• 10.11.2011, 09:59:47
  • /
  • OTS0088 OTW0088

Coface-Studie: Preisvolatilität setzt Nahrungsmittel-Unternehmen weltweit unter Druck

Wien (OTS) - Nachdem der Nahrungsmittelsektor die Krise im Jahr
2009 gut überstanden hat, sieht er sich seit Juni 2010 mit einer
problematischen Entwicklung der Lebensmittelpreise konfrontiert, die
durch das Anlegerverhalten verschärft wird. Sinkende Branchenspannen
in Verbindung mit der zunehmenden Kreditknappheit in entwickelten
Volkswirtschaften beinträchtigen vor allem die Finanzmittel kleiner
und mittlerer Unternehmen.

Große Risiken durch Marktvolatilität und steigende Preise

Nachdem sich landwirtschaftliche Rohstoffe zu einer eigenständigen
Anlagenklasse entwickelt haben, sind die Preise dafür steil
angestiegen. Mit Ausnahme von Reis verzeichneten zwischen August 2010
und August 2011 alle Produkte Kursgewinne in der Bandbreite von +15%
für Fleisch und Milchprodukte über +26% für Getreide bis hin zu +50%
für Zucker.

Neben der starken Finanzspekulation haben mehrere Faktoren zu
diesem globalen Preisanstieg beigetragen: Die Nachfrage steigt vor
allem aufgrund eines Wachstums der Mittelschichten in den
Schwellenländern, die damit einhergehend ihre Ernährungsgewohnheiten
verändern. Hinzu kommt eine gestiegene Preisvolatilität, die u. a.
auf schlechte Wetterbedingungen, verheerende Krankheiten,
intransparente Lagerbestände sowie den Ankauf von Land durch
Regierungen aufstrebender Mächte, der sich negativ auf lokale
Ernteerträge auswirkt, zurückzuführen ist.

Kleine und mittlere Lebensmittelunternehmen in entwickelten
Volkswirtschaften am stärksten betroffen

Je nachdem, in welchem Umfang kleine und mittlere
Lebensmittelunternehmen Preiserhöhungen an ihre Kunden im Groß- bzw.
Einzelhandel weitergeben können, werden ihre Margen und Finanzmittel
mehr oder weniger unter Druck geraten. Es hat sich gezeigt, dass
kleine und mittlere Unternehmen weniger erfolgreich im Umgang mit
Kostenschwankungen sind als internationale Großkonzerne, die von
Hedging-Transaktionen profitieren und im Bereich
Produktivitätssteigerung sehr flexibel reagieren können.

Deutlicher Anstieg der Konkurse bei schwachen Unternehmen erwartet

Coface geht davon aus, dass die Preise für landwirtschaftliche
Güter im zweiten Halbjahr 2011 und im Jahr 2012 trotz der
Kursentspannung seit August 2011 und der erwarteten globalen
Konjunkturabschwächung weiterhin auf hohem Niveau bleiben werden.
Dieser Trend wird durch den weltweiten Überfluss an Liquidität
getragen, der wiederum durch die expansive Geldpolitik der USA
unterstützt wird.

Da für kleinere Betriebe Schwierigkeiten bei der Finanzierung von
Investitionen und im Zugang zu Bankkrediten abzusehen sind, ist von
einer weiteren Konsolidierung im Nahrungsmittelsektor auszugehen.
Diese Situation wird bei den schwächsten Unternehmen zweifellos zu
einem Anstieg der Konkurse führen. Seit Jänner 2011 ist der
Coface-Zahlungsausfallsindex für den Nahrungsmittelsektor parallel
zum starken Anstieg der Rohstoffpreise verlaufen.

Regionale Trends im Blickpunkt

In Europa weist der Nahrungsmittelsektor 2011 sehr
unterschiedliche Ergebnisse auf. Nachdem erwartet wird, dass die
Konsumausgaben vor allem im Vereinigten Königreich, in Griechenland,
Portugal und Irland nachlassen werden, ist in Westeuropa mit einem
Anstieg der Konkurse zu rechnen. Mit einem BIP-Wachstum von
voraussichtlich beinahe +3,8% ist der Trend in Osteuropa hingegen
etwas optimistischer. Die Haushalte dort setzen allerdings ihren
Schuldenabbau fort, was ausgabendämpfend wirken wird. In Frankreich
ist der Nahrungsmittelbereich nach wie vor der führende
Wirtschaftssektor und der zweitgrößte Arbeitgeber im
Industriebereich. Obwohl dieser Sektor der Krise gut standgehalten
hat, ist die Anzahl der Konkurse seit 2010 gestiegen - einerseits
aufgrund höherer Rohstoffpreise und andererseits aufgrund von
Wettbewerbsnachteilen auf dem internationalen Markt.

