- 09.11.2011, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Handels-KV: Entrümpeln statt streiten - von Thomas Pressberger
"Im KV-Vertrag hat sich viel Staub angesammelt"
Wien (OTS) - Der Kollektivvertrag ist ein historisch gewachsenes
Werk, in dem sich über die Jahre eine Menge Staub angesammelt hat. In
gewissen Belangen ist das Regelwerk state-of-the-art, in manchen
jedoch mehr als reformbedürftig. Seine Stärken liegen vor allem bei
den breiten arbeitsrechtlichen Ansprüchen. Als Schwäche gilt die
große Zahl an Gehaltstafeln. Viele Unternehmer beschweren sich über
den großen Verwaltungsaufwand, den die Umsetzung des
Kollektivvertrags mit sich bringt. Nicht zu Unrecht: Bei der
Arbeitszeitbewertung trifft das auf jeden Fall zu. Diese gilt als
eine der zentralen Punkte des Regulativs und könnte auf jeden Fall
vereinfacht werden. Hier gibt es vor allem bei den Zuschlägen in
vielen Fällen Abweichungen. Auch ohne explizit alle Punkte des
Kollektivvertrags zu beleuchten, ist klar, dass eine Vereinfachung
des Vertragswerks den Kollektivvertrags-Verhandlungen dienlich sein
würde. Würde diese Entrümpelung endlich stattfinden, würde vielleicht
auch das Streitpotenzial geringer und Einigungen könnten rascher über
die Bühne gehen. Das alljährliche Gerangel ist auf Dauer nur mäßig
spannend, auch wenn es immer wieder überraschende Ergebnisse gibt. Es
wäre allen Beteiligten geholfen, wenn die Resultate rascher auf dem
Tisch liegen würden. Reformversuche gab es bisher viele, Ergebnisse
wurden noch kaum erzielt. Beim heurigen KV-Poker wurden die
Reformgespräche ausgesetzt, um die Verhandlungen nicht zu
überfrachten. Im Sinn der Arbeitnehmer und Arbeitgeber bleibt zu
hoffen, dass diese bald wieder aufgenommen werden.
Ein Auge sei noch auf die Lebenseinkommenskurve geworfen, die derzeit
ebenfalls für hitzige Diskussionen sorgt. Nach 18 Arbeitsjahren steht
der Beschäftigte im Handel auf der obersten Stufe der
Einkommensleiter. Die Einkommensschere zwischen Eintritts- und
Austrittsgehalt ist damit nicht unbedingt enorm ausgeprägt. In
anderen Worten: Die Spreizung ist nicht so groß wie in anderen
Branchen. Eine Anhebung der Gehälter der Jüngeren, die in der Folge
weniger stark steigen, sollte damit kein so großes Problem sein, wie
es oft dargestellt wird. Und zwar ohne den Älteren Versprochenes
wegzunehmen.
Die Unternehmer scheinen zunehmend zu erkennen, dass sie mehr Geld in
die Hand nehmen müssen, um den Arbeitsplatz im Handel attraktiver zu
machen. Denn die Ansicht, dass eine Angleichung der
Lebenseinkommenskurve nicht kostenneutral ablaufen kann, scheint
sich langsam immer stärker durchzusetzen.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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