• 09.11.2011, 17:01:48
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Präsentation in Oberösterreich: Neuer Weg in der Beratung und Betreuung von Patienten mit Diabetes

Erfolgreiches "Therapie Aktiv"-Programm wird von der Apothekerschaft zusätzlich unterstützt

Linz (OTS) - Die Anzahl der diagnostizierten Patienten mit
Diabetes wird auf 420.000 für Österreich und ca. 60.000 bis 70.000
für Oberösterreich geschätzt. Den Angaben der Österreichischen
Diabetes Gesellschaft (ÖDG) zufolge sind ca. 180.000 Österreicher
noch nicht diagnostiziert. Ein wichtiges Ziel der Gesundheitspolitik
gemäß einer optimalen Versorgung dieser Patientengruppe ist es,
"unbekannte" Patienten mit Diabetes zu finden und sie in angemessene
Betreuungsstrukturen zu bringen. Bei dieser "Suche" wird in
Oberösterreich ein neuer Weg beschritten, indem Apotheker nach einem
strukturierten Prozess in die Beratung und Betreuung von Patienten
mit Diabetes miteinbezogen werden, und so das bestehende Disease
Management Programm (DMP) "Therapie Aktiv - Diabetes im Griff"
unterstützen.

Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz in Linz wurde das
Pilotprojekt für die strukturierte Beratung und Betreuung von
Diabetes Typ 2-Patienten, unterstützt vom Land Oberösterreich, der
Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, der Ärztekammer für
Oberösterreich und der Apothekerkammer Oberösterreich präsentiert. Im
Bundesländervergleich ist Oberösterreich in der strukturierten
Diabetikerbetreuung absoluter Spitzenreiter: Erster großer
Regelbetrieb eines Disease Management Programms in Österreich
"Therapie Aktiv", gemeinsam finanziert von Land und
Sozialversicherung. Evaluierungsergebnisse der betreuten Patienten
bei allen medizinisch relevanten Parametern bestätigen hohe
Wirksamkeit von "Therapie Aktiv". Neu in diesem Zusammenhang ist die
Unterstützung des Diabetes Programms "Therapie Aktiv" durch die
Apotheken in Oberösterreich.

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer begrüßt die Initiative zur
Stärkung der Präventionsmaßnahmen und betont, dass gerade die
Früherkennung von Diabetes mellitus Typ 2 besonders wichtig ist, um
schwerwiegende Folgeerkrankungen, die das Gesundheitssystem
finanziell belasten, zu verhindern. Oberösterreich hat bundesweit mit
7.300 teilnehmenden Patienten die meisten Teilnehmer, die
strukturiert betreut und deren Behandlungsverläufe dokumentiert
werden - damit ist Oberösterreich absoluter Spitzenreiter in der
strukturierten Diabetikerbetreuung, informierte Landeshauptmann Dr.
Pühringer und erwartet, dass das Pilotprojekt zur weiteren
Optimierung der langfristigen integrierten Betreuung der Patienten
mit Diabetes beiträgt.

Die strukturierte Betreuung von Diabetes-Patienten ist eine
Win-Win-Situation: Der Gesundheitszustand der Betroffenen bessert
sich, Spätfolgen wie Fußamputationen und Augenkomplikationen (z.B.
Netzhautschäden bis zur Erblindung) treten weniger gehäuft auf.
Gerade Prävention und Früherkennung von Diabetes sind besonders
wichtig. Diabetes ist insofern heimtückisch, als dass die Erkrankung
meist erst nach 5 Jahren Krankheitsverlauf diagnostiziert wird und
dann schon die ersten Folgeschäden vorliegen, betonte Univ.-Prof. Dr.
Martin Clodi, Facharzt für Innere Medizin von der Österreichischen
Diabetesgesellschaft, bei der Pressekonferenz.

Daher zahlt sich jede Investition in dieses Programm aus, zeigten
sich die Sprecher einig. Werden Diabetes-Patienten im Rahmen eines
Disease Management-Programmes betreut, bedeutet das laut Erhebungen
um 20 Prozent geringere Kosten für das Gesundheitssystem als eine
nicht strukturierte Betreuung. Das "Therapie Aktiv"-Programm wird bei
speziell dafür ausgebildeten Ärzten angeboten, die Liste der aktuell
rund 370 teilnehmenden Mediziner liegt bei der OÖGKK auf, erklärte
Mag. Dr. Andrea Wesenauer, Direktorin der OÖGKK bei der
Pressekonferenz. Die Weiterführung der strukturierten
Diabetikerbetreuung ist in Oberösterreich ebenfalls gesichert, da die
Landesgesundheitsplattform die 50:50-Finanzierung des Programmes bis
2013 beschlossen hat. Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2013 über 8000
Diabetiker im Programm eingeschrieben sind.

Diese Bestrebungen unterstützen nun auch die Apotheker. Die
Österreichische Apothekerkammer Landesgeschäftsstelle Oberösterreich
hat in Zusammenarbeit mit dem Verein "AM PLUS - Initiative für
Allgemeinmedizin und Gesundheit" ein Konzept für ein entsprechendes
Pilotprojekt erarbeitet, welches jene Leistungen definiert, die von
den Apotheken im Rahmen des Piloten vorgenommen und statistisch
erfasst werden.

