- 07.11.2011, 11:08:18
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Eine Analyse des Bildungssystems in Oberösterreich zeigt enormen Verbesserungsbedarf
Linz (OTS) - Das oberösterreichische Bildungssystem verteilt die
Chancen nicht fair, verfestigt soziale Ungleichheiten und erzielt
unzureichende Ergebnisse. Deshalb schneiden wir bei internationalen
Tests schlecht ab, deshalb erreichen viel zu viele junge Menschen
keinen Berufsabschluss.
"Die AK fordert verstärkte Investitionen in frühe Förderung, eine
gemeinsame Schule bis 15 und Reformen, die zu mehr Fachkräften,
Maturanten und Studierenden führen", sagt AK-Präsident Dr. Johann
Kalliauer.
Bildung wird in Oberösterreich "vererbt": Bildungsentscheidungen
sind abhängig vom Familieneinkommen, vom Bildungsstand der Eltern und
vom Geschlecht der Kinder. Sie sollten aber nach Interessen,
Fähigkeiten und Begabungen erfolgen.
Im Bundesländervergleich ist Oberösterreich bei wichtigen
Bildungskennzahlen abgeschlagen, manche Rück- und Zustände erscheinen
durchaus dramatisch. Bei den "Fachkräften" rangiert Oberösterreich
auf dem mittelmäßigen vierten Platz, bei den "höher Qualifizierten"
(Matura plus Uni, FH etc.) gar nur auf dem vorletzten Platz in der
Rangliste der Bundesländer. Nur im Negativranking, bei den "wenig
Qualifizierten", sind wir unter den "Top 3".
Im Jahr 2008 hatten von den 25- bis 29-Jährigen in Oberösterreich
rund 14 Prozent noch keinen Berufsabschluss, in Linz, Wels und Steyr
sogar gut ein Fünftel. Der AK-Vorschlag einer
Jugend-Ausbildungsgesellschaft, die alle einschlägigen Maßnahmen für
Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bündelt und ein neues
Lehrausbildungsmodell umsetzt, wird vom Land Oberösterreich seit
Jahren ignoriert.
Bei ganztägigen Schulformen bildet Oberösterreich mit einer Quote
von 5 Prozent zusammen mit Tirol im Bundesländervergleich das weit
abgeschlagene Schlusslicht.
Für die erschütternden Bildungsergebnisse in Oberösterreich sind
viele Faktoren verantwortlich: die Struktur des Bildungssystems, die
geringe individuelle Förderung der Schüler/-innen (besonders von
Migranten/-innen) in der Halbtagsschule, die frühe Selektion mit
neuneinhalb Jahren, das Fehlen von Ausbildungsplätzen sowie hohe
Drop-Out-Raten aus den Berufsbildenden Schulen und der Lehre.
Es ist bemerkenswert wenn Landehauptmann Pühringer jetzt, zu
Beginn der Eintragungsfrist für das Bildungsvolksbegehren, von
"unüberhörbaren Klagen von Unternehmern über den Bildungsstand von
Schulabgängern" spricht. Denn als langjähriger Bildungsreferent und
Präsident des Landesschulrats hat er diese selbst die längste Zeit
überhört: Die oberösterreichischen Sozialpartner haben ihn wiederholt
auf diese Situation aufmerksam gemacht.
Die AK fordert seit Jahren Verbesserungen und wesentliche
Änderungen in der Bildungspolitik in Oberösterreich:
- Frühe Förderung und ausreichend Zeit für den Bildungsprozess, um
soziale Benachteiligung auszugleichen.
- Eine gute, alle fördernde Ganztagsschule und eine gemeinsame
Schule bis zum Alter von 15 Jahren.
- Mehr Fachkräfte, mehr Maturanten/-innen und mehr Studierende,
damit Oberösterreich Bildungsland Nummer 1 wird. Deshalb müssen in
Oberösterreich der schulische Unterbau und das Angebot in der Lehre,
in der Oberstufe und im Hochschulbereich besser werden.
- Weniger geschlechtertypische Ausbildungswege und Schulformen
sowie eine bessere und freiere Berufs- und Bildungswahl.
Die AK begrüßt das Bildungsvolksbegehren, weil es zu mehr
Reformtempo mahnt und auf den drohenden Verlust hinweist, der
entsteht, wenn Österreich nicht rechtzeitig alle Chancen im
Bildungsbereich nutzt. Die zwölf Forderungen des Volksbegehrens
weisen in die richtige Richtung.
Rückfragehinweis:
Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Dr. Walter Sturm
Tel.: (0732) 6906-2192
mailto:[email protected]
http://www.arbeiterkammer.com
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