• 07.11.2011, 12:37:41
  • /
  • OTS0148 OTW0148

Berlakovich: Wald leistet wichtigen Beitrag auf Weg zur Energieautarkie

2027 sollen 27% des Gesamtenergieverbrauchs aus Holz-Biomasse kommen

Klosterneuburg/Wien (OTS) - Im Stift Klosterneuburg in
Niederösterreich setzten sich heute beim vierten und vorläufig
letzten österreichischen Waldgipfel anlässlich des Internationalen
Jahres des Waldes viele nationale und internationale ExpertInnen mit
der Frage auseinander, welche Rolle dieser Lebensraum künftig bei der
Energiegewinnung spielen wird. "Mein Ziel ist klar: Ich will
Österreich in Richtung Energieautarkie führen und eine Studie
bestätigt, dass es möglich ist, im Inland per saldo so viel Energie
zu erzeugen, wie wir auch verbrauchen. Der heimische Wald kann und
soll dabei einen wichtigen Beitrag leisten", so Landwirtschafts- und
Umweltminister Nikolaus Berlakovich heute im Rahmen einer
Pressekonferenz zum "Energie.Wald.Gipfel" in Klosterneuburg. ****

Schon jetzt werden in Österreich 22,9 Millionen Festmeter
Holz-Biomasse energetisch genutzt. Darin enthalten sind neben direkt
aus dem Wald geerntetem Brennholz auch recyceltes Holz, Holz aus
Nicht-Waldflächen, Importe und Holz aus einer früheren stofflichen
Nutzung sowie Sägenebenprodukte wie Späne und Hackschnitzel. Das
entspricht etwa 160 PJ oder rund 11 Prozent des
Gesamtenergie-Verbrauchs. Eine Steigerung des energetischen Einsatzes
von Holz-Biomasse bis 2020 um rund 5 Millionen Festmeter - also auf
200 PJ - ist möglich und realistisch. Im Jahr 2050 kann bzw. soll der
Anteil der Holz-Biomasse am Energieverbrauch rund 27 Prozent
betragen, informiert Berlakovich.

Fakt ist, dass der Wald weiter wächst und dass aktuell bereits
drei Viertel des Holzzuwachses genutzt werden. "Das zeigt, dass
unsere Maßnahmen zur Holzmobilisierung greifen. Weiteres Potenzial
ist vorhanden - bei gleichzeitiger Sicherstellung der
Nachhaltigkeit", so der Minister weiter. Das Bundesforschungszentrum
Wald führte im Auftrag des Lebensministeriums auch eine Studie durch,
in deren Rahmen das Holz- und Biomassepotenzial genau untersucht
worden ist. "Die Untersuchung zeigt, dass die Nutzung von Holz
ruhigen Gewissens ausgebaut werden kann. Wichtig ist jedoch, dass das
Holz einer kaskadischen Nutzung zugeführt wird, sprich, dass das Holz
dort verwendet wird, wo es die größte Wertschöpfung erzielt.
Verbrannt werden kann es schlussendlich noch immer."

Heizkessel tauschen, Kosten senken, schadstoffarm heizen

"Es ist absolut wichtig, Holz als Brennstoff attraktiv zu machen.
Die Förderung für Holzheizungen in privaten Häusern wurde auch heuer
fortgesetzt. Für 2011 standen dafür insgesamt 3 Millionen Euro zur
Verfügung. Auch im Rahmen der Förderaktion für die thermische
Sanierung gibt es einen Schwerpunkt, Öl durch Erneuerbare Energien zu
ersetzen. "Außerdem geht es um die Bewusstseinsbildung in der
Bevölkerung", so Berlakovich. Das Lebensministerium legt daher
laufend Infofolder auf, wie zum Beispiel die Broschüre "Richtig
heizen mit Holz" - wo man erfährt, wie man schadstoffarm heizt.

540 Biomasse-Anlagen versorgen 180.000 Haushalte in NÖ mit Strom
und Wärme

Auch in Niederösterreich spielt der Wald als Energielieferant eine
wichtige Rolle. Der Wald als Lieferant von nachwachsendem Rohstoff
ist seit vielen Jahren ein Eckpfeiler der niederösterreichischen
Energiepolitik. 540 Biomasse-Nahwärmeanlagen sind bereits in Betrieb
und liefern Strom und Wärme für 180.000 Haushalte. Die Biomasse
ersetzt jährlich rund 5.000 Tanklastzüge mit Öl.

"Das Land Niederösterreich verfolgt klare Ziele: Bis 2015 sollen
100 Prozent des Strombedarfs und bis 2020 die Hälfte des
Gesamtenergiebedarfs aus erneuerbarer Energie produziert werden. Wir
liegen derzeit bereits bei rund 90 Prozent beim Strom und über 30
Prozent bei der Gesamtenergie. Niederösterreich wird auch in Zukunft
die erneuerbaren, regionalen Energien forcieren, denn nur so kann die
Unabhängigkeit von Öl und Atom erreicht werden", so der
niederösterreichische Agrar- und Energielandesrat Stephan Pernkopf.

Stift Klosterneuburg ist Vorreiter in Sachen Erneuerbare

Ein Vorreiter in Sachen Erneuerbare Energie und Heizen mit Holz ist
der Gastgeber des Waldgipfels, das Stift Klosterneuburg. Die
Biomasse-Fernheizung des Stiftes beheizt unter anderem zentrale Teile
von Klosterneuburg und die Anlieferung erfolgt aus unmittelbarer Nähe
mit energiesparenden, extrem kurzen Beförderungswegen. Insgesamt
werden damit mehr als 3.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

"Unsere Wälder sind heute ein beliebtes Erholungsgebiet für
Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer - und gleichzeitig
Rückzugsgebiet selten gewordener Tier- und Pflanzenarten. Unsere
Wälder sind Wasserreservoir etwa für die Stadt Klosterneuburg, tragen
zur guten Luft als Filter und Sauerstoffproduzent bei und inzwischen
sind sie auch ein wichtiger Energielieferant für das Stift und die
Stadt: Als 2003 unser Biomasseheizwerk in Betrieb ging, ersetzte es
allein im Stift 30 verschiedene Heizanlagen, die zum Großteil mit
fossilen Brennstoffen betrieben wurden. Aber jeder Liter Öl oder
jeder Kubikmeter Gas, der nicht importiert, und jeder Euro, der dafür
in Österreich bleibt, stärken die österreichische Volkswirtschaft.
Und sie helfen natürlich auch der CO2-Bilanz", so der Abtprimas des
Chorherrenstiftes, Probst Bernhard Backovsky.

Internationale Konferenz behandelt Zukunft der Bioenergie in
Europa

Der Waldgipfel war auch der erste Tag einer insgesamt fünftägigen
internationalen Forschungskonferenz zur zukünftigen Rolle der
Bioenergie aus forstlicher Biomasse in Europa. Die Konferenz, die in
Kooperation von COST (Cooperation in Science und Technology), IUFRO
(Internationaler Verband forstlicher Forschungsanstalten) und dem
österreichischen Bundesforschungszentrum Wald organisiert wird,
widmet sich der Rolle der forstlichen Biomasse im Vergleich zu
anderen Energieformen, den Herausforderungen für die Gesellschaft
sowie der Landnutzung und dem Landmanagement. Insgesamt nehmen 70
Expertinnen und Experten aus 34 verschiedenen Ländern teil.

Rückfragehinweis:
Lebensministerium, Pressestelle
Tel.: (+43-1) 71100 DW 6963

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MLA

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel