Genau diese überkommenen Reflexe haben ja zum
Volksbegehren geführt. Es geht dabei eben nicht um ein
Rasenmäher-Schulmodell, sondern um einen gerechten Zugang zu allen
Bildungsstufen. In Oberösterreich wird beispielsweise von der Politik
argumentiert, dass die dortigen Hauptschulen bessere Bildung
vermitteln würden als die Unterstufe von Wiener Gymnasien. Abgesehen
davon, dass derart generalisierte Aussagen ohnehin Unsinn sind,
stehen Hauptschülern obligatorisch trotzdem keine universitären
Bildungswege offen.
Um das zu erreichen, braucht es ein gemeinsames Leistungsniveau aller
15-Jährigen - das ist Gesamtschule. Und die Ganztagsbetreuung
ermöglicht auch sozial benachteiligten Familien, ihre Kinder in der
Schule zu belassen. Das ist nicht "Gleichmacherei", sondern
Gerechtigkeit.
Beispiel 2: In manchen Bundesländern wird die eigentlich beschlossene
größere Autonomie von Schulen offen torpediert - Parteipolitiker
wollen sich die Entscheidung, wer wo Schuldirektor wird, partout
nicht aus der Hand nehmen lassen. Auch dies ist kein besonders
reformfreudiges Zeichen.
Und wenn ÖGB-Chef Erich Foglar den Ausgang des Volksbegehrens
wohlwollend kommentiert, so sollte er doch besser auf die
Lehrergewerkschaft einwirken, etwas flexibler zu sein.
Das Bildungsvolksbegehren mag nicht jenen "Sturm" entfacht haben, den
sich sein Initiator Androsch zuletzt gewünscht hatte, aber schon die
ersten Reaktionen darauf sind der schlagende Beweis dafür, dass
dessen Anliegen unbedingt weiter unterstützt werden müssen.
www.wienerzeitung.at/leitartikel
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