• 10.11.2011, 12:10:03
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Frauenberger/Kickert: Regenbogenfamilien gleichstellen!

Fachkonferenz beschäftigt sich mit Kindern in gleichgeschlechtlichen Familien - Frauenberger: "Familie ist, wo Liebe ist"

Wien (OTS) - Eine international besetzte Fachkonferenz beschäftigt
sich heute, Donnerstag, im Auftrag von Stadträtin Sandra Frauenberger
mit dem Thema Regenbogenfamilien. Die Konferenz wird von der Wiener
Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen
(WASt) veranstaltet. Regenbogenfamilien sind Familien, in denen
zumindest ein Elternteil homosexuell ist. In anderen Ländern wird
dieses Thema schon länger diskutiert, in Österreich etabliert es sich
mit einiger Verspätung gerade erst im öffentlichen Diskurs.
Gesetzlich sind Regenbogenfamilien in Österreich benachteiligt. Die
für Antidiskriminierung zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger
kämpft für die Gleichstellung dieser Familien, denn: "Familie ist, wo
Liebe ist!". ****

So wie der Begriff Familie heute längst nicht mehr nur
Vater-Mutter-Kind-Konstellationen umschreibt, sondern eine bunte
Vielfalt an Familienformen, so gibt es auch ganz unterschiedliche
Zusammensetzungen von Regenbogenfamilien. Diese reichen von
lesbischen oder schwulen AlleinerzieherInnen bis hin zu
Familiensystemen mit zwei Müttern und zwei Vätern. In
Regenbogenfamilien leben leibliche Kinder einerseits und Pflegekinder
andererseits und es gibt ganz unterschiedliche Zugänge, Familie zu
planen, zu gründen und zu leben. "Und all diesen Lebensrealitäten
gilt es, rechtliche Rahmenbedingungen ohne Diskriminierungen zu
bieten", meint die neue Sprecherin der Grünen Wien für Lesben,
Schwule und Transgender-Personen, Jennifer Kickert.

Bei gleichgeschlechtlicher Elternschaft handelt es sich um kein
neues Thema, denn schon immer gab es homosexuelle Einzelpersonen oder
Paare mit Kindern, allerdings stammten diese in der Regel aus einer
heterosexuellen Lebensphase der Eltern. Neu ist ein geäußertes und
realisiertes Interesse an bewusst gewählter Elternschaft in der
gleichgeschlechtlichen Lebensphase.

Genaue Zahlen über Regenbogenfamilien gibt es nicht, für
Deutschland aber gibt es Schätzungen von etwa 30.000 Kindern in
gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Lesben und Schwule mit
Kindern und mit Kinderwunsch sind in Österreich gerade dabei, Gruppen
und Organisationen zu gründen und ihre Anliegen als nicht mehr
ignorierbare Fragen der Menschenrechte zu formulieren und öffentlich
einzubringen. Immer weniger Lesben und Schwule sind bereit, auf ein
Leben mit eigenen Kindern zu verzichten, wie das Generationen
homosexueller Menschen bisher tun mussten. Sie planen und leben ganz
unterschiedliche Konzepte von Elternschaft. Nach wie vor gilt: Lesben
haben es bedeutend einfacher, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen als
schwule Männer.

Gleichgeschlechtliche Pflegeeltern: In Wien seit über 15
Jahren Realität

In Wien gibt es bereits seit mehr als 15 Jahren
gleichgeschlechtliche Pflegeelternpaare. Die Stadt Wien ging mit der
Kampagne "Wir bringen das zusammen" 2007 aktiv auf diese für die
Stadt heute sehr wertvolle Pflegeelterngruppe zu. In jedem Grundmodul
des Pflegeelternkurses ist mittlerweile mindestens ein
gleichgeschlechtliches Paar ganz selbstverständlich mit dabei. Es
zeigt sich auch, dass gleichgeschlechtliche Paare gleich gute
Pflegeeltern wie verschiedengeschlechtliche Paare sind.

Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft diskriminiert Paare mit
Kinderwunsch

Das Gesetz zur Eingetragenen Partnerschaft (EP), das am 1.1.2010
in Kraft trat, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur
gesellschaftlichen und rechtlichen Gleichstellung. "Der Aspekt der
Regenbogenfamilien wurde in das Gesetz aber leider nicht sinnvoll
integriert. Das Gesetz ignoriert den Kinderwunsch von Schwulen und
Lesben ebenso wie die gelebte Lebensrealität der Regenbogenfamilien",
kritisiert Stadträtin Sandra Frauenberger.

Der Wiener Landtag wird daher im November die Bundesregierung in
einem Resolutionsantrag auffordern,

1. den Zugang zu medizinisch unterstützter Fortpflanzung auch für 
   alleinstehende Frauen und Lesben in Eingetragener 
   PartnerInnenschaft zu ermöglichen. 
2. die gemeinsame Adoption und Stiefkindadoption für Eingetragene 
   PartnerInnen zu ermöglichen.
3. Die Kategorie "Nachname" für Eingetragene PartnerInnen im 
   Namensrecht abzuschaffen. 
4. Die Ehe zu reformieren und auch für gleichgeschlechtliche Paare 
   zu öffnen.

