- 09.11.2011, 16:16:57
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bfi Wien: "Es muss das Normalste der Welt sein, wenn ein Mädchen ins Weltall fliegen will"
Technische Berufe stehen im Mittelpunkt der "Mariahilfer Frauen-Wochen", das Wiener Berufsförderungsinstitut macht sie erlebbar
Wien (OTS) - "Frauen in die Technik!", lautet eine bekannte
Forderung. Vergangenen Dienstag machte das bfi Wien im Wortsinn
"Nägel mit Köpfen", als gemeinsam mit der Fachhochschule Campus Wien,
dem Verein Sprungbrett und dem Wiener ArbeitnehmerInnen
Förderungsfonds (WAFF) die "Technik-Messe für Frauen und Mädchen"
abgehalten wurde. Den Rahmen bildeten die "Mariahilfer
Frauen-Wochen", die noch bis 17. November andauern.
Das Wiener Berufsförderungsinstitut war mit Lehrlingen beiderlei
Geschlechts und deren AusbildnerInnen vor Ort, die Berufe wie
BuchbinderIn, MalerIn, MetallbauerIn und MaschinenbautechnikerIn
sowie KraftfahrzeugtechnikerIn erlebbar machten. Zahlreiche
SchülerInnen und Lehrpersonen waren dabei, um sich über teils immer
noch untypische Frauenberufe zu informieren.
Männerdomänen aufbrechen
Jennifer Alparslan und Barbara Busch, beide 17 Jahre alt, befinden
sich im zweiten Lehrjahr für den Beruf der KFZ-TechnikerIn. Für
Alparslan ein "Traumberuf, weil ich schon als Kind sehr gerne mit
Autos gespielt und mich immer für deren Innenleben und Funktionsweise
interessiert habe". Genau wie Busch hat sie erfahren, dass es "sehr
schwer" ist, als junge Frau in diesen Job zu kommen. Zwar gaben sich
die Lehrherren - es sind gerade in diesem Bereich nahezu nur Männer -
bei Bewerbungsgesprächen immer interessiert; jedoch haben sowohl
Busch als auch Alparslan erlebt, dass es dann oft heißt: "Wir können
Sie nicht einstellen, da es in unserem Betrieb keine sanitären
Anlagen für Frauen gibt."
Über das Arbeitsmarktservice gelangten beide in die
Überbetriebliche Berufsausbildung in den Lehrwerkstätten des bfi
Wien. Da gebe es zwar auch die eine oder andere Diskussion mit
männlichen Lehrlingen über die weibliche Eignung, jedoch zeigten sich
vor allem die BetreuerInnen "sehr froh darüber, dass sie uns haben".
Dass sich weder Alparslan noch Busch als Exotinnen sehen wird klar,
wenn sie von den Berufen ihrer Freundinnen erzählen: Tischlerinnen,
Metallbauerinnen und weitere KFZ-Mechanikerinnen. Technisch
interessierte Mädchen sollten "sich trauen, ihren Interessen zu
folgen". Auch wenn es schwierig ist: "Versucht es, lasst euch nicht
unterkriegen!"
"Frauen haben in vielen Bereichen immer noch schlechtere Karten
als Männer, wenn es um Fragen der Ausbildungs- und Berufswahl geht",
sagt Dr. Valerie Höllinger, kaufmännische Geschäftsführerin des bfi
Wien. Umso mehr sei es nicht nur ein Kernanliegen ihres Unternehmens,
sondern auch ihr persönlicher Auftrag, hier nachzuhelfen: "Es muss
das Normalste der Welt sein, wenn ein Mädchen Autos reparieren,
Häuser bauen, Kraftwerke planen und ins Weltall fliegen will." Dafür
setzt sich Höllinger ein, und deshalb unterstützt das bfi Wien mit
seinen MitarbeiterInnen und Lehrlingen Veranstaltungen wie die
"Mariahilfer Frauen-Wochen".
Nicht aufgeben, bis die alten Rollenbilder passé sind
Die Mariahilfer Bezirksrätin und Vorsitzende der Frauenkommission
im Bezirk, Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg, erzählt, dass die
Frauen-Wochen vor sieben Jahren erstmals stattfanden. "Frauen und
Technik" steht 2011 erstmals als Generalthema über allen
Veranstaltungen. Bezirksweit seien alle Schulen informiert worden,
zudem haben 17.000 Mädchen und Frauen eine persönliche Einladung
erhalten. Für Zoumboulakis-Rottenberg ist klar: "So lange es
geschlechtsbedingte Benachteiligungen für Frauen gibt, so lange werde
ich dagegen kämpfen!"
Mag.a Anja Götz vertrat den Verein Sprungbrett. Als Beraterin und
Ausbildungsbegleiterin dieser Anlaufstelle für Mädchen stellt sie
klar, dass "die alten Rollenbilder" immer noch in den Köpfen der
Menschen sind, und junge Frauen oft einfach "nicht auf die Idee
kommen, z.B. Tischlerin zu werden". Selbst wenn es klischeehaft
klinge, beginne das Umdenken bei den Eltern und bereits in frühester
Kindheit der Mädchen: "Wenn ein Vater mit seiner Tochter auch Lego
spielt und nicht nur die Puppenküche bedient, ist das ein wichtiger
erster Schritt."
Die FH Campus Wien war mit Mag.a Ursula Weilenmann vertreten. Sie
betonte die Einzigartigkeit der Abteilung "Gender & Diversity
Management" an ihrer Hochschule im österreichischen
Fachhochschulbereich und legte ihre Sichtweise dar: "Es liegt auf der
Hand, dass junge Frauen schon früh erfahren, was eine Friseurin oder
eine Arzthelferin machen. Diese Berufe sind bekannt, und entsprechend
oft werden sie als Ausbildungsziel genannt und gewählt. Was aber z.B.
eine IT-Fachkraft macht - und dass der technische Bereich gute
Gehaltschancen, gesellschaftliches Prestige und
Gestaltungsmöglichkeiten bei der Entwicklung der Technologien von
morgen bietet: Das ist vollkommen unterbelichtet." Darüber hinaus ist
Weilenmann als Sozialwissenschaftlerin bemüht, die Bedeutung der
Alltagssprache zu betonen. Das Binnen-I sei ein Muss: "Wer sich
ernsthaft für Frauenförderung einsetzt, kommt daran nicht vorbei",
entgegnet sie der Kritik, die vor allem aus männlicher Sicht immer
wieder gebracht wird.
"Frau und Technik ist kein Widerspruch", stellt auch die
Mariahilfer Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann (SPÖ) klar. Mit der
Technik-Messe werde belegt, "dass es neben den klassischen
Arbeitsstätten auch noch andere Berufe für Frauen gibt".
Mehr zu den Angeboten des bfi Wien und seiner Tochterunternehmen
finden Sie auf www.bfi-wien.at. Das weitere Programm der "Mariahilfer
Frauen-Wochen" steht unter
http://www.wien.gv.at/mariahilf/freizeit/frauenwochen11.html als
PDF-Datei zum Download bereit.
Rückfragehinweis:
Mag. Bernhard Madlener
bfi Wien
01 / 811 78 - 10355
0676 / 970 85 76
[email protected]
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