- 10.11.2011, 11:15:47
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Österreichs Industrie vor konjunktureller Eintrübung
Deutlicher Rückgang bei Auftragseingängen und Produktion im zweiten Halbjahr - Unsicherer Ausblick auf 2012
Wien (OTS/PWK792) - "Die heimische Industrie kommt - nach
einer positiven Entwicklung im ersten Halbjahr dieses Jahres -
zunehmend unter Druck. Wir stehen vor einer konjunkturellen
Eintrübung aber nicht vor einer Rezession", betonte heute,
Donnerstag, der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie, Manfred
Engelmann, im Rahmen der Konjunkturpressekonferenz in Wien. Die
Situation der Unternehmen sei geprägt von einer immer schwierigeren
Lage bei den Auftragseingängen - insbesondere aus dem Ausland - einem
zunehmenden internationalen Konkurrenzdruck sowie einem Hinauszögern
von wichtigen Investitionsentscheidungen. "Hinzu kommt, dass von
Seiten der öffentlichen Hand sich die Nachfrage aufgrund
Budgetsanierungsgründen deutlich gedämpft entwickelt und die
europäische Schuldenkrise die Verunsicherung weiter verstärkt",
resümiert Engelmann. Die Beschäftigungssituation sei aber derzeit mit
einem Plus von 1,7 Prozent im ersten Halbjahr zum Vergleichsquartal
des Vorjahres noch durchaus positiv.
Konkret zeigt die Einschätzung der Industriekonjunktur im zweiten
Halbjahr Produktionsrückgänge bei fünf Fachverbänden, zwei
Fachverbände - saisonbedingt die Bauindustrie sowie der der
Konjunktur nachhinkende Bereich Maschinen & Metallwaren - erwartet
noch Produktionssteigerungen. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass in
den ersten sechs Monaten des Jahres zwei Drittel der 18 Branchen -
gegenüber dem Zeitraum 1-6/2008 - ihr Produktionsniveau von vor der
Krise noch nicht erreichen konnten. Auch der mengenmäßige
Produktionsindex der österreichischen Industrie lag im Zeitraum
Jänner - Juni 2011 mit 117,4 (Basis 2005 = 100) leicht unter dem
Niveau des 1. Halbjahres 2008 (117,8). Gegenüber dem 1. Halbjahr 2010
konnte er um 12,1 % zulegen.
Die Situation bei den Auftragseingängen - die eine Abschätzung der
kommenden Monate ermöglicht - bildet die sich abzeichnenden
konjunkturelle Nebenschwaden deutlich ab: 9 von 15 Fachverbänden
erwarten im Vergleich zur ersten Jahreshälfte einen Rückgang,
lediglich eine Branche rechnet - noch - mit einem Anstieg. Zum
Vergleich: In den ersten sechs Monaten wiesen die Auftragsbücher der
Unternehmen mit 44,2 Mrd. EUR einen Anstieg von 13,1 % im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum aus, wobei die inländischen Aufträge um 8,7 %
sowie die ausländischen um 14,9 % anstiegen. Gegenüber dem 1.
Halbjahr 2008 lagen sie immer noch um nominell 0,7 % unter den damals
ausgewiesenen Ergebnissen von 44,5 Mrd. EUR.
Aktuelle Zahlen aus Deutschland malen für die dortige Industrie
keine rosige Situation: Die Aufträge brachen im September wegen der
schwachen Nachfrage aus den Euro-Ländern so stark ein wie seit knapp
drei Jahren nicht mehr. Die Bestellungen lagen um 4,3 Prozent unter
dem Niveau des Vormonats und schrumpften damit den dritten Monat in
Folge! "Unter diesen Vorzeichen müssen wir auch unsere
Exportsituation sehen. Die Schulden-und Finanzkrise wirkt als extreme
Auftragsbremse und führt dazu, dass wichtige Handelspartner unserer
Industrie ihre Bestellungen deutlich zurückfahren", so Engelmann.
