OTS0136   9. Nov. 2011, 11:44

Lobbying-Gesetz: Wirtschaft wehrt sich gegen Kosten- und Verwaltungsbelastungen

Dienstleistungsbranche blickt verhalten optimistisch in das vierte Quartal 2011 - WKÖ- Pollirer: Fast jeder 5. Betrieb will Personal einstellen


"Das Lobbying-Gesetz liegt unseren
Betrieben schwer im Magen, weil es ungerechtfertigte
Bürokratisierungen und Verwaltungskosten mit sich bringt", betont
Hans-Jürgen Pollirer, Obmann der Bundessparte Information und
Consulting der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Transparenz sei
der Branche ein großes Anliegen, doch durch dieses Gesetz wird die
Zielsetzung, unsauberes Lobbying zu vermeiden, nicht erreicht werden.

Auch wenn das Gesetz realistischerweise nicht verhindert werden
kann, sollten sich wesentliche Eckpunkte laut Bundesspartenobmann
Pollirer ändern. So dürfen den Betrieben durch das Antragsverfahren
keine finanziellen Kosten und zusätzlicher bürokratischer Aufwand
entstehen. Die Schätzungen im Gesetzesentwurf, die Kosten durch die
technische Betreuung von 150.000 Euro und Personalkosten von 250.000
Euro vorsehen, seien keinesfalls nachvollziehbar: "Die
Registerführung sollte kein Vorwand sein, um zusätzliche Einnahmen
für die Staatskasse zu lukrieren." Auch sei der Strafrahmen von bis
zu 60.000 Euro völlig unverhältnismäßig. Geschäftsführer Josef Moser
dazu: "Weil ein paar Politiker mit Lobbying nicht umgehen können,
müssen tausende seriöse Unternehmer reguliert werden."

Information und Consulting verzeichnet Umsatzplus von 5,2%

Darüber hinaus präsentierte Pollirer die Umsatzentwicklung der
Bundessparte Information und Consulting im ersten Halbjahr 2011 als
"durchaus erfreulich": Das nominelle Umsatzplus beträgt 5,2 Prozent,
so das Ergebnis der aktuellen Konjunkturerhebung der KMU Forschung
Austria. Pollirer schränkt jedoch ein: "Die Zahlen sind mit einer
gewissen Vorsicht zu betrachten. Zum Zeitpunkt der Umfrage waren die
Vorkommnisse in Griechenland und Italien noch nicht so dramatisch.
Die Euro-Krise wird sich auch auf unsere Branchen auswirken."

Die positiven Umsatzzahlen schlagen sich auch in der
Personalplanung der kommenden sechs Monate nieder: Sofern nicht die
befürchtete Rezension zu einem nachhaltigen Geschäftseinbruch führt,
erwartet Pollirer eine Zunahme des Personals um 2,6 Prozent. Fast
jeder fünfte Betrieb will im nächsten halben Jahr neue Mitarbeiter
einstellen. Hier stechen Unternehmensberatung und IT sowie die
Telekommunikation mit einer geplanten überdurchschnittlichen Erhöhung
des Beschäftigtenstandes hervor. Nur 4 Prozent befürchten, dass sie
Personal abbauen müssen.

Auch andere Kennzahlen zeichnen ein erfreuliches Bild: So
bezeichnet fast jeder zweite Betrieb (48%) die Auftragslage im
dritten Quartal als sehr gut bis eher gut. Lediglich 17 Prozent sehen
die Auftragsentwicklung schlecht bis eher schlecht. Im Vorjahr lag
dieser Wert noch bei 21 Prozent. Für das vierte Quartal schwindet die
Zuversicht jedoch leicht, obwohl die Optimisten, die im 4. Quartal
eine positive Entwicklung erwarten, mit 28% gegenüber den Pessimisten
mit 15% weiterhin die Oberhand behalten.

Neben der aktuellen Konjunkturerhebung hat die KMU Forschung
Austria im Auftrag der Bundessparte Information und Consulting rund
7.550 Jahresabschlüsse 2009/10 auf ihre Finanzierungsstruktur und
Ertragslage analysiert. Bei der Eigenkapitalquote konnten sich die
Unternehmen der Bundessparte klar verbessern. Betrug die Quote vor
fünf Jahren noch 21,2 Prozent, stieg sie bei den aktuellen
Jahresabschlüssen auf 24,5 Prozentpunkte. Auch hier gibt es unter den
Branchen enorme Unterschiede: Die Fachverbände Unternehmensberatung,
Informationstechnologie sowie Buch- und Medienwirtschaft weisen mit
mehr als 30 Prozent die höchste Eigenkapitalausstattung aus. Die
Finanzdienstleister erreichen nicht einmal die Hälfte und erreichen
gerade einmal 14,6 Prozent Eigenkapitalausstattung.

Die Umsatzrentabilität der Sparte Information und Consulting
beträgt 6,1 Prozent der Betriebsleistung. Im Branchen-Ranking stehen
die Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten
an der Spitze (13,3%), gefolgt von den Ingenieurbüros (8,7%). Fast
72% der Unternehmen erzielen positive Betriebsergebnisse. Während in
der Buch- und Medienwirtschaft lediglich 54 Prozent der Betriebe
positiv bilanzieren, sind es bei den Versicherungsmaklern rund 81
Prozent. Wirtschaftsforscher Walter Bornett dazu: "Die
Ertragssituation im Sektor Information, Kommunikation und Consulting
ist gegenüber anderen Branchen überdurchschnittlich gut. starker
Wettbewerb und Inflation wirken sich jedoch dämpfend auf die
Ergebnisse aus." Spezifikum der Sparte: Gerade die kleinsten Betriebe
sind besonders ertragsstark. (AC)

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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