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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Das Hexeneinmaleins"
Ausgabe vom 5. November 2011
Wien (OTS) - "Du mußt versteh'n! Aus Eins mach Zehn, Und Zwei laß
geh'n, Und Drei mach gleich, So bist Du reich." So beginnt das
Hexeneinmaleins, und es verwundert ein bisschen, dass es im
Communique der G20 nicht zitiert wurde. Denn wie Faust benötigte auch
die Wirtschaft in Europa und den USA einen Verjüngungstrank:
Reduzierung der Staatsschuld bei gleichzeitiger Ankurbelung der
Konjunktur. Das hat viel mit Alchimie und wenig mit Logik zu tun.
Ob bei derart hohen Staatsschulden noch großartig investiert werden
kann, sei dahingestellt. Die Notenbanken jedenfalls haben ihren Trank
gebraut, die Zinssenkung der EZB gleich bei der ersten Sitzung des
neuen EZB-Chefs Draghi war ein Warnsignal: Europas Wirtschaft wird zu
Beginn 2012 sogar leicht schrumpfen.
Das bedeutet höhere Arbeitslosigkeit, und wohl auch noch größeren
Missmut bei den Bürgern über das Tollhaus Europa.
Trotz aller nationalen Irrsinnigkeiten, von Finnland über die
Slowakei, Italien bis zum unrühmlichen Höhepunkt Griechenland,
versuchen weiterhin 27 Lehrlinge jeweils für sich eine Zauber-Formel
zu finden, die für alle gelten soll.
Und sie machen es sich einfach dabei. Europa ist Vielfalt, es darf
nicht alles über einen Kamm geschert werden.
Dieses in guten Zeiten sympathische Postulat verkommt in der Krise
zum Todschlag-Argument. Natürlich ließe sich die europäische
Wirtschaft stärker aus der aufkommenden Lethargie reißen. Aber nur,
wenn es eine größere Gemeinsamkeit gäbe.
Die EU-Kommission hat es ohnehin schon vorgerechnet: Ein wirklich
funktionierender Binnenmarkt, eine wirklich funktionierende
Dienstleistungs-Freiheit, eine wirklich funktionierende Kooperation
der Sozialversicherungen und wirklich funktionierende Mindestlöhne
würden wirklich was bringen. Größere Mobilität wäre in jedem Fall
begrüßenswert. Ländliche Gebiete in der EU flächendeckend mit
Breitband zu versorgen, kann nur eine gemeinsame Aufgabe sein. Was in
Österreich passiert, muss in Griechenland oder Litauen noch lange
nicht der Fall sein. Sollte es aber.
Das Hexeneinmaleins reimt sich schön und ist witzig, aber eigentlich
ein sinnloser Spruch. Mit nationalen Rezepten die europäische
Wirtschaft in Gang zu halten, ist wie das Hexeneinmaleins. Aber halt
weder witzig noch reimt es sich...
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