Die Handlungsfelder: Personen mit hohem Diabetes-Risikopotenzial
zur Abklärung an Arzt verweisen und Diabetiker zur Teilnahme am DMP
"Therapie Aktiv" motivieren

Das Pilotprojekt sieht drei Handlungsfelder für Apotheken vor, die
Präsident Mag. Thomas Veitschegger von der Oberösterreichischen
Apothekerkammer wie folgt vorstellte:

Zum Ersten die Unterstützung bei der "Suche" nach noch nicht
diagnostizierten Diabetikern. Dazu werden in der Apotheke mittels so
genannter FINDRISK-Fragebögen bisher noch nicht diagnostizierte
Personen mit hohem Diabetes-Risikopotenzial herausgefiltert.
Diabetes-Risikopatienten werden anhand des FINDRISK nach klar
definierten Kriterien befragt und bei entsprechendem Ergebnis an den
Arzt zur weiteren Abklärung verwiesen.

Zum Zweiten sieht das Pilotprojekt die Unterstützung bei der
Motivation und Betreuung von Personen mit diagnostizierter Diabetes
in enger Abstimmung mit dem laufenden DMP "Therapie Aktiv" vor. Dabei
geht es vor allem um die Förderung zur Teilnahme am Programm selbst.

Drittens werden auch die Apotheken selbst Beratungsleistungen
anbieten - und zwar dort wo kein an Therapie Aktiv teilnehmender
Hausarzt zur Verfügung steht. Hier werden die Apotheken mit dem
Hausarzt des Patienten zusammenarbeiten und (nicht-ärztliche)
Beratungsleistungen aus dem Therapie Aktiv Programm übernehmen. Vor
allem bei Personen mit einem noch nicht hochgradig ausgeprägten
Risiko geht es zusätzlich um die Motivation der Betroffenen zu einer
positiven Lebensstiländerung.

Dr. Erwin Rebhandl vom Verein "AllgemeinMedizin PLUS - Initiative
für Allgemeinmedizin und Gesundheit" informierte, dass das
Gesamtprojekt und das definierte Aufgabenspektrum mit allen
relevanten Partnern des oberösterreichischen Gesundheitswesens - dem
Land Oberösterreich, der OÖGKK, dem Hauptverband, der Ärztekammer,
der Österreichischen Diabetesgesellschaft ÖDG, der
oberösterreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin OBGAM, der
Selbsthilfe Diabetes und anderen - abgestimmt wurde und zeigte sich
sehr erfreut, dass das Projekt im Rahmen der Pressekonferenz auch
gemeinsam vorgestellt wurde. Die ersten Schulungen der teilnehmenden
Apotheken sind noch im November geplant und das Pilotprojekt wird
Anfang 2012 umgesetzt.

Präsident Mag. Thomas Veitschegger zeigte sich erfreut, dass das
Projekt nunmehr ausgereift ist und von allen Stakeholdern in
Oberösterreich akzeptiert und mitgetragen wird. Damit können die
Apotheker gemeinsam mit den Ärzten und allen an der Betreuung von
Diabetikern beteiligten Berufsgruppen - im Sinne einer lückenlosen
Versorgung - die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, manche
Folgeerkrankungen, die durch Diabetes herbeigeführt werden,
verhindern und dem oberösterreichischen Gesundheitssystem
Einsparungspotenziale liefern. Mag. Veitschegger sprach in diesem
Zusammenhang auch seinen Dank gegenüber Mag. pharm. Dr. Friedemann
Bachleitner-Hofmann, Präsident des Österreichischen
Apothekerverbandes, der die Grundidee für dieses Projekt ins Leben
gerufen hat, und Mag. pharm. Heinrich Burggasser, Präsident der
Österreichischen Apothekerkammer, der die Konzepterstellung final
begleitet hat, aus.

Ziel: Wirksamkeit weiter verbessern, mehr Diabetes-Patienten
erreichen

Der Pilotbetrieb mit den Apotheken wird - klarerweise - noch eine
Reihe von Fragen aufwerfen, bietet aber die Chance, dass noch
deutlich mehr Diabetes-Patienten für das wirksame Disease Management
Programm "Therapie Aktiv" gewonnen werden können, wie
OÖGKK-Direktorin Andrea Wesenauer bei der Pressekonferenz betonte und
informierte weiters, dass das Zusatzmodul gemeinsam mit dem
Kernprogramm Therapie Aktiv von der OÖGKK in Zusammenarbeit mit dem
österreichweiten Competence Center und dem oö. Institut für
Gesundheitsplanung evaluiert wird, um die Wirksamkeit des Projekts
beurteilen zu können.

Rückfragehinweis:
Österreichische Apothekerkammer
Landesgeschäftsstelle Oberösterreich
Mozartstraße 26/1
4020 Linz
Tel.: 0732/77 03 50

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