In den USA ist der Sektor aufgrund seiner Konzentration weniger
stark betroffen, finden sich doch sieben amerikanische
Lebensmittelunternehmen unter den zehn größten Konzernen der Welt.
Obwohl sich diese - trotz ihrer Größe - in aggressiven
Preisverhandlungen mit Diskontern nicht immer durchsetzen, können sie
sich besser gegenüber den aktuellen Marktrisiken absichern.

Japan, das im Konsumgüter-Bereich - mit Ausnahme von Reis - zu 60%
von Importen abhängig ist, hat aufgrund des starken Yen zunehmend
Exportschwierigkeiten. Dieses Phänomen hat sich seit der
Fukushima-Katastrophe im März 2011 verschärft, wodurch die
japanischen Wirtschaftssektoren generell geschwächt sind. Für 2011
wird ein leichter Rückgang der privaten Konsumausgaben prognostiziert
und 2012 wiederum eine leichte Erholung erwartet.

In China sieht sich der Nahrungsmittelsektor zwei großen Risiken
gegenüber: Probleme mit der Nahrungsmittelsicherheit, die zu einem
schlechten Image bei den chinesischen Konsumenten führen, und eine
besonders starke Inflation aufgrund hoher Rohstoffpreise und
steigender Löhne. Die fortgesetzte Konsolidierung stärkt
Großorganisationen, wobei der Einstieg ausländischer Investoren
Produktqualität sichert.

Brasilien hat sich zu einem Großexporteur von landwirtschaftlichen
Gütern entwickelt und seine großen Lebensmittelunternehmen sind
international auf Expansionskurs. Trotz des Abwertungsdrucks auf den
Real seit August 2011 bleibt die brasilianische Währung auf einem
hohen Niveau. Dies erschwert den Export für lokale
Wirtschaftssektoren, die auch mit einer unzureichenden Infrastruktur
zu kämpfen haben.

Zur Studie:

Diese Analyse bezieht sich auf Unternehmen, die
landwirtschaftliche Produkte (Weizen, Gerste, Reis, Kakaobohnen,
Zucker etc.) sowie Vieh für den menschlichen Konsum verarbeiten.
Weine und Spirituosen sind nicht Teil der Untersuchung. Die Studie
behandelt Warenpreise in vorgelagerten Bereichen des
Nahrungsmittelsektors sowie nachgelagerte Groß- und Einzelhändler.

Coface Austria & Coface Central Europe

Coface Austria, mit Zentrale in Wien und Niederlassungen in Polen,
Ungarn, Litauen, Lettland, Slowakei, Tschechien, Rumänien und
Bulgarien ist seit Gründung 1954 der Partner am heimischen Markt für
Kreditversicherungen. Seit 1997 ist Coface Austria Tochter der
französischen Coface und damit Teil eines der drei Global Player am
Kreditversicherungsmarkt. Die Schwestergesellschaft Coface Central
Europe ist seit 20 Jahren Marktführer für Wirtschaftsinformationen in
12 zentraleuropäischen Ländern. Ergänzend bietet man in der gesamten
Region Inkassoservices an. Coface Central Europe ist ein
Gemeinschaftsunternehmen der Coface (75 Prozent) und des KSV1870 (25
Prozent). Seit 2002 ist Wien innerhalb des Coface Konzerns
Headquarter für Zentral- und Osteuropa, die gesamte Region zählt
bereits über 700 Mitarbeiter/innen.

Coface

Die Coface-Gruppe, einer der weltweit führenden Kreditversicherer,
bietet Unternehmen globale Lösungen für ihr Forderungsmanagement.
2010 erwirtschaftete die Gruppe einen konsolidierten Umsatz von 1,6
Mrd. Euro. 6.400 Mitarbeiter/innen in 66 Ländern bieten weltweit
lokalen Service. Jedes Quartal veröffentlicht Coface ihre
Einschätzung des Risikos von 156 Ländern. Diese Bewertung basiert auf
den einzigartigen Kenntnissen über das Zahlungsverhalten von
Unternehmen und der Expertise der 250 Kreditprüfer. Coface ist die
Tochter der französischen Bank Natixis (Stammkapital 16,8 Mrd. Euro,
Ende Dezember 2010).

Rückfragehinweis:
Coface Austria Holding AG
Susanne Krönes
Head of Marketing and Communications
01/515 54 - 512
[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | COF

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel