- 10.11.2011, 18:15:33
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Genug geredet - die EZB muss handeln - von Astrid Schuch
Sie muss Anleihen kaufen, wenn nötig auch mit frischem Geld
Wien (OTS) - So viel zu Silvio Berlusconis Versprechen,
zurückzutreten. Entgegen den Erwartungen blieb der beruhigende Effekt
auf die Märkte aus. Die Renditen italienischer Staatsanleihen
schossen auf über sieben Prozent. Der Punkt ohne Wiederkehr. Bis die
EZB intervenierte - mit Erfolg: Die Kurse stiegen, die
Finanzierungskosten sanken. Allerdings ist dieses Spiel auf Dauer
nicht zu gewinnen. Denn während sich alles auf Italien konzentriert,
hagelt es auch Abverkäufe von belgischen und französischen Anleihen.
Und sogar Irland blutet. Dabei könnte die EZB die Gefahr eines
weiteren Staatsbankrotts abwenden, den Zerfall der Eurozone
verhindern und die Existenz des Euro sichern, während die Politiker
reden. EZB-Chef Mario Draghi muss eine Ankündigung machen, die die
Erwartungen grundlegend ändert. Er muss zum Kauf von Staatsanleihen
bereit sein - unbegrenzt und wenn nötig mit Hilfe der Notenpresse.
Allein das Bekenntnis könnte ausreichen, um die Finanzierung für die
Peripherie zu erleichtern - ohne auch nur mit einem Euro zu
intervenieren. Bestes Beispiel ist die Schweiz. Im September fixierte
die Notenbank den Kurs des Franken bei 1,20 je Euro - und bekennt
sich nun unermüdlich zur Schwächung der eigenen Währung. Die
Devisenreserven sind seither rückläufig. Die Notenbank verkauft heute
weniger Franken als vor der Ankündigung des Cap
Selbst wenn die Märkte die EZB testen würden, muss der unlimitierte
Kauf von Staatsanleihen nicht unbedingt zu Inflation führen. Die EZB
kann die Liquidität, die sie dadurch in Umlauf bringt, wieder
abziehen - etwa indem sie andere Staatsanleihen verkauft oder eigene
Anleihen emittiert. Auch das Anwerfen der Druckerpresse muss nicht
zum Problem werden. Das Geldmengenwachstum ist für den Geschmack der
Währungshüter zu niedrig. Der Referenzwert für den jährlichen
Anstieg, der laut EZB mit dem Preisstabilitätsziel vereinbar ist,
liegt bei 4,5 Prozent. In den vergangenen 2,5 Jahren weitete sich die
Geldmenge wegen der Konjunkturschwäche nur um 3,4 Prozent aus.
Die einzige Frage ist nur, ob Draghi zum Handeln bereit ist. Er ist
Italiener, die Optik entsprechend schief. Zudem wird er über kurz
oder lang nicht ohne Zustimmung Deutschlands auskommen. Aber es wird
ohnehin Zeit, dass sich die Deutschen und die Europäer endlich
entscheiden - für oder gegen den Euro.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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