• 07.11.2011, 10:00:35
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"Was immer du in die Welt hineingibst, kommt auf dich zurück": vier Ö1-Sendungen zum 100. Geburtstag Heinz von Foersters

Wien (OTS) - Am 13. November jährt sich Heinz von Foersters
Geburtstag zum 100. Mal. Ö1 widmet dem österreichischen Physiker und
Mitbegründer der Kybernetik aus diesem Anlass mehrere Sendungen:
"Salzburger Nachtstudio" (9.11.), "matrix" (12.11.), "Radiokolleg"
(14.-17.11.) und "Dimensionen" (17.11.).

"Der Anfang von Himmel und Erde hat keinen Namen" so der Titel des
von Elke Kellner und Elisabeth Nöstlinger gestalteten "Salzburger
Nachtstudios" am 9. November ab 21.00 Uhr in Ö1. "Die Welt entsteht
dadurch, dass ich sie gespielt habe und weiterspiele. In jedem
Augenblick kann ich entscheiden, wer ich bin." Mit Aussagen wie
dieser hat der am 13. November 1911 in Wien geborene und am 2.
Oktober 2002 in Pescadero, Kalifornien, verstorbene Physiker,
Biophysiker und langjährige Direktor des legendären Biological
Computer Laboratory (BCL) in Illinois, Heinz von Foerster, Geschichte
geschrieben. Der Mitbegründer der kybernetischen Wissenschaft und des
radikalen Konstruktivismus geht davon aus, dass die Realität nicht
entdeckt, sondern von uns Menschen konstruiert wird. Seine
grundlegende Annahme ist, dass jede Erkenntnis als
Konstruktionsprozess verstanden werden kann und die Wirklichkeit das
Produkt dieses Prozesses darstellt. Beim Hirnforscherkongress Mitte
der 1990 Jahre haben sich Heinz von Foerster und Umberto Maturana
über die damals neuesten Forschungsergebnisse auseinandergesetzt. In
einem bei der Ars Electronica aufgenommenen Interview erzählt
Maturana über Übereinstimmung und Divergenzen in der Zusammenarbeit
mit Heinz von Foerster. Der Philosoph Thomas Metzinger ergänzt dies
durch seine Reflexionen über die Schwierigkeit, uns selbst zu
erkennen, und die Frage, ob es eine Seele gibt.

Mitarbeiter/innen des von Foerster gegründeten Labors BCL treffen
einander auf Einladung der Heinz von Foerster Gesellschaft, die am
Wiener Institut für Zeitgeschichte angesiedelt ist, anlässlich des
Foerster Kongresses alle zwei Jahre zu einer ganz speziellen
Geburtstagsfeier. Mariann Unterluggauer hat für "matrix" daran
teilgenommen und nachgefragt, welche Anekdoten den Schüler/innen und
Student/innen über ihren Lehrmeister im Gedächtnis geblieben sind -
zu hören am 12. November ab 22.30 Uhr in Ö1.

Heinz von Foerster und die Kybernetik sind Thema des vierteiligen
"Radiokollegs" von 14. bis 17. November jeweils ab 9.30 Uhr in Ö1.
Die Reihe gestalten Ina Zwerger und Armin Medosch. "Was immer du in
die Welt hineingibst, kommt auf dich zurück", so Heinz von Foerster
über die Idee der Zirkularität, die er als fundamentales Prinzip
kybernetischen Denkens sah. Das Wort "Kybernetik" steht seit den
späten 1940er Jahren für eine Wissenschaft der Steuerungsprozesse in
Technik, Natur und Gesellschaft, aber auch im Gehirn. Heinz von
Foersters genialer Input war der Hinweis, dass es keine
beobachterunabhängige Beschreibung gibt, dass jede Beschreibung auch
eine Selbstbeschreibung ist und auf das jeweilige System zurückwirkt.
Aus dieser Kritik entwickelte sich die selbstreflexive Kybernetik,
die auch als "Kybernetik zweiter Ordnung" bezeichnet wird und das
wissenschaftliche Denken revolutionierte. Diese "Kybernetik der
Kybernetik" rückte das Thema Selbstorganisation und die menschliche
Eigenverantwortung in den Vordergrund. Am Biological Computer
Laboratory kamen Wissenschafter/innen aus den verschiedensten Sparten
und vielen Teilen der Welt zusammen und experimentierten mit den
neuen kybernetischen Denkansätzen. Von der Theorie der Autopoiesis
bis zu modernen Managementtheorien, von der Systemtheorie bis zur
systemischen Familientherapie - sie alle spielen mit dem Zauber der
Zirkularität, den Heinz von Foerster gerne als "Ouroboros"
dargestellt hat: eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt.

Unter dem Titel "Systeme ohne Steuermann - von Organismen und
Finanzmärkten" berichtet Mark Hammer vom Heinz von Foerster-Symposium
2011 - in den "Dimensionen" am 17. November ab 19.05 Uhr in Ö1. Was
haben der globale Finanzmarkt und nicht funktionierende Thermostate
gemeinsam? Beide können dazu führen, dass sich ein System überhitzt,
dass es aus dem Ruder gerät, sein Gleichgewicht verliert. Die Regeln
der Kybernetik können für völlig unterschiedliche Dinge gelten: für
einen einfachen Thermostat, der die Raumtemperatur regelt, ebenso wie
für ein Ökosystem; für die Steuerung von biologischen Prozessen in
Organismen genauso wie für die Spielregeln der Finanzmärkte. Es geht
um das Gleichgewicht von Systemen und Organisationen, um die Regeln
von Steuerung und Rückkopplung, die drohendes Chaos im Zaum halten.
Nähere Informationen zum Programm von Österreich 1 sind abrufbar
unter http://oe1.orf.at.

Rückfragehinweis:
ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit
Isabella Henke
Tel.: (01) 501 01/18050
mailto:[email protected]

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