In der Einschätzung der 15 Industriefachverbände hinsichtlich der
Produktion zeigt der Saldo der erfassten Branchen mit "+ 3" eine
positive Erwartung gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wobei 6
Fachverbände eine Steigerung bzw. 3 Branchen einen
Produktionsrückgang erwarten. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2011
signalisieren die Fachverbände mit "- 3" hingegen eine
Verschlechterung.
Bei der Einschätzung der Auftragseingänge für das 2. Halbjahr 2011
erwartet mehr als die Hälfte der Fachverbände einen Rückgang im
Vergleich zur ersten Jahreshälfte (Messzahl ergibt "- 8"). Eine
Ausnahme nimmt die Elektro- und Elektronikindustrie ein, die
steigende Auftragseingänge erwartet. Im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum, dem2. Halbjahr 2010, ergibt sich mit "- 2"
ebenfalls eine negative Erwartungsmesszahl.
Der Saldo der "Beschäftigten" beträgt sowohl im Vergleich zur
ersten Jahreshälfte als auch zum 2. Halbjahr des Vorjahres "+ 2". Die
Gießereiindustrie erwartet einen leichten Beschäftigtenabbau im
Vergleich zum 1. Halbjahr 2011 bzw. der Bereich Bergbau & Stahl
hinsichtlich des Vorjahreszeitraums.
Fachkräfte und Techniker mehr denn je gefragt
Obwohl die letztverfügbaren Arbeitsmarktdaten einen Anstieg der
Gesamt-Arbeitslosenzahlen zeigen, herrscht nach wie vor rege
Nachfrage nach Personen mit technischen Qualifikationen allgemein und
Technikern im Besonderen. Die Zahl der offenen Stellen in diesen
Berufsgruppen stieg mit September 2011 um ca. 20 % gegenüber dem
Vergleichszeitpunkt des Vorjahres (Quelle: AMS: Offene Stellen nach
Berufen).
Die Industrie will den Fachkräftenachwuchs zum Großteil selbst
ausbilden, deshalb ist die Zahl der Lehranfänger mit Ende Oktober
2011 um etwa 11,5 % gegenüber dem Vergleichszeitpunkt des Vorjahres
gestiegen. Aktuell sind mehr als 16.300 Lehrlinge in der Industrie
beschäftigt. Das sind um fast 20 % mehr als noch vor 15 Jahren.
Die Unternehmen berichten von zunehmend schwierigeren Bedingungen bei
der Suche nach Fachkräften. Nicht alle offenen Lehrstellen konnten in
diesem Jahr besetzt werden - die demographische Entwicklung wird
diese Situation in den nächsten Jahren noch verschärfen. In fünf
Jahren wird es im Vergleich zu heute um etwa 15 % weniger 15-Jährige
geben.
Die Winterausgabe von industrie aktuell befasst sich mit dem
Thema: "Grenzen der Unsicherheit"
Die aktuelle Lage an den Finanzmärkten und die Schuldenkrise der
Euro-Mitgliedsländer führen zu großen und spürbaren Unsicherheiten
unter den Unternehmen. In der Winterausgabe von "industrie aktuell"
beschäftigen sich u.a. Wilfried Stadler, langjähriger
Vorstandsvorsitzender der Investkredit, IV-Chefökonom Christian
Helmenstein oder Waagner-Biro Vorstand Gerhard Klambauer mit den
Themen Konjunktur und Unternehmensfinanzierung. Veit
Schmid-Schmidsfelden, GF der Rupert Fertinger GmbH, sieht zunehmenden
Schwierigkeiten für die nachfragenden Unternehmen entlang der
Wertschöpfungskette aufgrund der volatilen Rohstoffmärkte. Waltraud
Urban, China Expertin des Wiener Instituts für Internationale
Wirtschaftsvergleiche, geht auf die konjunkturelle Stärke der gelben
Wirtschaftsmacht ein. Manfred Engelmann behandelt in seinem Beitrag
die sich verschlechternden Rahmenbedingungen für heimische
Industriebetriebe (neue Steuern, Umweltauflagen) am Standort
Österreich. (us)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Industrie
Dr. Manfred Engelmann
Tel.: T:(+43) 0590 900-3422, F:(+43) 0590 900-273
mailto:[email protected]
http://wko.at/industrie
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