Gleichgeschlechtlich Liebenden wird Fähigkeit zur Elternschaft
abgesprochen

Regenbogenfamilien sind in allen europäischen Ländern längst
gelebte Realität. "Die Gesellschaft ist aber heteronormativ geprägt.
Immer noch begegnen viele Menschen gleichgeschlechtlich liebenden
Paaren mit Vorurteilen oder Ablehnung. Ihnen wird oft die Fähigkeit
zur Elternschaft abgesprochen", erklärt Mag. Wolfgang Wilhelm von der
Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche
Lebensweisen (WASt). Diese Fehleinschätzung mache auch vor
MitarbeiterInnen in pädagogischen, psychosozialen oder betreuenden
Einrichtungen nicht Halt. "Mangels flächendeckender Aus- und
Fortbildung gibt es auch bei MitarbeiterInnen von Ämtern, Vereinen
und Behörden oft Vorbehalte gegenüber Regenbogenfamilien", so
Wilhelm.

Das Kindeswohl im Spiegel der Wissenschaft

Dass alle Vorbehalte unbegründet sind, bestätigen mittlerweile
eine ganze Reihe von internationalen Studien über
gleichgeschlechtliche Elternschaft und über Kinder, die in
gleichgeschlechtlichen Familien aufwachsen. Es gilt als empirisch
abgesichert, dass Kinder in Regenbogenfamilien gleich gut aufwachsen
wie Kinder in anderen Familien.

Entscheidend für die Entwicklung der Kinder ist laut zahlreichen
Studienergebnissen nicht die Struktur der Familie, sondern die
Qualität der innerfamiliären Beziehungen. Für die gesunde Entwicklung
von Kindern und Jugendlichen ist somit nicht die
Familienkonstellation bedeutsam, sondern die Beziehungsqualität in
der Familie.

Univ.-Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, Baseler Psychologe und
Psychoanalytiker, kommt zum Schluss, "dass die Befürchtung, Kinder
lesbischer und schwuler Eltern (...) könnten in intellektueller,
emotionaler oder sozialer Hinsicht negative Entwicklungen
durchlaufen, völlig unberechtigt sind" und stellt weiters fest:
"Diese Kinder entwickeln sich vielmehr so wie vergleichbare Kinder
aus heterosexuellen Familien. In Bezug auf die Empathie gegenüber
anderen Menschen und Gleichberechtigung in der Partnerschaft lassen
sie sogar eine größere Sensibilität erkennen. "

Zeitmarken der österreichischen "Gleichstellungsgeschichte"

Die Schwulen- und Lesbenbewegung in Österreich hatte auch nach dem
Zweiten Weltkrieg weiterhin unter dem Totalverbot der Homosexualität
zu leiden, das erst 1971 aufgehoben wurde. Zwischen 1971 und 2001 gab
es jedoch neue diskriminierende Sonderstrafgesetze. In den 1980er
Jahren folgte die Aids-Krise, die die Notwendigkeit der Absicherung
von Partnerschaften verdeutlichte. Mit der Aufhebung des § 209 StGB
im Jahr 2002 war der letzte Stein aus dem Weg geräumt, die
Marschrichtung der Community ging nun eindeutig in Richtung
Partnerschaftsregelung. Seit 2010 nun gibt es die EP, die viele
Bereiche abdeckt, das Thema Regenbogenfamilien aber leider nicht.

Die Ziele der Fachkonferenz

Die heutige Fachkonferenz beleuchtet das Thema Regenbogenfamilie
aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie stellt bewusst das
Kindeswohl und Bedingungen für eine gelingende Erziehung an den
Anfang des Vortragsvormittags und präsentiert aktuelle
Studienergebnisse über Kinder in Regenbogenfamilien. Sie geht der
Frage nach, in wie weit das Thema Regenbogenfamilie ein Modetrend
ist, welche rechtlichen Regelungen es gibt und braucht und verortet
das Thema in einem historischen Bezugsrahmen zu den Themen der
Schwulen- und Lesbenbewegung des 20. Jahrhunderts. Workshops für
Lesben, Schwule und Transgenderpersonen sowie Workshops, die sich an
LeiterInnen und an MitarbeiterInnen pädagogischer Einrichtungen sowie
an andere ExpertInnen wenden, vertiefen zahlreiche relevante
Themenaspekte.

Die Konferenz richtet sich an Führungskräfte und MitarbeiterInnen
im pädagogischen und psychosozialen Feld ebenso wie an Lesben,
Schwule und Transgenderpersonen. "Wir wollen zum einen für dieses
Thema sensibilisieren und dazu beitragen, dass Regenbogenfamilien und
ihre Kinder wahrgenommen und respektvoll behandelt werden. Uns ist es
ein Anliegen, dass sie in ihrer individuellen Besonderheit
wertgeschätzt und in einem guten Zusammenspiel aus Familie und
pädagogischem System gefördert werden, wie alle anderen Kinder auch",
betont Wolfgang Wilhelm. (Schluss) lac

Rückfragehinweis:
Büro Stadträtin Sandra Frauenberger
Mediensprecherin Mag.a Marianne Lackner
Tel.: +43 1 4000 81853
mailto:[email protected]

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